Durch welche politischen und/oder juristischen Maßnahmen kann der Lobby-Einfluß offen gemacht und eingedämmt werden? - Ich frage speziell für den Gesundheitsbereich (Psychotherapie).
Sehr geehrte Frau Bas! Wer, bzw. welche politische oder juristische Stelle geht gegen Lobbyismus vor? Es geht um den Mißbrauch der "Selbstverwaltung" im BMG durch Lobbyisten, die sich als Wissenschaftler ausgeben, aber nicht nach international anerkannten Regeln handeln, sondern nach selbstgezimmerten, die für ihre Verbände von Vorteil sind. Hinter dieser Fassade herrscht der Lobbyismus in vergleichbar autoritärer Weise wie ehedem die Herrscher des Absolutismus und schöpft für seine Kollektive Gelder ab, die der Patientenversorgung verloren gehen, weil wirksamere Verfahren verboten sind. Es ist ein un-demokratisches, juristisches Fehlkonstrukt, wenn es keine Möglichkeit gibt, bei einer übergeordneten Schiedsstelle darauf verweisen und um Überprüfung bitten zu können.
Mit der Bitte um Weitergabe an Ihre Kollegen/innen im Gesundheits-ausschuss und/oder an Anti-Lobbyismus- und Anti-Korruptions-Verantwortliche - und mit großem Dank -
Lotte H., Prof. Dr. med., Dipl. Psych.
Sehr geehrte Frau Professorin H.,
vielen Dank für Ihre Frage.
Interessenvertretung gegenüber der Politik gehört zu einer Demokratie, sie braucht aber klare Regeln und Transparenz. Seit 2022 gibt es dafür das Lobbyregister beim Deutschen Bundestag. Dort ist nachvollziehbar, wer mit welchen Mitteln und Zielen Einfluss auf Entscheidungen nehmen will. Einsehbar ist es unter https://www.lobbyregister.bundestag.de.
Ihr Punkt zielt auf die Selbstverwaltung im Gesundheitswesen. Über den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung und über die Bewertung von Behandlungsmethoden entscheidet der Gemeinsame Bundesausschuss, in dem Krankenkassen, Ärzteschaft, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, Krankenhäuser sowie Patientenvertretungen zusammenwirken. Seine Beschlüsse unterliegen der Rechtsaufsicht des Bundesministeriums für Gesundheit, das sie beanstanden kann.
Als Bundesministerin für Arbeit und Soziales habe ich auf diese Verfahren keinen unmittelbaren Einfluss. Ich empfehle Ihnen, sich mit Ihrer Frage direkt an das Bundesministerium für Gesundheit oder auch an meine Kollegin Dagmar Schmidt, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, zuständig u. a. für Gesundheit, zu wenden.
Abschließend möchte ich darauf hinweisen, dass Sie selbstverständlich die Möglichkeit haben, auch auf direktem Weg mit dem Deutschen Bundestag, seinen Abgeordneten oder mir Kontakt aufzunehmen – zum Beispiel über https://www.bundestag.de.
Mit freundlichen Grüßen
Bärbel Bas

