Frage an Stephan Stracke von Jvyyv Erzzryg bezüglich Gesundheit

29. September 2019 - 19:45

Sehr geehrter Herr Stracke,
ich und die meisten Menschen in meinem Umfeld sind empört über das "drohende" Gesetz über die Impfpflicht gegen Masern. Ich bin ein politisch interessierter Mensch und tendiere zunehmend dazu, die Politik als Gefahr für uns Bürger wahrzunehmen. Die Menschen in meinem Umfeld, das sind nicht wenige, sind alle gegen dieses Gesetz. Es ist unnötig, riskant, teuer, unakzeptiert....eine generelle Masernimpfung durchzuführen. Es gibt mehrere Krankheiten und Todesursachen (z.B. Krankenhauskeime usw.), an diesen sterben jährlich viele tausend Menschen. Hier ist die Politik gefordert. Aber hier ist wahrscheinlich keine schnelle Lösung per Serum möglich. Das MASERN-Gesetz mit der "Geldstrafenkeule" erweckt den Eindruck, dass es der Profilierung der Politik/der Politiker dient.
Sehr geehrter Herr Stracke, wie kann die Verabschiedung dieses Gesetzes verhindert werden?

Frage von Jvyyv Erzzryg
Antwort von Stephan Stracke
02. Oktober 2019 - 15:09
Zeit bis zur Antwort: 2 Tage 19 Stunden

Sehr geehrter Herr Erzzryg,

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 22. September 2019 dieses Jahres, in der Sie Stellung zur laufenden Debatte zum Thema Impfpflicht nehmen. Auch wir halten es für besonders wichtig, eine offene und differenzierte gesellschaftliche Diskussion zu diesem Thema zu führen.

Fest steht: Impfungen gehören zu den wirksamsten präventiven Maßnahmen, die in der Medizin zur Verfügung stehen. Gleichzeitig schützt die Impfung nicht nur die geimpften Personen selbst, sondern insbesondere indirekt auch die Menschen, die sich nicht selbst impfen lassen können, so z. B. Säuglinge bis zum 6. Lebensmonat oder anderweitig erkrankte Menschen.

Vor diesem Hintergrund haben wir in den letzten Jahren viel für die Prävention in Deutschland getan. So haben wir 2017 mit dem Gesetz zur Modernisierung der epidemiologischen Überwachung übertragbarer Krankheiten für eine bessere Durchsetzbarkeit der Pflicht zur Impfberatung der Eltern vor Aufnahme ihrer Kinder in einer Kita beschlossen. Dabei setzten wir auf objektive ärztliche Beratung der Eltern, um ihnen Ängste zu nehmen und über Impfungen aufzuklären. Um dafür zu sorgen, dass die Impfberatungspflicht keine leere Worthülse ist, droht Eltern, die sich der Beratung verweigern, nach geltendem Recht des Infektionsschutzgesetzes ein Bußgeld von bis zu 2.500 Euro. Dabei steht bei uns nicht die Strafe im Mittelpunkt, sondern die so wichtige Aufklärung der Eltern. In diesem Zusammenhang haben wahrscheinlich auch Sie die Plakate der Kampagne „Deutschland sucht den Impfpass“ gesehen, mit der wir unter anderem schon seit 2015 über die Impfung - insbesondere gegen Masern - deutschlandweit informieren.

Dennoch besteht bei einigen Schutzimpfungen noch Verbesserungsbedarf, um die sogenannte Herdenimmunität zu gewährleisten. Diese, vor allem für Menschen, die sich nicht impfen lassen können, wichtige Immunität tritt ein, wenn 95 Prozent der Bevölkerung über einen entsprechenden Impfschutz verfügt. Defizite bestehen derzeit beim Impfschutz von Kindern bei den zweiten Impfungen gegen Masern, Mumps und Röteln. Insbesondere liegen aber die Quoten der Erwachsenen bei der Masernimpfung noch unter den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). So veröffentlichte die WHO erst kürzlich aktuelle Daten zur Ausbreitung von Masern und damit zusammenhängenden Todesfällen: Im Jahr 2017 lag die Zahl der Infektionen bei rund 6,7 Millionen Fällen, 110.000 Menschen starben laut den Berechnungen. Die Mehrzahl der Betroffenen von Infektionen mit Todesfolge waren Kinder unter 5 Jahren. Auch steigt die Infektionsrate rasant an, weltweit kam es zu einer Verdopplung der Infektionen, in Europa sogar zu einer Verdreifachung. Diesen Trend gilt es zu stoppen.

Bei Masern beispielsweise, über die wir hier sprechen, bedeutet eine niedrige Impfquote ein hohes Gesundheitsrisiko. Masern sind eine schwerwiegende Erkrankung – deswegen halte ich es für richtig, dass wir nun einen Schritt weitergehen und derzeit prüfen, wie wir möglichst viele Kinder schützen können.

Mit freundlichen Grüßen

Stephan Stracke