Sind sie für einen zweiten natioanlpark in NRW und ein unesco Bisophaärenrervat weserbergland und Welterbe für münster
Sehr geehrter Herr E.,
Vielen Dank für Ihre Anfrage. Gerne gehe ich auf die drei von Ihnen genannten Themen im Folgenden etwas näher ein:
1. Zweiter Nationalpark in Nordrhein-Westfalen
Ich unterstütze die Ausweisung eines zweiten Nationalparks in Nordrhein-Westfalen ausdrücklich. Nationalparke leisten einen wichtigen Beitrag zum Schutz der biologischen Vielfalt, indem sie der Natur wieder mehr Raum für eine natürliche Entwicklung geben. Sie bieten Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und stärken den Wasserhaushalt. Gleichzeitig tragen Nationalparke erheblich zur Stärkung eines nachhaltigen Tourismus und der regionalen Wertschöpfung bei. Der Nationalpark Eifel zeigt, welches Potenzial in einem solchen Projekt für eine ganze Region steckt.
Die Einrichtung eines zweiten Nationalparks in Nordrhein-Westfalen haben wir deshalb auch 2022 als ein wichtiges gemeinsames Ziel im Koalitionsvertrag von CDU und Grünen verankert. Seitdem haben allerdings entsprechende Vorhaben in mehreren potenziellen Regionen keine ausreichende Unterstützung vor Ort gefunden. Zuletzt haben sich Ende 2024 die Bürgerinnen und Bürger im Kreis Kleve in einem Bürgerentscheid gegen einen Nationalpark im Reichswald ausgesprochen. Die Landesregierung hat dabei stets deutlich gemacht, dass ein Nationalpark nicht gegen den Willen der Menschen vor Ort eingerichtet werden soll.
Aktuell gibt es einen neuen Prüfprozess im Kreis Siegen-Wittgenstein. Dort wird untersucht, ob auf dem Rothaarkamm ein zweiter Nationalpark für Nordrhein-Westfalen entstehen könnte. Der Kreistag hat sich für eine erneute Prüfung ausgesprochen, nach der Sommerpause soll eine abschließende Entscheidung über eine mögliche Bewerbung getroffen werden. Die Grünen vor Ort unterstützen dieses Vorhaben ausdrücklich. Auch ich würde eine Bewerbung des Kreises Siegen-Wittgenstein sehr begrüßen. Denn der Rothaarkamm zählt zu den ökologisch wertvollsten Waldlandschaften Nordrhein-Westfalens und bietet die Chance, Natur- und Artenschutz mit nachhaltigem Tourismus, Umweltbildung und regionaler Entwicklung zu verbinden. Ein Nationalpark Rothaarkamm wäre zudem der erste Nationalpark in Westfalen überhaupt.
Aber auch jenseits des noch laufenden Nationalpark-Prozesses führt das grün-geführte NRW-Umweltministerium seine Anstrengungen für Natur-, Klima- und Artenschutz weiter fort. Mit der Biodiversitätsstrategie Nordrhein-Westfalen wurde das Ziel festgelegt, auf fünf Prozent der Waldfläche eine natürliche Entwicklung zu ermöglichen. Aufgrund des hohen Anteils von Privatwald in Nordrhein-Westfalen kommt dabei insbesondere den öffentlichen Waldflächen eine besondere Bedeutung zu. Bereits heute sind rund 19.400 Hektar Wald für die natürliche Entwicklung gesichert.
Darüber hinaus treibt das Umweltministerium die Wiederherstellung von Mooren konsequent voran. Hierzu wurde 2024 ein Fachkonzept vorgelegt, das landesweit erhebliche Potenziale für die Renaturierung von Moorflächen identifiziert. Auf dieser Grundlage werden nun geeignete Flächen, insbesondere auf öffentlichem Grund und in bestehenden Schutzgebieten, für konkrete Renaturierungsmaßnahmen geprüft. Damit verfolgt das Land auch unabhängig von der Nationalpark-Thematik eine ambitionierte Strategie zum Schutz der biologischen Vielfalt und zur Stärkung natürlicher Lebensräume.
2. UNESCO-Biosphärenreservat Weserbergland
Die Ausweisung von UNESCO-Biosphärenreservaten halte ich grundsätzlich für eine sehr sinnvolle Maßnahme zur Förderung des Naturschutzes in Verbindung mit einer nachhaltigen Nutzung und Entwicklung. Besonders in Kulturlandschaften können sie dazu beitragen, langfristig gewachsene Landschaftsstrukturen sowie traditionelle Nutzungs- und Pflegesysteme, etwa extensive Beweidung, zu erhalten und weiterzuentwickeln. Aus meiner Sicht ist dies ein überzeugender Versuch, menschliches Handeln und den Schutz wertvoller Lebensräume miteinander in Einklang zu bringen.
Mit Blick auf ein Biosphärenreservat Weserbergland ist allerdings zu berücksichtigen, dass sich diese Region über drei Bundesländer erstreckt: Hessen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen (größter Teil). Der Anteil Nordrhein-Westfalens umfasst dabei nur etwa 25 Prozent der Gesamtfläche. Mir ist derzeit keine Initiative bekannt, die von nordrhein-westfälischer Seite aus eine Anerkennung als UNESCO-Biosphärenreservat konkret vorantreibt. Grundsätzlich wäre zunächst zu prüfen, ob die erforderlichen Kriterien und Anforderungen für eine erfolgreiche Zertifizierung erfüllt werden können und ob ein solches Vorhaben von den beteiligten Regionen und Bundesländern gemeinsam getragen wird. Als Abgeordneter aus dem Münsterland halte ich mich in dieser Frage zurück, solange es keine entsprechende Initiative aus der Region selbst heraus gibt.
3. UNESCO-Welterbe für Münster
Ein UNESCO-Welterbetitel für Münster wäre eine wunderbare Sache. Eine solche Auszeichnung könnte die internationale Sichtbarkeit unserer Stadt noch weiter stärken und dazu beitragen, ihr kulturelles Erbe noch stärker ins Bewusstsein zu rücken.
Allerdings waren die bisherigen Bemühungen der Stadt Münster um eine Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste leider nicht erfolgreich. Für eine erneute Bewerbung müsste daher zunächst ein neues, fachlich überzeugendes Konzept erarbeitet werden, was sich derzeit nicht abzeichnet. Umso mehr freut es mich, dass das Rathaus von Münster als „Stätte des Westfälischen Friedens“ von der Europäischen Kommission mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel ausgezeichnet wurde.
Mit freundlichen Grüßen,
Robin Korte

