Sehr geehrte Frau Abdi, wie stehen Sie zu den Kürzungen u. geplanter Budgetierung f. Psychotherapie, dem damit verbunden Abbau von Psychotherapieplätzen - der weiter ansteigenden Not in der Gesellsch.
Meine heutige Mail an Fr.Warken:
Mit der Vergütung von knapp 120 Euro pro erfolgter Therapiesitzung hatte ich -nach vielen Jahren - erstmals das Gefühl einer gerechten und wertschätzenden Honorierung meiner Arbeit.
Ich hätte es akzeptieren können, wenn die Entscheidung getroffen worden wäre, dass - aufgrund leerer Kassen - in den nächsten 3-5 Jahren keine Erhöhung mehr möglich ist.
Ich könnte sogar noch mit der 4,5 Prozent-Kürzung leben - allerdings unter der Voraussetzung, dass dies sämtliche Berufsgruppen, vor allem auch Beamte und Politiker betrifft - wir als Gesellschaft alle einen Beitrag leisten, die Gesellschaft gut versorgen und zusammenhalten zu können.
Dass man nun aber ausgerechnet bei den Psychotherapeut*innen zuerst den Rotstift ansetzt, dann auch noch falsche Zahlen zur Argumentation vorlegt und behauptet, dass die Kürzungen keinerlei Auswirkungen auf das therapeutische Angebot mit sich bringen würde, ist eine Verhöhnung unsrer Arbeit und Verblendung der Gesellschaft.
Sehr geehrter Herr A.,
vielen Dank für Ihre Frage. Ich begrüße auch Ihren Brief an die Gesundheitsministerin.
Ihre Sorge und Verunsicherung kann ich gut nachvollziehen, denn gerade im Bereich der psychischen Gesundheit ist eine verlässliche Versorgung für viele Menschen von großer Bedeutung.
Entscheidungen über Vergütung und Leistungsumfang in der medizinischen Versorgung werden in Deutschland von der Selbstverwaltung getroffen, also vom GKV-Spitzenverband und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Wenn dort keine Einigung erzielt wird, entscheidet ein unabhängiges Gremium. Im konkreten Fall kam es zu einer solchen Entscheidung, die eine Absenkung der Honorare für psychotherapeutische Leistungen vorsieht. Diese wird aktuell allerdings unterschiedlich bewertet, zudem steht beiden Seiten der Weg einer gerichtlichen Überprüfung offen, den die Kassenärztliche Bundesvereinigung bereits angekündigt hat.
Unabhängig davon nehme ich die möglichen Auswirkungen auf die Menschen sehr ernst. Viele Patientinnen und Patienten warten bereits heute lange auf einen Therapieplatz. Umso wichtiger ist es, genau hinzuschauen, welche Folgen solche Entscheidungen für die Versorgung, aber auch für die Arbeitsbedingungen von Therapeutinnen und Therapeuten, haben.
Die Entscheidung steht auch im Kontext der angespannten Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung. Hier sehen wir seit Jahren strukturellen Handlungsbedarf, der nicht ausreichend angegangen wurde. Umso wichtiger ist es jetzt, tragfähige Lösungen zu entwickeln, die die Versorgung sichern und nicht zu Lasten der Patientinnen und Patienten gehen.
Deshalb hat die SPD-Fraktion Bundesgesundheitsministerin Nina Warken gebeten darzulegen, wie die Entscheidung bewertet wird und welche Auswirkungen sie auf die Versorgung haben kann.
Für uns ist klar: Der Zugang zu psychotherapeutischer Unterstützung muss gesichert und weiter verbessert werden. Vielen Dank nochmals für Ihre Hinweise zu diesem wichtigen Thema.
Mit freundlichen Grüßen
Sanae Abdi
