Sehr geehrter Herr Rainer, da Wassermangel zunehmend ein Problem für die Landwirtschaft ist - gibt es Überlegungen, auch hierzulande Wasser aus der Luftfeuchtigkeit zu gewinnen?
Die Methode ist ja uralt, wir möchten sie gerne tropischen Ländern ans Herz legen - aber auch bei uns wäre sie sehr nützlich!
Hier zwei Beispiele, die veranschaulichen, wie das Prinzip funktioniert.
https://youtu.be/WGeqpX_ryLQ?si=cDiQWbTQhLwL_ZVN
https://youtu.be/jmB5YGpcO-g?si=sT00YZiK3W5g-XIE
Könnten Sie sich vorstellen, unsere deutschen Landwirte dafür zu gewinnen?
Freundliche Grüße
Marietheres O.
Sehr geehrte Frau O.,
vielen Dank für Ihre Frage. Für die deutsche Landwirtschaft (z. B. den klassischen Anbau von Weizen, Gerste, Raps oder Mais) ist die Wassergewinnung aus der Luftfeuchtigkeit mithilfe der in den Videos beschriebenen traditionellen Nebelnetze leider nicht sinnvoll. Um einen einzigen Hektar Weizen oder Kartoffeln in einer sommerlichen Trockenphase effizient zu bewässern, werden enorme Mengen Wasser benötigt (oft 10.000 bis 30.000 Liter pro Tag und Hektar bei einer moderaten Zusatzbewässerung):
https://www.praxis-agrar.de/pflanze/bewaesserung/wirtschaftlichkeit-der-feldbewaesserung
Es fehlt schlichtweg der Nebel: Nebelnetze "kämmen" bereits kondensiertes Wasser aus der Luft aus. In Deutschland tritt Nebel vor allem im feuchten Herbst und Winter auf. In den heißen Dürremonaten im Sommer – wenn die Landwirtschaft das Wasser dringend benötigt – gibt es im Flachland so gut wie keinen Nebel.
Netzanlagen liefern nur wenige Liter Wasser pro Quadratmeter Netz am Tag. Man rechnet hier eher in Wochen. Für ein Weizen- oder Kartoffelfeld bräuchte man Netzanlagen von der Größe mehrerer Fußballfelder, um genug Wasser für einen einzigen heißen Tag zu generieren.
Freundliche Grüße
Alois Rainer

