Frage an Matthias Hey von Naql Frlqry bezüglich Arbeit

20. August 2009 - 09:19

Sehr geehrter Herr Hey,

vielen Dank für Ihre rasche Antwort auf meine energiepolitische Frage! Die Förderung von Biogasanlagen, was für Sie ein Beispiel neuer Thüringer Energiepolitik wäre, betrachte ich jedoch als sehr fragwürdig - sicherlich muss ich Ihnen nicht die zum Teil erheblichen ökologischen Nachteile solcher Anlagen erörtern. Da wäre beispielsweise eine Forcierung der Solarenergie deutlich nützlicher, effizienter und umweltschonender. Schließlich wird durch Solarkollektoren,u.ä. NICHT die monokulturelle Landwirtschaft begünstigt und es werden auch KEINE potenziellen Nahrungsmittel "vergeudet"...

Nun aber zum eigentlichen Anliegen meiner zweiten Mail: Ihre politischen Ziele bestechen ja durch ihre Prägnanz, kein "Schachtelsatzgewitter" und keine abgedroschenen Phrasen wie bei manch einem politischen Mitstreiter - vielleicht lässt es aus genau diesem Grund aber auch noch Raum für Nachfragen! (War das Ihre Intention?) :-)

Mich würde interessieren, wie Sie den Programmpunkt "Für neue Arbeitsplätze: Schnelle Erschließung neuer Gewerbegebiete!" in die Tat umsetzen möchten. Wo sollen diese Gewerbegebiete entstehen? Wie sollen Unternehmer angelockt werden und aus welchen Branchen sollen sie kommen? Bestehen denn im Gothaer Land überhaupt ausreichende Ressourcen & der Bedarf für neue Gewerbegebiete? Generell stellt sich mir anhand dieses Exempels die Frage, die auch schon Frau Sabine Voigt (s.o.) in ähnlicher Form bewegte: Bleibt denn bei all den landesweiten Aufgaben in Thüringen, die Sie als MdL zu verantworten hätten, überhaupt noch Zeit für eine spezifische "Wertsteigerung" unserer Stadt Gotha? Anders gefragt: Hätten Sie dann auch noch genügend Möglichkeiten, regionale Problemfelder zu bekämpfen, und stünden Sie als eventuell gewählter Direktkandidat sogar in der Pflicht, ihr politisches Augenmerk auch weiterhin der Residenzstadt zu widmen?

Ich bitte Sie um erneute Auskunft!

Mit freundlichen Grüßen
Andy S.

Frage von Naql Frlqry
Antwort von Matthias Hey
20. August 2009 - 21:50
Zeit bis zur Antwort: 12 Stunden 30 Minuten

Hallo Herr Seydel,

schön, wieder von Ihnen zu lesen! Und nochmals danke für Ihre Wettabgabe auf meiner Website! Jetzt aber fix zu Ihrer Frage:

Allein auf den Gemarkungen der Residenzstadt Gotha gibt es etliche Gewerbeflächen, die für neu anzusiedelnde Unternehmen von Interesse wären. Von der Autobahnabfahrt der A4 kommend in Richtung Gotha werden Sie das riesige Areal gegenüber der Spielpyramide und Mc Donalds kennen, welches komplett unbebaut ist. Grund hierfür: die dort vorhandenen Hochspannungsleitungen lassen die Errichtung von Gebäuden nur in bestimmten Höhenparametern zu, die für Großunternehmen uninteressant sind. Partiell ließen sich dort jedoch kleinere Bebauungen organisieren. Auf der gegenüberliegenden Seite, diesmal also Richtung Mc Donalds, sind ebenfalls weitere Gewerbeflächen erschlossen. Problemstellung: Um den sogenannten "Schloßblick" als Sichtachse auf das Wahrzeichen der Residenzstadt Gotha zu erhalten, verzichtet man bislang aus stadtplanerischen Gründen auf eine Bebauung mit Gebäuden, die die Sicht auf das Schloß quasi blockieren würden. Seit Jahren wird kontrovers diskutiert, was wichtiger ist: Schloßblick oder Unternehmensansiedlung?

Die Frage bleibt unbeantwortet, wobei festzustellen ist, dass in den letzten Jahren kein Großinvestor ein ernsthaftes Interesse an den vorgenannten Gewerbeflächen hatte. Das könnte sich ändern und wäre sicher vorteilhaft für die Stadt Gotha, um ehrlich zu sein, glauben aber viele pragmatisch denkende Menschen nicht daran, dass sich (dies meine ich augenzwinkernd) übermorgen Microsoft tatsächlich für genau jene Flächen interessieren würde.

Doch ob Schloßblick oder nicht: Selbst in Gotha-Ost stehen nach wie vor große Gewerbeflächen zur Verfügung. Sie erinnern sich sicherlich an die durchaus interessante Diskussion zur Verlagerung des dortigen Flugplatzes zugunsten einer neuen Industrieansiedlung. Leider hat der hierfür in Frage stehende Investor aufgrund der jetzt herschenden Absatzkrise seine Erweiterungspläne in ungewisse Zukunft verschoben.

Womit wir bei Ihrer nächste Frage sind: Wie bekommt man Unternehmer nach Gotha? Fest steht: Industrieansiedlungen richten sich nach guten infrastrukturellen Bedingungen. Diese sind in Gotha durch 2 Autobahnanschlüsse und das nächstgelegene Erfurter Kreuz durchaus gegeben und werden nach Fertigstellung der jetzt in Planung stehenden Umgehungsstraße Gotha-Ost mit Sicherheit noch optimiert. Ein Patentrezept zur Ansiedlung von neuem Gewerbe gibt es leider nicht, wie Sie wissen, aber moderate Gewerbesteuerumlagen, gute Infrastruktur, ausreichende Fachkräfte und vor allem eine qualitativ hochwertige Betreuung des Unternehmens vor Ort in einer effizient und schnell arbeitenden Stadtverwaltung sind wichtige "Türöffner" für Unternehmer, die mit einer Betriebsstätte ein neues Zuhause suchen. Und weil Klappern noch immer zum Handwerk gehört, sollte man auch Verbindungen aus dem Thüringer Landtag heraus zu Unternehmern nutzen, die bereits in sogenannten industriellen Cluster-Regionen, wie Erfurt oder Jena, beheimatet sind und diese durchaus mit hartnäckiger Beständigkeit von den Vorzügen der Gothaer Region zu überzeugen versuchen.

Und schließlich, Herr Seydel: Sie haben Recht! Nur "Die Stimme für Gotha" sein, ist ein bisschen wenig im Thüringer Landtag, denn es gilt selbstverständlich in der parlamentarischen Sacharbeit das "große Ganze", also den Freistaat Thüringen, im Blick zu behalten. Aber AUCH "Die Stimme für Gotha" im Thüringer Landtag zu sein und immer im Hinterkopf zu behalten, was gut ist für den Wahlkreis, wird wohl nicht schaden und vor allen Dingen mehr Nutzen für unsere Region bringen, als dies leider bislang geschah.

Noch einmal vielen Dank für Ihr Interesse und Ihnen freundlich zuwinkend

Ihr Matthias Hey