Frage an Martin Patzelt von Crgen Jvgg bezüglich Soziales

13. September 2016 - 08:24

Guten Tag Herr Patzelt,

tagtäglich müssen wir Bürger uns in den Nachrichten auf der einen Seite anhören, dass es Deutschland so gut geht wie nie und auf der anderen Seite, dass die Altersarmut und Kinderarmut immer weiter zunimmt. Die Kinderarmut nimmt zu, obwohl der Arbeitsmarkt laut Frau Merkel floriert. Was stimmt in diesem Land nicht?

Vor einigen Jahren gab es mal einen Spruch von der INSM: "Du bist Deutschland."
Wenn wir alle Deutschland sind, warum geht es dem Volk nicht besser als vor 40 Jahren, sondern von Jahr zu Jahr immer schlechter, was auch an der Forderung nach einem höheren Renteneintrittsalter zu erkennen ist? Wen meint Frau Merkel mit "Deutschland"? Meint sie uns 80 Mio Deutsche oder nur das obige 1 %?

Ist es nicht an der Zeit, bei diesen Diskrepanzen die Systemfrage zu stellen?

Vielen Dank für Ihre Antwort im Voraus.
Mit freundlichen Grüßen
Petra Witt

Frage von Crgen Jvgg
Antwort von Martin Patzelt
14. September 2016 - 13:22
Zeit bis zur Antwort: 1 Tag 4 Stunden

Sehr geehrte Frau Witt,

Unglaublich, von Jahr zu Jahr soll es den Deutschen schlechter gehen.
Wenn sie vor 40 Jahren schon gelebt haben dürfen sie so etwas nicht schreiben, wenn sie es nur gehört haben, nicht glauben. Ich bin in einer armen Familie aufgewachsen und lebte in der DDR vom Mindesteinkommen. Eigenartigerweise hatte ich mich damals nicht arm gefühlt.
Für einen Systemwechsel können sie immer mit demokratischen Mitteln kämpfen. Ich würde es nicht tun, weil unser "System" und vor allem unser Grundgesetz einen in der Welt fast beispiellosen Wohlstand und Sicherheit ermöglicht haben. Schauen sie sich in der Welt, bei unseren Nachbarn schon um.
Und Armut ist sehr relativ, wird gemessen am durchschnittlichen Einkommen und nicht am Lebensnotwendigen. Letzteres wird durch unsere Gesellschaft garantiert. Wenn sie meinen, dass 80 Mio. Menschen in D arm sind schauen sie einfach mal in die statistische Einkommensverteilung in D. /Internet, Statistisches Jahrbuch 2015). Das Empfinden von Armut kommt vielmehr aus dem Anwachsen von Einkommen bestimmter Schichten und vermehrter Angebote, Geld auszugeben. Und gerade das Einkaufsverhalten ärmerer Menschen ist oft fragwürdig hinsichtlich des tatsächlichen Bedarfes, insbesondere für Kinder. Trotzdem gebe ich ihnen recht, da müssen wir auch finanziell unbedingt nachbessern, damit mehr Teilhabe für Kinder (Bildung, nicht nur Vergnügen) ermöglicht wird. Fragen sie mal beim Jobcenter, wie sehr die Teilhabepakete von Anspruchsberechtigten dort tatsächlich genutzt werden. Weit unter dem verfügbaren Finanzbudget. Und auch um die zu erwartende Altersarmut müssen wir uns kümmern, von seiner Rente muß jeder leben können. Aber dann müssen eben die anderen Rentenempfänger Abstriche machen oder höhere Beiträge gezahlt werden. Würden sie da mitmachen?? So könnte ich lange weiter argumentieren, aber sie können selbst durch vergleichende Informationen ihre Auffassungen prüfen.

Freundliche Grüße
Martin Patzelt