Frau Bas, da sich eine Erhöhung des Mindestlohnes negativ auf die Inflation auswirkt. Wären sie als Parteichefin bereit davon abzurücken und Sozialpolitik/ Wirtschaftspolitik mehr zusammen zu denken ?
Sehr geehrter Herr M.,
vielen Dank für Ihre Frage.
Die These, dass die Inflation maßgeblich durch die Erhöhung des Mindestlohns verursacht würde, ist so nicht haltbar. Empirische Studien zeigen, dass der Effekt auf die Inflation kaum messbar ist. Viel stärker ist der Einfluss von Energiepreisen, globalen Krisen und Lieferkettenschocks – genau das haben wir in den letzten Jahren gesehen. Die aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern bestehende Mindestlohnkommission hat außerdem festgestellt, dass es Unternehmen überwiegend gut gelungen ist, sich an das gestiegene Lohnkostenniveau anzupassen.
Im Gegenteil ist die Inflation ein wichtiger Grund, warum der Mindestlohn steigen muss. Gerade die Menschen, die auf jeden Euro achten müssen und von steigenden Preisen im Supermarkt und bei Energie am stärksten betroffen sind, dürfen der Inflation nicht einfach ausgeliefert sein.
Von der Mindestlohnerhöhung profitieren übrigens nicht nur die Menschen, die tatsächlich den Mindestlohn bekommen. Wer als gelernte Kraft über Mindestlohn verdient, hat nach einer Erhöhung ein starkes Argument in der Tasche, um für eine eigene Lohnerhöhung zu kämpfen. Diese sogenannten „Spillover“-Effekte sind wissenschaftlich gut belegt.
Und auch die Wirtschaft insgesamt profitiert von angemessenen Mindestlöhnen: Wer mehr verdient, kann auch mehr ausgeben und so die Wirtschaft vor Ort stärken. Das ist gerade in Zeiten wirtschaftlicher Krisen wichtig.
Der Mindestlohn ist ein wichtiges Instrument, um dafür zu sorgen, dass alle Menschen von ihrer eigenen Arbeit gut leben können. Dafür werden wir als SPD auch weiterhin kämpfen.
Abschließend möchte ich darauf hinweisen, dass Sie selbstverständlich die Möglichkeit haben, auch auf direktem Weg mit dem Deutschen Bundestag, seinen Abgeordneten oder mir Kontakt aufzunehmen – zum Beispiel über https://www.bundestag.de.
Mit freundlichen Grüßen
Bärbel Bas

