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Uwe Kekeritz
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Frage von Philipp R. •

Frage an Uwe Kekeritz von Philipp R. bezüglich Umwelt

Sehr geehrter Herr Kekeritz,

...die Reduzierung von Fleischkonsum hätte grosse ökologische, volkswirtschaftliche und sogar gesundheitliche Vorteile, von ethischen Bedenken der Tierhaltung, -züchtung und -schlachtung einmal ganz abgesehen.

1.Frage: Fänden sie es gut, wenn über eine hohe Fleischsteuer diskutiert werden würde?

2.Frage: Was halten sie von einer Förderung von Kunstfleischforschung durch Gewebezüchtung, wie sie in den Niederlanden bereits existiert ?

Diese könnte mit der medizinischen Forschung (Organzüchtung) zusammenarbeiten. Ein Erfolg auf diesem Gebiet würde, wie in der Wissenschaft üblich, der Menschheit und hier natürlich den Tieren für immer zugute kommen. Nachhaltiger geht es kaum.

Natürlich ist nicht gewiss, ob die Forschung dabei zu positiven Ergebnissen kommen würde, niederländische Forscher werden aber 2012 die grundsätzliche Machbarkeit dieses Vorhabens wissenschaftlich untersuchen und bewerten.

Gruss Philipp Rauter

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Antwort von
Bündnis 90/Die Grünen

Sehr geehrter Herr Rauter,

vielen Dank für Ihre interessante Frage zum Thema Fleischkonsum! Wie Ihnen vielleicht bekannt ist, setzen sich Bündnis 90/Die Grünen seit Jahren für eine Verringerung von Fleischerzeugung und -konsum ein, auch aktuell im Zusammenhang mit der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP), um die auch von Ihnen erwähnten negativen ökologischen, ökonomischen, gesundheitlichen und Tierschutz-Folgen der überdimensionierten "Tierproduktion" zu reduzieren.

Zu den konkret von Ihnen erwähnten Vorschlägen:

Fleischsteuer:
Die Einführung einer eigenen Fleisch-Steuer wäre aus unserer Sicht wenig zielführend, weil das Steuersystem durch viele "Spezialsteuern" unnötig aufgebläht und dadurch ineffizienter würde (zusätzliche Formulare, Verordnungen, Prüfungssysteme etc.). Einfacher und sinnvoller wäre stattdessen eine Reform der Umsatzsteuer ("Mehrwertsteuer"), die gegenwärtig noch zahllose Ausnahmeregelungen enthält, mit denen der Standard-Steuersatz von 19 % auf 7 % reduziert wird, darunter auch zahlreiche Fleisch- und Wurstprodukte. Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen strebt eine Beschränkung des 7 %-Steuersatzes auf unverarbeitete "Grundnahrungsmittel" an, demnach würde z. B. für Wurstwaren künftig der volle Mehrwertsteuersatz fällig. Das würde einerseits zur Finanzierung wichtiger öffentlicher Aufgaben beitragen (z. B. eine gesunde Verpflegung in Schulen und Kindertagesstätten), andererseits aber auch eine erwünschte Lenkungswirkung hin zu fleischärmeren Konsummustern erzielen.

Synthetische Fleischprodukte ("Kunstfleisch"): Aus unserer Sicht bietet eine bäuerliche und ökologische Landwirtschaft mehr als ausreichend Potenzial, um die Bevölkerung mit hochwertigen und gesunden Lebensmitteln zu versorgen und ein attraktives Arbeits- und Lebensumfeld im ländlichen Raum zu schaffen, ohne dass dabei Böden, Wasser, Artenvielfalt und Klima gefährdet werden. Das gilt auch für tierische Produkte (Milch, Fleisch, Eier). Synthetisch erzeugte Lebensmittel (auch Fleisch) sind aus unserer Sicht dagegen nicht die richtige Antwort auf die aktuellen Herausforderungen im Bereich Landwirtschaft und Ernährung.
Neben den völlig ungeklärten ökologischen und ökonomischen Faktoren dieser Art der Lebensmittelerzeugung wirft die Kunstfleischproduktion auch gesundheitliche und kulturelle Fragen auf (Kunstfleisch wäre z. B. nicht gesünder als traditionell erzeugtes Fleisch).

Ich hoffe, Ihnen hiermit weitergeholfen zu haben. Für Rückfragen oder weitere Informationen stehe ich Ihnen natürlich gerne zur Verfügung!

Mit freundlichen Grüßen,

Uwe Kekeritz