Fragen und Antworten

Über Monika Christann

Ausgeübte Tätigkeit
Gewerkschaftssekretärin
Geburtsjahr
1952

Monika Christann schreibt über sich selbst:

Portrait von Monika Christann

Ich wurde an dem Tag geboren, als das Betriebsverfassungsgesetz 1952 im Bundestag verabschiedet wurde. Meine Geburtsstadt ist Münster (Westf.). Aufgewachsen und zur Schule gegangen (Mariengymnasium) bin ich aber 25 km entfernt in Warendorf. Mein Abitur-Klassenlehrer sagte mir bei einem zwanzig Jahre später nach dem Abitur stattfindenden Klassentreffen einmal, mit mir hätte er seine liebe Mühe gehabt. (Pause…) Ich hätte immer so kluge Fragen gestellt, dass ich ihn häufiger in Bedrängnis gebracht hätte. Diese Aussage erfüllt mich noch heute mit Stolz, denn schließlich brachte ich vieles mit, was im Jahre 1952 eher Hindernisse für einen erfolgreichen Gymnasialabschluss waren: Meine Familie mütterlicherseits flüchtete während des Zweiten Weltkriegs aus Ostpreußen. Alle Besitztümer mussten zurück gelassen werden oder wurden unterwegs geraubt. Die Flucht dauerte ca. zwei Jahre, über mehrere Staaten wie Polen und Tschechien, bevor sie 1949 schließlich in Ostwestfalen in Freckenhorst (inzwischen Stadtteil von Warendorf) landete. Flüchtlinge wurden in diesem Dorf abgelehnt und man hat es uns spüren lassen, zumal wir - in einer sehr katholischen Gegend - noch evangelisch und die Frauen in unserer Familie völlig auf sich gestellt waren und in wenig angesehenen und schlecht bezahlten Tätigkeiten arbeiteten. Klassische ArbeiterInberufe. Meine lange verschollene Mutter stieß 1950 wieder zur Familie und brachte mich zur Welt, ohne verheiratet zu sein. 1952 etwas ganz Schreckliches. Ich habe mehrfach am eigenen Leib erlebt, was Diskriminierung auf Grund von verschiedenen sozialen Statusmerkmalen ist. Meine Familie liebte mich aber sehr und gab mir sehr viel Urvertrauen mit, so dass ich in späteren Jahren ganz selbstverständlich Pionierinarbeit machte. Sie sparte sich das Geld vom Munde ab, damit ich zum Gymnasium gehen und studieren konnte. 1972 Abitur, 1972 – 1973 Romanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster, 1973 Wechsel zum Fachbereich 23 „Angewandte Sprachwissenschaften“ der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz in Germersheim, 1981 Dipl.-Übersetzerin-Examen für Technik und Wirtschaft in Französisch und Spanisch, 1982 Umzug nach Frankfurt am Main und Tätigkeit als Auslandskorrespondentin in verschiedenen Firmen, 1988 Erster weiblicher Ramp Agent bei Pan Am am Flughafen Frankfurt am Main. 1991 IHK-Prüfung als erste Flugzeuglademeisterin Deutschland (IHK-Geprüfte Flugzeugabfertigerin). Kurzer, aber entschlossener Kampf mit der IHK um meine korrekte Urkunde (nicht: Herr Monika Christann und Geprüfter Flugzeugabfertiger, sondern Frau Monika Christann und Geprüfte Flugzeugabfertigerin) . Die IHK fand damals, wegen einer einzigen Frau würden sie nicht die Druckplatte ändern, das wäre zu teuer. Jetzt habe ich zwei Urkunden….) 1995 verließ ich den Flughafen, weil ich es nach der Übernahme durch Delta Air Lines nicht mehr verantworten konnte. Die neue Firma hatte nach der Übernahme und dem Auslaufen der gesetzlichen Schutzfrist so viele Kollegen gerade aus der operativen Flugzeugabfertigung entlassen, dass etliche Sicherheitslücken entstanden. Ich war immer eine verantwortungsvolle Flugzeuglademeisterin. Ich hatte oft im Hinterkopf, dass der Todesflug der PA 103 am 22. Dezember 1988 (Lockerbie) eigentlich meine Abfertigung und meine Verantwortung gewesen wäre, wenn ich nicht – aus dem Urlaub kommend – den Anschlussflug in Paris durch intensive Kontrollen in Tel Aviv verpasst hätte. Ich nahm meine Arbeit erst mit einem Tag Verspätung wieder auf und entging dadurch der Abfertigung, mit der die Bombe an Bord kam.… Die Zeit am Flughafen war für mich enorm wichtig. Nicht nur die Erfahrung als (einzige) Frau in einem typischen „Männerberuf“ doppelte Leistung erbringen zu müssen usw. Wichtig war für mich vor Allem meine persönliche Entwicklung in der Arbeitnehmervertretung. Ich wurde nach der Probezeit recht bald Gewerkschafts-Vertrauensfrau im Betrieb, bald darauf Betriebsrätin und Mitglied der Tarifverhandlungskommission sowie Sprecherin des (Arbeitnehmer-)Wirtschaftsausschusses. Wegen der entstandenen Sicherheitslücken nach der Betriebsübernahme und den vielen Entlassungen konnte und wollte ich die Verantwortung nicht mehr tragen. Mit dem Sozialplan-Abfindungsgeld finanzierte ich meine Teilnahme an der Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking. Mit 38.000 Frauen aus der ganzen Welt zusammen zu kommen und sich in wichtigen Themen sprachlich und inhaltlich trotz aller Differenzen und unterschiedlicher Kulturen zu verständigen, war eine gigantische Erfahrung, von der ich heute noch zehre. Einige Monate zuvor war ich Mitbegründerin der Feministischen Partei DIE FRAUEN und habe viele Jahre als eine der verantwortlichen Bundessprecherinnen die inhaltliche Ausrichtung und die Organisation der Weiterentwicklung der Partei mit verantwortet. 2008 erfolgte der Austritt. Von mir geschriebene Texte sind übrigens noch heute auf der Homepage der Partei im Archiv (Fundus) zu finden. Vor der Parteigründung hatte ich einige Jahre ehrenamtliche Tätigkeit als Mitgründerin und Vorstandsmitglied in der „Fraueninformationszentrale – Verein zur ökonomischen Förderung der Frauen e. V.“. Dieser Verein startete gut, erreichte auch eine Förderung vom Frauenreferat und war einige Jahre erfolgreich. Nachdem die Fördermittel gestrichen wurden, musste irgendwann das Büro wieder aufgegeben werden. Heute existiert dieser Verein nicht mehr - wie so viele andere sinnvolle Frauenprojekte. Im Jahr 2000 fand der Weltfrauenmarsch gegen Armut und Gewalt gegen Frauen in fünf Kontinenten und 163 Ländern statt – außer in Deutschland…. Viele der deutschen Frauenorganisationen waren zu schwerfällig. Durch Kontakte auf der Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking war ein weltweites Frauennetzwerk entstanden, das auch auf mich zukam. Ich gehörte zu den europäischen Organisatorinnen und durfte am 14. Oktober 2000 zusammen mit weiteren neun Organisatorinnen aus europäischen Ländern den europäischen Marsch in Brüssel mit mehr als 50.000 Teilnehmenden anführen. Ein sehr schönes und stolzes Gefühl, dass wir es geschafft hatten, so viele Frauen aus ganz Europa und teilweise quer durch Europa auf den Marsch zu bringen. In Deutschland fand der Marsch, der zuvor tagelang durch mehrere Länder führte, in den Medien keine Beachtung. Wenige Tage später, am 17. Oktober 2000, fand der finale und zentrale Welt-Marsch in New York statt. Mit Besuchen/Anklageschriften bei der Welthandelsbank und beim IWF. Unsere Anliegen wurden dort zwar angehört, aber als nicht zutreffend erklärt. Der damalige Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, jedoch erkannte, wie wichtig dieser Marsch gegen Armut und Gewalt und die Forderungen der Frauen waren. Schließlich hatten die Frauen ihm fünf Millionen Unterschriften von Frauen aus der ganzen Welt überreicht. Er lud aus jedem Land eine Teilnehmerin zu den Vereinten Nationen zu einer gemeinsamen Sitzung ein und ich durfte die Teilnehmerin für Deutschland sein. Auch das war ein Meilenstein in meinem Leben. Leider sind die Themen von damals – Armut und Gewalt gegen Frauen - mehr denn je aktuell! Erwähnen sollte ich noch, dass ich viele Jahre in verschiedenen attac-Gruppen mitgearbeitet habe. In Berlin (dort lebte ich aus beruflichen Gründen etwas mehr als sechs Jahre, bevor ich 2008 in meine Wahlheimat Frankfurt am Main zurückkehren konnte) u. A. in der Gruppe „Wasser“, „EU und WTO-Verträge“, „Lissabon-Vertrag“, „feminist attac“. Mit meinen guten Kenntnissen der Welthandelsverträge und der EU-Struktur und –politik habe ich gewiss etliche wichtige Dinge zu den Ergebnissen beigetragen und hielt diverse Vorträge, insbesondere zu den WTO- und EU-Themen. In Berlin wurde ich dann 2005 bei ver.di zur ersten Bundes-Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten für die in ver.di beschäftigten Frauen gewählt. 2008 kehrte ich in meine Wahlheimat Frankfurt am Main zurück und arbeite seitdem als Gewerkschaftssekretärin bei ver.di in Frankfurt im Fachbereich 10 (Postdienste, Speditionen, Logistik). In diesem Fachbereich betreue ich die Fachgruppe 2 (Speditionen, Logistik, Kurier- und Expressdienste sowie Lagereiwirtschaft). Ich erlebe jeden Tag, welche verheerenden Auswirkungen die Liberalisierung verschiedener Gesetze (Leiharbeit, sachgrundlose Befristung, Hartz-Gesetze, Aufhebung der Vermögenssteuer) durch Rot-Grün 2004 bewirkt hat: prekäre Beschäftigungsverhältnisse, Niedriglohnsektor, sklavenähnliche Verhältnisse – kurzum: menschenunwürdig und sozial ungerecht. Stattdessen eine ständig weiter auseinanderklaffende Schere von Arm und Reich. Es ist unerträglich, dass durch Steuergeschenke Reiche immer reicher werden und Arme noch ärmer! Ich bin Arbeitnehmervertreterin im Aufsichtsrat der TNT Express GmbH. Zum Thema Umwelt, Klima usw.: Von ca. 1997 bis 2000 habe ich bis zum Abschluss der „Frankfurter Leitlinien“ und meinem Umzug nach Berlin die „Lokale Agenda“ für die Stadt Frankfurt am Main moderiert; und zwar den Arbeitskreis „Lokale Infrastruktur“. Hierbei ging es um die Entwicklung zukunftsfähiger und nachhaltiger Projekte für das 21. Jahrhundert. Auch Deutschland hatte 1992 auf dem sog. „Erdgipfel“ in Rio de Janeiro die Verpflichtung unterschrieben und ratifiziert, zukunftsfähige Projekte mit besonderer Beteiligung von Frauen und Jugendlichen als „major group“ auf den Ebenen Bund, Länder und Kommunen zu entwickeln. Wo sind denn diese Ansätze unter Schwarz-Grün geblieben? Ich kann sie nicht mehr entdecken! Inzwischen gibt es die „Agenda 2030“, die erstmals das Thema „Armutsbekämpfung“ enthält!

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Kandidaturen und Mandate

Kandidatin Bundestag Wahl 2017

Angetreten für: DIE LINKE
Wahlkreis
Frankfurt am Main II
Wahlkreisergebnis
9,10 %
Wahlliste
Landesliste Hessen
Listenposition
9

Politische Ziele

Zunächst erst einmal: Die sog. "Mitte" ist ein Mythos. Es ist eine ideologische Benennung von verschiedensten Bevölkerungsgruppen, die zwar Einiges gemeinsam haben, andererseits aber auch viele Merkmale, die sie voneinander trennen. Eine homogene "Mitte" gibt es nicht, wohl aber zwei große Gruppen: Die Mehrheit der Bevölkerung gehört zu den lohnabhängig Beschäftigten - und das sind sowohl sog. "Arbeiter oder Gewerbliche" und die sog. "Angestellten". Auf der anderen Seite die Kapitalbesitzenden, die die lohnabhängig Beschäftigten zur Gewinnerzielung brauchen. Diese möglichst nicht aufsässig... Als politische Gewerkschaftssekretärin für den Bereich Speditionen, Logistik, Kurier- Express- und Paketdienstleistungen sowie Lagereiwirtschaft erlebe ich jeden Tag die Prekarität der erwerbstätigen, lohnabhängigen Bevölkerung, völlig egal, ob im Bereich der "ArbeiterInnen" oder "Angestellten". In den letzten Jahrzehnten wurde den meisten Menschen eingeimpft, dass wir keine Alternative zur neoliberalen Wirtschaftsausrichtung haben. Doch, das haben wir und DIE LINKE hat dafür viele Vorschläge. Leider wurde die Mitbestimmung in den Betrieben teilweise ausgehebelt und verschiedene Arbeitsrechte aufgeweicht. Die Betriebe sind ein wichtiger Teil, in dem sich das tägliche Leben für die meisten Menschen abspielt und sich durch Anwendung der betrieblichen Mitbestimmung demokratische Grundsätze der Mitgestaltung verwirklichen lassen. Hier wird außerdem jeden Tag „Meinung“ auch zu politischen Parteien gebildet. Ich weiß, wo Betriebsräte mehr Unterstützung durch Bundesgesetze brauchen. Sie brauchen auch mehr Unterstützung, wenn wieder einmal verbrecherische Arbeitgeber Betriebsräte bis zur Aufgabe schikanieren oder ebenso gesetzeswidrig gar nicht erst entstehen lassen. Obwohl strafbewehrt, wird dies aber so gut wie nie von der Exekutive geahndet. Wir dürfen es nicht zulassen, dass das Klima der Angst in den Betrieben deswegen weiter um sich greift und im Grundgesetz verankerte Rechte nicht mehr wahrgenommen werden. Frau Nahles hat uns zudem unter dem Deckmantel von Verbesserungen Einiges eingebrockt – bei Leiharbeit, Werkverträgen und mit dem Tarifeinheitsgesetz. Mein Ziel: Rücknahme der Deregulierungen durch die Hartz-Gesetze mit der Agenda-2010 und Stärkung und Weiterentwicklung der Mitbestimmung im Betrieb. Mit mir hat dieser Bereich eine starke Stimme. Die Freihandelsverträge wie CETA, TTIP und TiSA, die einseitig zu Gunsten der Konzerne angelegt sind, sind nach wie vor ein Thema bei vielen Menschen. Bundestag und Bundesrat werden sich damit häufiger befassen müssen. Ich stehe für ein „Nein“ zu den einseitigen Freihandelsverträgen. Mein Ziel: die Entwicklung eines fairen und gerechten Welthandels, der gleichzeitig Menschen, Klima und Umwelt schützt. Die sog. „Frauenthemen“ - die ja in Wirklichkeit Gesellschaftsthemen sind - gehen Alle an. Es geht hierbei nicht nur um eine gerechte und gleiche Entlohnung für gleiche oder gleichwertige Arbeit (siehe ILO-Norm 100!), sondern auch um so wichtige Themen wie gleichwertige vielfältige Lebensweisen, die Umverteilung der notwendigen gesellschaftlichen Arbeit und eine Aufwertung der wertvollen sozialen Aufgaben. Es geht um die Wertschätzung der hauptsächlich von Frauen durchgeführten Arbeit für Menschen, und um Würde und Solidarität. Und natürlich steht die Umverteilungsfrage auch bei diesem Themenfeld in meinem Fokus. Deswegen ist mein Ziel: eine weltoffene, patriarchatsfreie Gesellschaft.

Kandidatin Bundestag Wahl 2005

Angetreten für: DIE FRAUEN
Wahlkreis
Berlin-Tempelhof-Schöneberg
Wahlkreisergebnis
0,70 %
Wahlliste
Landesliste Berlin
Listenposition
1