Simone Borchardt
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Frage von Helmut D. •

Sehr geehrte Frau Borchardt, ich verfolge die Debatte über die Abschaffung der Rente mit 63 sehr genau. Warum wird Arbeitnehmern, die vorzeitig in Rente gehen, pro Monat "nur" 0,3% abgezogen?

Ich würde hier ein sehr hohes Einsparpotential sehen. Jeder der seine 45 Jahre "durchzieht" soll ohne Abzug in Rente gehen dürfen. Ebenso müssen Menschen, die krank sind und nicht mehr arbeiten können. Diese müssen geschützt werden. Arbeitnehmer, die eher in die Rente wollen, dürfen dies in meinen Augen auch - ALLERDINGS mit einem höheren Abzug als diese besagten 0,3%. Ist dies nicht eine Überlegung wert?

Simone Borchardt
Antwort von CDU

Ihren Gedanken kann ich aus finanzieller Sicht nachvollziehen. Allerdings müssen wir auch die Lebenswirklichkeit vieler Arbeitnehmer berücksichtigen.

Viele Menschen gehen nicht früher in Rente, weil sie nicht mehr arbeiten wollen, sondern weil sie schlicht nicht mehr können. Wer jahrzehntelang auf dem Bau, in der Pflege oder in anderen körperlich belastenden Berufen gearbeitet hat, erreicht häufig seine Belastungsgrenze, lange bevor das reguläre Rentenalter erreicht ist. Und nicht jeder, der gesundheitlich nicht mehr durchhält, erfüllt automatisch die Voraussetzungen für eine Erwerbsminderungsrente.

Dabei sind die bestehenden Abschläge keineswegs gering. Pro Monat werden 0,3 Prozent dauerhaft abgezogen. Bei vier Jahren vorzeitigem Renteneintritt sind das bereits 14,4 Prozent weniger Rente, und zwar lebenslang.

Wer 45 anrechenbare Versicherungsjahre erreicht hat, kann bereits heute unter Einhaltung der gesetzlichen Altersgrenze abschlagsfrei in Rente gehen. Für Menschen ab dem Geburtsjahrgang 1964 ist dies mit 65 Jahren möglich.

Ich halte es deshalb für falsch, die Abschläge pauschal weiter zu erhöhen. Wir würden damit gerade diejenigen zusätzlich belasten, die nach einem langen Arbeitsleben kaum noch die Kraft haben, weiterzuarbeiten.

Natürlich müssen wir die Rentenversicherung finanziell stabilisieren. Aber wir dürfen dabei nicht so tun, als sei jeder vorzeitige Renteneintritt eine freiwillige Entscheidung. Zwischen nicht mehr arbeiten wollen und nicht mehr arbeiten können liegt ein erheblicher Unterschied.

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