Sehr geehrte Frau Özoğuz, wie können wir die Weltuntergangsuhr wieder zurückdrehen?
Letzte Woche hat das Bulletin of the Atomic Scientists die Weltuntergangsuhr für 2026 veröffentlicht. Der Zeiger steht jetzt auf 85 Sekunden vor Mitternacht. Damit stehen wir näher vor dem globalen Zusammenbruch als je zuvor, sogar zu Zeiten des Kalten Krieges. Diese Einschätzung begründet das BAS mit dem steigenden Risiko eines Atomkrieges, der mangelnden Handlungsbereitschaft im Umgang mit der Klimakrise sowie neuartigen Risiken durch Biotechnologie und künstliche Intelligenz, alles verschärft durch die abnehmende Kooperationsbereitschaft der Großmächte.
https://thebulletin.org/doomsday-clock/2026-statement/
Wie versuchen Sie, diese Risiken zu mindern? Wie schätzen Sie die Aussichten ein?
Sehr geehrte Frau I.,
vielen Dank für Ihre Nachricht. Ihre Sorgen kann ich gut nachvollziehen, denn die Weltlage ist ernst. Als Mitglied des Auswärtigen Ausschusses setze ich mich mit den im Bulletin of the Atomic Scientists beschriebenen Bedrohungen, wie z.B. mit den territorialen Ansprüchen der Großmächte, atomarer Aufrüstung und Klimakrise, regelmäßig auseinander.
In einer Welt, in der einzelne Machthaber zunehmend auf Abschottung und das Recht des Stärkeren setzen, ist unsere Antwort als SPD-Bundestagsfraktion ein handlungsfähiges Europa und starke Partnerschaften in der Welt, auch jenseits des Westens. Denn ein starkes Europa steht für Zusammenarbeit statt Alleingänge, für Regeln statt Willkür, für Frieden, Freiheit und Demokratie. Und wir setzen weiter auf ökonomische und sicherheitspolitische Verflechtungen, die bestehende Verwerfungen dämpfen und neuen Handelskriegen sowie Rüstungswettläufen entgegenwirken können.
Abrüstung und Rüstungskontrolle werden in den kommenden Jahren noch schwieriger werden. Anfang Februar 2026 ist das „New Start“-Abkommen zwischen den USA und Russland geendet. Und auch wir in Europa müssen uns sehr ernsthaft Gedanken darüber machen, wie wir unsere Sicherheit und Souveränität erhalten können. Bei all diesen Herausforderungen ist jedoch für mich und meine Fraktion klar: Die globalen Zukunftsaufgaben – Krieg und Frieden, Klimawandel, Migration, globale Gerechtigkeit und soziale Ungleichheit – sind nicht durch nationalistische Alleingänge, schon gar nicht durch Populismus und egozentrisches Verhalten, sondern nur gemeinsam durch die internationale Gemeinschaft zu bewältigen.
Vielen Dank.

