Wann gibt es endlich aufgrund des Klimawandels eine Dürrebeihilfe für Landwirtschaftsbetriebe?
Wir sind ein kleiner nachhaltiger Landwirtschaftsbetrieb in Nord-Hessen und bewirtschaften nur Dauergrünland zum Grünfutteranbau. Seit 2010 haben wir unter den vom Klimawandel ausgelösten Dürren zu leiden. Unsere Region hatte in den Jahren 2011, 2017, 2018, 2020, 2022 und 2025 teils massive Dürren. Im Jahr 2022 hatten wir einen Ernteverlust von über 80%. Da wirkt es doch befremdlich wenn dann noch der Staat Klimaschädliche Subventionen von ca. 65 Milliarden Euro (Tendenz steigend) pro Jahr vergibt und seine Landwirte im Bezug auf die Dürren bis jetzt alleine gelassen hat. Wird es nun endlich kurzfristig eine Beihilfe für die vom Klimawandel betroffenen Landwirten geben?
Sehr geehrter Herr G.,
vielen Dank für Ihre Anfrage. Ich weiß, dass Trockenheit, Hitze und andere Extremwetterereignisse viele landwirtschaftliche Betriebe stark belasten. Gerade deshalb müssen Betriebe, die durch außergewöhnliche Wetterlagen in ihrer Existenz bedroht sind, verlässlich unterstützt werden.
Damit landwirtschaftliche Betriebe durch außergewöhnliche Wetterereignisse nicht in Existenznot geraten, kommt der Staat ihnen in der Regel zur Hilfe. So wurden nach der extremen Dürre von 2018 in vielen Regionen Deutschlands insgesamt knapp 292 Millionen Euro an staatlichen Nothilfen ausgezahlt. Damit wurden 7214 landwirtschaftliche Betriebe unterstützt.
Da wetterbedingte Extremereignisse meist mit regionalem Fokus auftreten, sind in erster Linie die Bundesländer dafür zuständig, festzustellen, welcher Schaden entstanden ist und wem wie viel an Hilfe zusteht. Nur dann, wenn ein "Schaden nationalen Ausmaßes" festgestellt wird, das heißt große Teile Deutschlands betroffen sind, beteiligt sich auch der Bund an den Hilfszahlungen.
Die Länder und ausnahmsweise der Bund können auf Grundlage einer von der Europäischen Kommission notifizierten nationalen Rahmenrichtlinie bei Naturkatastrophen oder diesen gleichzusetzenden widrigen Witterungsverhältnissen in der Land- und Forstwirtschaft finanzielle Hilfen leisten. Die Hilfen können in Form von Zuschüssen oder Zinszuschüssen geleistet werden.
Pauschale kurzfristige Beihilfen unabhängig von Schadenslage und Betroffenheit können nur das letzte Mittel sein. Vielmehr wollen wir die Betriebe nicht erst im Krisenfall unterstützen, sondern sie widerstandsfähiger gegen Klimarisiken machen z.B. durch Forschung, klimaangepasste Bewirtschaftung oder widerstandsfähige Sorten. Dafür bedarf es auch einer guten und engen gemeinsamen Agrarpolitik in der EU, die wir intensiv unterstützen und fördern. Gleichzeitig behalten wir die aktuelle Lage in der Landwirtschaft genau im Blick.
Folgende Maßnahmen sind unter anderem geplant:
Liquiditätsprogramm 1: das bestehende Liquiditätsprogramm der Rentenbank wird um 300 Mio. Euro auf eine Darlehensvolumen von insgesamt 500 Mio. Euro aufgestockt
Liquiditätsprogramm 2: In Abstimmung mit dem Bundesfinanzministerium will das BMLEH ein zweites Liquiditätsprogramm über die Landwirtschaftlichen Rentenbank aufsetzen.
Dünger- und Energie-Krisenpaket: Das BMLEH wird die EU-Düngemittelhilfen in Höhe von 60 Millionen Euro als Hektarprämien den Betrieben unkompliziert zur Verfügung stellen, bei denen Kosten für Dünger oder Diesel stark gestiegen sind.
Risikoausgleichsrücklage & Gewinnglättung: Angesichts der veränderten klimatischen Bedingungen wird sich das BMLEH für die Einführung einer steuerlichen Risikoausgleichsrücklage einsetzen. Dies gilt auch für eine Verstetigung der sogenannten Gewinnglättung, um stark schwankende landwirtschaftliche Einkommen auszugleichen.
Mehrgefahrenversicherung: Betriebe müssen sich besser gegen Wetterrisiken absichern können. Das BMLEH will deshalb mit den Ländern eine Förderung von Mehrgefahrenversicherungen gegen Dürre, Frost oder Starkregen über die Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz ermöglichen.
Unterstützung für die Fischerei: Wegen der stark gestiegenen Energiekosten ist auch die Fischerei besonders betroffen. Deshalb werden für Fischereibetriebe bis zu 4,5 Millionen Euro bereitgestellt – sie konnten vom Tankrabatt nicht profitieren. Von März bis Juli 2026 werden 21 Cent pro Liter Diesel erstattet.
Unter den zwei folgenden Links finden Sie weiterführende Informationen zu dem Thema:
Freundliche Grüße
Alois Rainer

