Was tun Sie im Ausschuss für Gesundheit zur Änderung der katastrophalen Versorgungslage in der Psychotherapie?
Sehr geehrte Frau Machalet,einen Psychotherapieplatz zu finden, ist enorm schwierig. Das weiß jeder. Dennoch werden die Arbeitsmöglichkeiten für PsychotherapeutInnen weiter eingeschränkt. Was tun Sie in dieser Situation für eine Verbesserung der Versorgungsqualität?
Sehr geehrte Frau M.,
einen Therapieplatz zu finden, ist tatsächlich für viele Menschen bereits heute eine Hürde. Und gerade deshalb müssen wir genau hinschauen, welche Auswirkungen die gesundheitspolitischen Entscheidungen auf die tatsächliche Versorgung haben. Es reicht nicht, auf dem Papier ausreichende Versorgungskapazitäten zu haben, wenn Menschen in einer psychischen Krise monatelang auf Behandlung warten.
Ich habe mich im parlamentarischen Verfahren zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen der SPD-Fraktion dafür eingesetzt, die Auswirkungen auf die Psychotherapie abzumildern. Erreicht werden konnte unter anderem, dass begonnene Behandlungen abgesichert werden, dass die psychotherapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen sowie schwer psychisch erkrankter Menschen dauerhaft besonders berücksichtigt wird und dass zusätzliche Mittel für dringliche Behandlungen vorgesehen sind. Außerdem bleiben die für die Psychotherapie vorgesehenen Vergütungsmittel auch nach der Einbeziehung in die morbiditätsorientierte Gesamtvergütung für die psychotherapeutische Versorgung erhalten.
Gleichzeitig will ich die Probleme, die mit dem Gesetz entstehen könnten, nicht kleinreden. Insbesondere die Sorge, dass die neuen Vergütungsregelungen dazu führen, dass Praxen weniger Behandlungen anbieten können und sich dadurch Wartezeiten weiter verlängern, nehme ich ernst. Genau deshalb haben wir vor dem Sommer ausdrücklich vereinbart, die Auswirkungen der Reform zu überprüfen und bei Fehlentwicklungen gesetzlich nachzusteuern.
Diese Arbeit muss dann auch tatsächlich stattfinden. Für mich gehören dabei drei Punkte zusammen: Erstens brauchen wir eine Bedarfsplanung, die den tatsächlichen Bedarf abbildet – insbesondere bei Kindern und Jugendlichen und in ländlichen Regionen. Die heutige Bedarfsplanung bildet die Versorgungssituation vielerorts nur unzureichend ab. Zweitens müssen wir sicherstellen, dass dringlich psychisch erkrankte Menschen schneller einen Behandlungsplatz bekommen und notwendige Behandlungen nicht aus finanziellen Gründen unterbrochen werden. Und drittens brauchen wir verlässliche Rahmenbedingungen für die Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten selbst. Gute Versorgung gibt es nicht ohne ausreichend viele Menschen, die diesen Beruf ausüben können und wollen.
Ein weiterer Punkt ist mir wichtig: Die Finanzierung der psychotherapeutischen Weiterbildung muss endlich dauerhaft und auskömmlich geregelt werden. Wenn wir heute nicht dafür sorgen, dass genügend junge Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten ihre Weiterbildung absolvieren können, verschärfen wir den Fachkräftemangel und damit die Versorgungslücke von morgen. Erste Verbesserungen sind bereits in Kraft, eine weitergehende Regelung muss aber noch folgen.
Meine Rolle als Vorsitzende des Gesundheitsausschusses sehe ich dabei auch darin, diesen Fragen im parlamentarischen Verfahren Nachdruck zu verleihen und die Auswirkungen der beschlossenen Reformen kritisch zu begleiten. Ich will deshalb auch nicht den Eindruck erwecken, mit den im Juli beschlossenen Änderungen sei das Problem gelöst. Das ist es nicht. Die angekündigte Nachsteuerung muss dazu genutzt werden, die Versorgung tatsächlich zu verbessern und nicht nur weitere Verschlechterungen zu verhindern.
Mir ist bewusst, dass solche politischen Prozesse für Menschen, die heute einen Therapieplatz suchen oder eine Praxis unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen führen, wenig tröstlich sind. Gerade deshalb kommt es jetzt darauf an, aus den Erfahrungen mit den Gesetzesänderungen und darüber hinaus konkrete Schlüsse zu ziehen. Mein Ziel bleibt eine psychotherapeutische Versorgung, bei der Menschen nicht erst monatelang warten müssen, bis aus einer behandelbaren psychischen Erkrankung eine chronische oder akute Krise wird.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre Dr. Tanja Machalet

