Ralf Stegner
SPD

Frage an Ralf Stegner von Enys Crgrefra bezüglich Bildung und Erziehung

03. Mai 2012 - 17:56

Sehr geehrter Herr Stegner,

Sie und die SPD wollen die Lehrerausbildung reformieren. Der Gymnasiallehrer soll abgeschafft und an seine Stelle ein "Stufenlehrer" treten. Die Ausbildung wird sich also nicht nach Schulart, sondern nach Schulstufe (Primarstufe, Sek I, Sek II) richten.

Nun zu meiner Frage:
Wie wird die Besoldung dieses Stufenlehrers aussehen? Werden dann alle Lehrer denselben Sold bekommen? Wie hoch wird die Besoldung ausfallen? Meine Vermutung ist: Sie werden diese Reform zum Anlass nehmen den generellen Lehrersold auf heutiges Grund- und Hauptschullehrerniveau (also A12) zu senken. Wie wollen Sie sich dann im Wettbewerb um Gymnasiallehrer mit Mangelfächern gegen andere Bundesländer durchsetzten, die Gymnasiallehrer noch mit A13z besolden?

Ich studiere an der Christian-Albrechts-Universität auf Gymnasiallehramt und spreche für viele meiner Kommilitonen, wenn ich sage, dass ich mich in diesem Fall sicherlich nicht in Schleswig-Holstein bewerben werde. Diese Art von Reform würde den Lehrerberuf noch unattraktivver machen. Und wie würde das zu ihrem Slogan "Lehrer stärken!" passen?

Vielen Dank und freundlicher Gruß,
Ralf Petersen

Frage von Enys Crgrefra
Antwort von Ralf Stegner
04. Mai 2012 - 12:29
Zeit bis zur Antwort: 18 Stunden 32 Minuten

Sehr geehrter Herr Petersen,

Das heutige Schulsystem ist überall - in fast allen Bundesländern - in Bewegung und es ist nötig, dass sich die Lehrerausbildung den geänderten Anforderungen anpasst. Ich halte die Idee des Stufenlehrers für richtig und für eine Bereicherung der angehenden Lehrerinnen und Lehrer. Fakt ist: In keinem Land, das Stufenlehrer ausbildet, wurden bisher die Gymnasien abgeschafft, Fakt ist auch: Die Lehrerausbildung muss besser werden. Wir brauchen mehr Praxis, mehr Pädagogik, mehr Inklusion.

Immerhin hat sogar der Philologenverband mittlerweile eingesehen, dass eine neue Schulstruktur, wie wir sie jetzt seit fünf Jahren haben, auch Auswirkungen auf die Lehrerbildung haben muss. Es ist aber ein Irrglaube, dass sich dabei für die Gymnasien absolut nichts ändern darf. Die Aufgabe jedes Lehrers an allen Schulen ist es, Schüler zu unterrichten und zu erziehen, nicht aber, sie ausschließlich auf das Studium vorzubereiten. Pädagogik und Fachlichkeit bedingen deshalb einander. Deswegen wird nach einem Regierungswechsel die Reform der Lehrerbildung ganz vorn auf der Agenda stehen.

Wenn sowohl die Gymnasien als auch die Gemeinschaftsschulen (sowie die beruflichen Gymnasien) den gymnasialen Bildungsweg zum Abitur anbieten, gibt es aus unserer Sicht keinen Grund, warum die Ausbildung der angehenden Lehrer an den Gemeinschaftsschulen und den Gymnasien im Curriculum und nach dem Hochschulort getrennt werden sollte.

Die demnächst anstehenden Entscheidungen wird die künftige Landesregierung aber nicht am grünen Tisch, sondern im engen Zusammenwirken mit den beiden lehrerbil­denden Universitäten treffen.

Wir wollen weder Gymnasien abschaffen noch diese Schulform diskriminieren. Wir wollen aber, dass auch die anderen Schulen so ausgestattet sind, dass sie ihr pädagogisches Konzept umsetzen können und die Lehrenden entsprechend ausgebildet werden. Dann macht es auch Spaß, Lehrerin und Lehrer in Schleswig-Holstein zu sein.

Einen reinen Besoldungswettkampf, wie er inzwischen gegen unseren Willen möglich ist, können wir als armes Land kaum gewinnen. Ich glaube aber, dass die Mehrzahl Ihrer Kommilitoninnen und Kommilitonen den Beruf nicht allein wegen der Besoldung ergreifen wollen. Wenn wir ein attraktives Umfeld in der Schule und in unserem wunderschönen Land bieten, zum Beispiel mit einem attraktiven Kulturangebot, guten Betreuungseinrichtungen, kostenlosen Kita-Jahren, einer gesunden Umwelt und vielem mehr, dann können wir auch um die besten Lehrerinnen und Lehrer konkurrieren.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Ralf Stegner