Wer übernimmt künftig die heute unbezahlt geleistete Carearbeit, wenn durch höhere Erwerbsbeteiligung und längere Erwerbslebensarbeitszeiten weniger Zeit dafür bleibt?
Sehr geehrter Herr Frei,am 13.04.26 schrieben Sie, dass unbezahlte Carearbeit weiterhin überwiegend innerhalb der Familie geleistet werden soll, und verweisen dabei auf das Elterngeld, den Partnerschaftsbonus sowie den Ausbau der Kinderbetreuung.Carearbeit ist weit mehr als Kinderbetreuung. Dazu gehören u.a. Haushaltsführung, die Unterstützung und Pflege älterer Menschen, kranker Menschen sowie von Menschen mit Behinderung.Soll unbezahlte Carearbeit innerhalb der Familie organisiert werden, setzt dies voraus, dass mehrere Erwachsene Sorgearbeit untereinander aufteilen können und ein familiäres Unterstützungsnetz vorhanden ist, das die erforderlichen Bedarfe abdecken kann. Die Lebensrealität vieler Menschen sieht anders aus: Sie müssen allein, ohne familiäre Unterstützung, ihren Haushalt und gegebenenfalls Kinderbetreuung, Pflegeverantwortung und Erwerbsarbeit organisieren. Das hat vielfältige Ursachen und betrifft alle Altersgruppen. So wird geht es also nicht gehen.MfG!
Sehr geehrte Frau F.,
der Staat unterstützt überall dort, wo Menschen auf Unterstützung angewiesen sind. Das ist richtig. Klar ist aber auch, dass nicht alles, was wünschenswert wäre, auch finanzierbar ist. Gerade in Zeiten des demografischen Wandels müssen wir schauen, wie wir das System insgesamt finanzierbar halten, damit es auch in Zukunft greift, wenn der Pflegefall eintreten sollte.
Dazu gehört für mich, dass jeder nach seinen Möglichkeiten seinen Beitrag leistet - finanziell oder durch die Pflege eines geliebten Angehörigen.
In diesem Zusammenhang sei auch noch einmal in Erinnerung gerufen, dass die Pflegeversicherung überhaupt erst seit 1995 existiert und damals explizit als Teil-Versicherung konzipiert wurde. Davor waren Pflegebedürftige und ihre Angehörigen ausschließlich auf sich gestellt. In sehr vielen Ländern ist dies auch heute noch der Fall.
Mit freundlichen Grüßen
Thorsten Frei

