Werden Sie sich gegen die Kürzung der Psychotherapeutenhonorare einsetzen?
Sehr geehrte Frau Mayer,
Jeder Euro, der in Psychotherapie investiert wird an anderer Stelle um das 3-5fache eingespart durch frühere Genesung und Wiederherstellung von Arbeitsfähigkeit. Es ist ein Unding, gerade an dieser Stelle zu sparen, die das Budget dermaßen gering belastet.
Sehr geehrte Frau F.,
vielen Dank für Ihr Schreiben. In der Grünen Bundestagsfraktion ist Dr. Kirsten Kappert-Gonther für das Thema zuständig. Sie und ich teilen Ihre Sorge – nicht nur gesundheitspolitisch, sondern auch aus Frau Kappert-Gonthers eigener beruflichen Erfahrung als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie.
Als Fraktion haben wir den Prozess aufmerksam begleitet. Nach Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses am 11.03.2026 soll die Vergütung für psychotherapeutische Leistungen ab dem 1. April um 4,5 Prozent sinken. Es ist unverständlich, dass ausgerechnet Psychotherapeut*innen zukünftig weniger für die Behandlung von GKV-Versicherten erhalten sollen. Psychotherapeutische Arbeit muss adäquat finanziert werden. In einer Situation, in der der Bedarf an psychotherapeutischer Versorgung stetig steigt, Wartezeiten für viele Patient*innen unzumutbar lang sind und Praxen zugleich unter erheblichem wirtschaftlichem Druck stehen, ist eine pauschale Honorarkürzung natürlich ein verheerendes Signal. Wenn Praxen wirtschaftlich unter Druck geraten und Fehlanreize zu Ungunsten von GKV-Versicherten entstehen, gefährdet das die psychotherapeutische Versorgung.
Was wir stattdessen brauchen, sind nachhaltige Reformen und strukturelle Verbesserungen. Pauschale Kürzungen werden die bestehende Fehlsteuerung und die finanzielle Schieflage innerhalb des Gesundheitssystems nicht lösen können. Durch vielfältige gesellschaftliche Krisen erleben wir derzeit einen Anstieg psychischer Belastungen, besonders unter Kindern und Jugendlichen. Das Hilfesystem wird der steigenden Nachfrage nach Unterstützungs- und Behandlungsbedarfen zunehmend nicht mehr gerecht und stößt schon heute an seine Kapazitätsgrenzen. Insgesamt sind die Zugänge zum Hilfesystem mit zu vielen Hürden belastet. Es ist nicht hinzunehmen, dass viele Menschen in einer psychischen Krise monatelang auf passende Hilfe warten müssen und die Suizidzahlen weiter steigen. Alle Menschen mit Hilfebedarf sollen im Bedarfsfall niedrigschwellige Zugänge zu passgenauen psychosozialen und therapeutischen Angeboten haben. Eine neue Bedarfsplanung ist überfällig. Unser Ziel sind mehr Hilfen und weniger Stigma.
Wir werden weiterhin dafür einstehen, dass angemessene finanzielle Rahmenbedingungen geschaffen werden. Psychische Gesundheit darf nicht vom Versicherungsstatus abhängen. Wir Grünen setzen uns darüber hinaus beständig für eine angemessene Finanzierung der Psychotherapeut*innen in Weiterbildung und eine Verbesserung der Versorgung ein!
Mit freundlichen Grüßen,
Dr. Zoe Mayer

