Wie vereinbaren Sie Ihre Kritik an der Work-Life-Balance der Bürger mit dem ethischen Grundsatz, dass die eigenen Maßstäbe an Fleiß und Aktendisziplin auch für das Handeln der Politik gelten müssen?
Sehr geehrter Herr Frei,
Sie mahnen regelmäßig eine höhere Arbeitsmoral der Bürger an. Zugleich äußerten Sie auf einem IHK-Forum, die Aktenarbeit im Kanzleramt habe Ihnen zu wenig Raum für Bevorzugtes wie Debatten gelassen. In der Realwirtschaft (etwa bei Trumpf) wird jedoch betont, dass nicht fehlender Fleiß der Menschen oder Debattenarmut, sondern politische Versäumnisse die Wirtschaft bremsen.
Ethik und Staatskunst verlangen, dass Maßstäbe, die man an andere anlegt, auch für das eigene Handeln gelten müssen (im Sinne einer allgemeinen Maxime):
Warum messen Sie die Arbeitsmoral der Beschäftigten im Handwerk, in der Pflege oder in der Industrie an Grundsätzen, die Sie bei der verfassungsgemäßen Pflichtarbeit in der Exekutive als belastend empfinden?
Ist das Ausweichen auf Debatten statt der gründlichen Abarbeitung von Gesetzesakten aus Ihrer Sicht das richtige Vorbild, um den Wirtschaftsstandort wieder nach vorne zu bringen?
Mit freundlichen Grüßen
Richard P.

