Warum treibt die SPD die im Koalitionsvertrag vereinbarte Reform der Schuldenbremse nicht deutlich offensiver voran, statt in der schwachen Konjunktur weitere Kürzungen mitzutragen?
Sie haben bei Caren Miosga (21.09) die Kürzungs- und Reformdebatte kritisiert. Für mich bleibt dabei die Schuldenbremse der zentrale blinde Fleck. Der Koalitionsvertrag versprach eine Modernisierung und Gesetzgebung bis Ende 2025, dieses Ziel wurde verfehlt. Für 2027 plant der Bund rund 204 Mrd. € neue Kredite aus Kernhaushalt und Sondervermögen, zugleich besteht weiterer Konsolidierungsdruck. Die Bundesbank schreibt, dass die expansive Fiskalpolitik 2026 einen Rückgang des BIP verhindert und der private Konsum verhalten bleibt. Gerade in einer solchen Lage schwächen Kürzungen die gesamtwirtschaftliche Nachfrage zusätzlich. Finanzregeln sollten staatliche Handlungsfähigkeit sichern, nicht zum Selbstzweck werden. Ich wünsche mir deshalb, dass die SPD offensiver erklärt, dass Staatsschulden wirtschaftlich sinnvoll sind, vor allem in der aktuellen Lage.
Quellen: Koalitionsvertrag 2025, S. 38; BMF, Regierungsentwurf Bundeshaushalt 2027; Bundesbank, Monatsberichte Juni/Sept. 2026.

