Geschäfte mit Corona-Schutzausrüstung

Das ist Spahns Maskenliste

Welche Politiker:innen standen im Zusammenhang mit Corona-Maskengeschäften mit dem Gesundheitsministerium in Kontakt? Nach öffentlichem Druck veröffentlichte das Ministerium von Jens Spahn eine Liste mit 40 Abgeordneten. Wir dokumentieren die Namen und Hintergründe.

von Martin Reyher, 27.04.2021

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  • abgeordnetenwatch.de veröffentlicht eine interne Liste mit 40 Bundestagsabgeordneten, die 2020 im Zusammenhang mit Maskengeschäften Kontakt zum Gesundheitsministerium hatten.
  • Zu den Abgeordneten gehört Jens Spahn selbst, über dessen Bundestagsbüro Kontakte zu 29 Masken-Unternehmen liefen. Weitere bekannte Politiker:innen sind Andreas Scheuer (CSU), Peter Altmaier (CDU), Christian Lindner (FDP) und Bärbel Bas (SPD).
  • Auf der Liste stehen auch Politiker:innen, die unter Korruptionsverdacht geraten sind, darunter der frühere CSU-Abgeordnete Georg Nüßlein sowie die Ex-CDU-Abgeordneten Nikolas Löbel und Mark Hauptmann.
  • Das Gesundheitsministerium betont, es gebe keine Anhaltspunkte für Fehlverhalten, Provisionszahlungen oder unzulässige Einflussnahme, unabhängig vom Zeitpunkt der Kontakte.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Das Gesundheitsministerium veröffentlichte eine Liste mit 40 Abgeordneten, die 2020 im Zusammenhang mit Corona-Maskengeschäften Kontakt zum Ministerium hatten.
  • Die meisten Kontakte stammen aus CDU und CSU.
  • Auf der Liste finden sich auch Politiker:innen, gegen die später wegen Maskengeschäften ermittelt wurde, darunter Georg Nüßlein und Nikolas Löbel.
  • Die Übersicht entstand nach erheblichem öffentlichen Druck und Hunderten IFG-Anfragen.
  • Die Korrespondenz zwischen Ministerium und Abgeordneten hält das Gesundheitsministerium bis heute weitgehend unter Verschluss.

Nach Enthüllungen über lukrative Maskengeschäfte hatte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Veröffentlichung einer Liste von beteiligten Abgeordneten versprochen, war davon aber kurze Zeit später wieder abgerückt. Nun aber hat das Bundesgesundheitsministerium eine Maskenliste zusammengetragen, auf der die Namen von 40 Abgeordneten stehen, und an den Gesundheitsausschuss des Bundestags übermittelt. Wir veröffentlichen die Aufstellung an dieser Stelle.

Die Maskenliste dürfte eine Reaktion auf den großen öffentlichen Druck sein. In den vergangenen Wochen hatte es zahlreichen Pressenanfragen sowie 395 Anträge nach dem Informationsfreiheitsgesetz gegeben. Die IFG-Anfragen waren das Ergebnis unserer „Aktion Ehrensache“, die wir zusammen mit FragDenStaat initiiert hatten. 

Welche Politiker stehen auf Spahns Maskenliste?

Aus der Liste geht unter anderem hervor, dass es größtenteils Abgeordnete von CDU und CSU waren, die sich im Zusammenhang mit Masken-Deals an das Gesundheitsministerium wandten. Alleine über das Bundestagsbüro von Jens Spahn, der gleichzeitig Minister und Abgeordneter ist, kamen Kontakte zu 29 Masken-Unternehmen zustande. Über die Verkehrspolitiker Christoph Ploß und Björn Simon gab es Kontakte zu sechs bzw. vier Unternehmen, die fürs Ministerium Masken beschafften.

(Dokument "Abgeordnete, die im Zusammenhang mit abgeschlossenen Maskengeschäften im Kontakt mit dem Gesundheitsministerium standen". Ggfs. müssen Sie dieses zunächst aktivieren.)

Auch Politiker unter Korruptionsverdacht stehen auf der Liste

In der Tabelle sind Bundestagsabgeordnete aufgeführt, die "im Kontext tatsächlich abgeschlossener Verträge" von persönlicher Schutzausrüstung (PSA) im Jahr 2020 mit dem Gesundheitsministerium kommuniziert haben, unabhängig davon, ob der Kontakt vor oder nach Vertragsabschluss erfolgte. Einige Parlamentarier:innen wandten sich beispielsweise nach Vertragsabschluss an Spahn persönlich, um für ein Unternehmen auf die Erstattung der Rechnung durch das BMG zu drängen. Der SPIEGEL hatte mehrere dieser Fälle öffentlich gemacht. Ob die Abgeordneten auch an der Vermittlung des Geschäfts beteiligt waren, sagt die Aufstellung nichts aus.


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In der Liste tauchen unter anderem Abgeordnete auf, die unter Korruptionsverdacht stehen. Der frühere CSU-Fraktionsvize Georg Nüßlein, gegen den die Generalstaatsanwaltschaft München wegen des Verdachts der Bestechlichkeit bei der Vermittlung von Maskengeschäften ermittelt, sowie die inzwischen zurückgetretenen ehemaligen CDU-Abgeordneten Nikolas Löbel und Mark Hauptmann sind darauf zu finden. Neben Unions-Politiker:innen vermittelten auch FDP-Chef Christian Lindner, der in Berlin Mieter einer Wohnung von Gesundheitsminister Spahn ist, sowie die SPD-Abgeordneten Bärbel Bas und Johannes Fechner Kontakte in Bezug auf die Beschaffung von Masken.

"Keine Anhaltspunkte für Fehlverhalten und Provisionszahlungen"

Dem Gesundheitsministerium lägen "keine Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten, Provisionszahlungen oder die Gewährung anderer Vorteile sowie eine illegitime Einflussnahme auf das Handeln des Ministeriums vor", heißt es in dem Schreiben an den Gesundheitsausschuss. Nicht alle Abgeordnete hatten ihre Zustimmung zur Veröffentlichung der Angaben erteilt. Das Ministerium veröffentlichte diese - gestützt auf ein rechtliches Gutachten - aber dennoch.

Mit der Übersicht der Bundestagsabgeordneten ist allerdings unsere „Aktion Ehrensache“ noch lange nicht beendet. Im Rahmen der Aktion wurden bislang Anfragen zu den Kontakten von 395 Abgeordneten mit dem Gesundheitsministerium gestellt, darunter auch nach Korrespondenz und Angebotsdokumenten. Auch Fälle, die nicht zu einem Vertragsabschluss führen, fallen darunter. Diese muss das Ministerium nach dem Informationsfreiheitsgesetz aber herausgeben. Bisher hat die Behörde lediglich den Eingang der Anfragen bestätigt, aber noch keine Dokumente freigegeben.

FAQ zur Maskenaffäre und Spahns Maskenliste

Was ist Spahns Maskenliste?

Die Liste enthält 40 Bundestagsabgeordnete, die 2020 im Zusammenhang mit Corona-Maskengeschäften Kontakt zum Bundesgesundheitsministerium hatten.

Welche Politiker:innen tauchen auf der Maskenliste auf?

Auf der Liste stehen unter anderem Jens Spahn, Georg Nüßlein, Nikolas Löbel, Mark Hauptmann, Christian Lindner, Bärbel Bas und Johannes Fechner.

Beweist die Liste illegale Maskengeschäfte?

Nein. Die Aufstellung dokumentiert Kontakte zwischen Abgeordneten und dem Gesundheitsministerium. Ob Abgeordnete an der Vermittlung beteiligt waren oder Provisionen erhielten, geht daraus nicht hervor.

Warum wurde die Maskenliste veröffentlicht?

Die Veröffentlichung erfolgte nach erheblichem öffentlichem Druck, zahlreichen Medienanfragen und Hunderten Anträgen nach dem Informationsfreiheitsgesetz.

Welche Partei ist auf der Liste am häufigsten vertreten?

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums stammen die meisten Kontakte von Abgeordneten der CDU und CSU.

Mehr darüber, wie Lobbyist:innen Zugang zu Abgeordneten und politischen Entscheidungsträgern erhalten, zeigt unsere Undercover-Recherche „Das Lobbyismus-Experiment“.

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