Wie sichern Sie bei ESA-Projekten (wie der Protein-Studie) die strategische und wissenschaftliche Hoheit Europas, statt die Forschung in die Abhängigkeit privater Shareholder-Interessen zu treiben?
Diese Frage stützt sich auf die DLR-Studie „Evaluating launcher options for Europe in a world of Starship“ (Sippel et al., 2026, Acta Astronautica), die die ESA-„PROTEIN“-Studie analysiert. Das DLR legt darin offen:
- Finanzierung: Ein europäisches Schwerlast-Trägersystem für strategische Hoheit erfordert über 40 Mrd. € Entwicklungskosten.
- Kein Business-Case: Diese Investition trägt sich rein marktwirtschaftlich nicht. Für Deep-Space-Forschung gibt es keinen kommerziellen Markt, der private Investoren anzieht.
- Das Risiko: Überlässt man dies privaten Shareholder-Interessen, drohen das Scheitern mangels Rentabilität oder eine fatale Abhängigkeit von US-Monopolen (SpaceX).
Fazit: Strategische Unabhängigkeit erfordert eine staatlich getragene Infrastruktur statt des blinden Vertrauens auf rein kommerzielle „New Space“-Modelle.
Quellen:
ESA Launcher Strategy "Protein" Selection Report (2024/2025)
https://esamultimedia.esa.int/docs/corporate/CM25_pressconference_slides_new.pd
Sehr geehrter Herr N.,
Vielen Dank für Ihre Frage.
Der Weg in der Raumfahrttechnik geht weg von einer rein staatlich gesteuerten Forschung hin zu einem „Ökosystem“, in dem der Staat zunehmend als Ankerkunde und strategischer Investor auftritt. Aus meiner Sicht ist das Zusammenspiel von staatlichen und privaten Akteuren grundsätzlich sinnvoll. Ich erinnere dabei an Ariane 6. Private Firmen können oft schneller und günstiger entwickeln und liefern; staatliche Programme sind meist teurer und risikoscheuer.
Zu große Abhängigkeiten von einzelnen Unternehmen sind dabei zu vermeiden, ebenso aber auch Doppel- und Dreifachstrukturen. Es braucht die richtige Balance aus Wettbewerb und Koordinierung.
Der Staat als regulierender Akteur muss einen funktionieren Rahmen schaffen, genannt sei hier der EU Space Act. Ich gebe Ihnen Recht, dass sensibles Wissen und Souveränität in Europa geschützt werden müssen – dies gilt nicht nur in der Weltraumforschung. In Deutschland sind wir dabei, die Plattform Forschungssicherheit aufzubauen, ab 2027 soll sie funktionieren. Ziel ist es, zum einen die Wissenschaftsfreiheit und die internationale
Zusammenarbeit in Wissenschaft und Forschung zu schützen und zum anderen die Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen Deutschlands und Europas zu wahren.
Mit freundlichen Grüßen
Oliver Kaczmarek, MdB

