Lachend am Geländer
Tanja Machalet
SPD
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Frage von Lisa S. •

Wie wollen Sie die Versorgung psychisch erkrankter Menschen sicherstellen, wenn die geplante Budgetierung die Versorgung deutlich verschlechtert?

Kommt die Budgetierung, droht, dass nur 18 Sitzungen Psychotherapie pro Woche vollständig vergütet werden, 6 Stunden weniger als aktuell Praxen mit hälftigem Versorgungsauftrag leisten.

D. h. die Anzahl laufender Therapien wird sich bis 2027 auf 18 Sitzungen pro Woche verringern, die Wartezeiten für Patienten werden sich nochmals um weitere Monate erhöhen, Privatpatienten werden Vorrang erhalten, v. a. Praxen im ländlichen Raum werden schließen müssen, der Nachwuchs weiter abgeschreckt.

Die Versorgungssituation von Menschen in Not, in psychischen Krisen, in Ausnahmezustände und mit chronischen Erkrankungen wird sich ab 2027 rapide verschlechtern. Das wir wirtschaftliche und gesamtgesellschaftliche Konsequenzen haben, mal ganz abgesehen vom individuellen Leid, dem Leid der Angehörigen, Familien und Kinder. Jeder investierte € in Psychotherapie reduziert AU Zeiten u Frühverrentung, wendet teure stationäre Behandlung ab und verbessert die Lebensqualität. Langfristig denken lohnt sich!

Lachend am Geländer
Antwort von SPD

Sehr geehrte Frau S.,

 

ich kann gut nachvollziehen, dass die im Zusammenhang mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vorgesehenen Änderungen viele Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sowie Patientinnen und Patienten verunsichern. Gerade angesichts der bereits heute vielerorts langen Wartezeiten ist es wichtig, die Auswirkungen der Neuregelungen sehr genau im Blick zu behalten.

 

Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz verfolgt das Ziel, die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung angesichts eines erheblichen Defizits zu stabilisieren. Im parlamentarischen Verfahren war es uns als SPD-Fraktion ein wichtiges Anliegen, notwendige Konsolidierungsmaßnahmen so auszugestalten, dass die Versorgung psychisch erkrankter Menschen möglichst nicht beeinträchtigt wird. Deshalb konnten wir durch unseren Einsatz wichtige Verbesserungen erreichen.

 

Dazu gehören insbesondere die Absicherung begonnener psychotherapeutischer Behandlungen bis zu ihrem tatsächlichen Abschluss, die dauerhafte extrabudgetäre Vergütung der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie sowie der Versorgung schwer psychisch erkrankter Menschen, zusätzliche finanzielle Mittel für dringliche psychotherapeutische Behandlungen sowie die gesetzliche Klarstellung, dass die innerhalb der morbiditätsorientierten Gesamtvergütung für die Psychotherapie vorgesehenen Mittel auch künftig ausschließlich der psychotherapeutischen Versorgung zugutekommen.

 

Sie weisen darauf hin, dass die Budgetierungsregelungen nach Einschätzung zahlreicher Berufsverbände dazu führen könnten, dass künftig weniger Therapieplätze angeboten werden, Wartezeiten weiter steigen und insbesondere Praxen im ländlichen Raum wirtschaftlich unter Druck geraten. Diese Befürchtungen nehme ich ernst. Ob und in welchem Umfang diese Auswirkungen tatsächlich eintreten werden, lässt sich derzeit jedoch noch nicht belastbar beurteilen. Deshalb wird die SPD-Bundestagsfraktion die Auswirkungen der Reform auf die Versorgungssituation aufmerksam im Blick behalten, auswerten und die daraus gewonnenen Erkenntnisse in die weiteren gesundheitspolitischen Beratungen einbringen.

 

Unser gemeinsames Ziel muss sein, die finanzielle Stabilität der gesetzlichen Krankenversicherung mit einer bedarfsgerechten und qualitativ hochwertigen Versorgung psychisch erkrankter Menschen in Einklang zu bringen. Im Koalitionsvertrag haben wir zudem vereinbart, die Bedarfsplanung insbesondere für Kinder und Jugendliche sowie für ländliche Regionen weiterzuentwickeln, um den tatsächlichen Versorgungsbedarf künftig besser abzubilden und den Zugang zur psychotherapeutischen Versorgung nachhaltig zu verbessern.

 

Ich bin davon überzeugt, dass psychische Erkrankungen gesundheitspolitisch weiterhin hohe Priorität haben müssen. Eine frühzeitige psychotherapeutische Behandlung lindert nicht nur individuelles Leid, sondern kann auch stationäre Behandlungen vermeiden, Arbeitsunfähigkeitszeiten verkürzen und Frühverrentungen entgegenwirken. In diesem Sinne ist eine leistungsfähige ambulante Psychotherapie auch eine Investition in die langfristige Stabilität unseres Gesundheits- und Sozialsystems.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihre Dr. Tanja Machalet

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