Simone Borchardt
Simone Borchardt
CDU
100 %
307 / 307 Fragen beantwortet
Zum Profil
Frage von Jan V. •

Was passiert nach der Akuttherapie?

Sehr geehrte Frau Borchardt
Ich weiß nicht, wie hoch Ihr Erfahrungswissen im Bereich der Psychotherapie ist, aber wie sieht Ihrer Meinung nach gute Versorgung nach der unmittelbaren Stabilisierung durch die 12 Stunden Akutbehandlung aus, wenn dieser notwendige Behandlungsschritt budgetiert bleibt. Aus meiner beruflichen Erfahrung kann ich sagen, dass schnell, kurz und oberflächliches "Löschen" nur dazu führt, dass diese Menschen schnell wieder vorstellig werden (müssen). Spart das wirklich Kosten?

Simone Borchardt
Antwort von CDU

Eine psychotherapeutische Akutbehandlung dient zunächst der Stabilisierung in einer Krise. Sie ersetzt selbstverständlich keine weiterführende Therapie, wenn diese medizinisch notwendig ist. Deshalb muss nach der Akutbehandlung der Übergang in eine Kurz- oder Langzeittherapie möglich sein. Auch gruppentherapeutische Angebote können dabei sinnvoll sein.

Bei unseren Reformen geht es mir um Effizienz und nicht um kurzfristige Spareffekte. Wer eine akute Krise behandelt, die eigentlichen Ursachen aber unbehandelt lässt, riskiert Rückfälle, erneute Behandlungen und möglicherweise höhere Folgekosten. Das wäre weder medizinisch noch wirtschaftlich sinnvoll.

Allerdings bedeutet eine effiziente Versorgung auch, dass wir genauer unterscheiden müssen, welche Patienten welche Behandlung in welchem Umfang benötigen. Nicht jede psychische Erkrankung erfordert eine Langzeittherapie. Umgekehrt darf eine medizinisch notwendige längere Behandlung nicht an wirtschaftlichen Fehlanreizen scheitern.

Die Rückführung psychotherapeutischer Leistungen in die budgetierte Gesamtvergütung ändert zunächst nichts am gesetzlichen Leistungsanspruch der Versicherten. Mir ist aber bewusst, dass Vergütungsregelungen die tatsächlichen Behandlungskapazitäten beeinflussen können. Deshalb setzen wir uns insbesondere für Ausnahmen bei dringlichen Behandlungsfällen und schwer psychisch erkrankten Menschen ein.

Entscheidend ist für mich nicht, wie viele Therapiestunden wir kurzfristig einsparen, sondern ob Patienten nachhaltig stabilisiert werden und erneute Krisen möglichst ausbleiben. Daran müssen wir auch die Auswirkungen unserer Reformen messen.

Was möchten Sie wissen von:
Simone Borchardt
Simone Borchardt
CDU

Weitere Fragen an Simone Borchardt