Frage an Martin Dulig von Ervare Ynatr bezüglich Umwelt

29. August 2019 - 21:52

Sehr geehrter Herr Dulig,

im Zusammenhang mit Klimaschutz hätte ich eine Frage.
Ich halte es für Wahnsinn, was und aus welchen Gründen durch die ganze Welt transportiert wird.
Da sind z.B. Blechteile, die in hier produziert (Rohstoff Blech aus China), in Afrika mit Kleinteilen versehen, in Frankreich beschichtet, in Deutschland fertig gestellt und in Spanien in einem VW-Werk eingebaut werden. Oder die Schweine und Rinder, die durch Europa transportiert werden, weil Parmaschinken aus Italien (hergestellt aus deutschen oder dänischen Ferkeln) besonders gefragt ist.

Siehe dazu: https://www.deutschlandfunkkultur.de/tiertransporte-das-unnoetige-leide…

Warum sind die Tomaten aus Holland günstiger als die vom Nachbarbauern.
Ich war früher mal Selbstversorger, hatte immer ein „glückliches“ Schwein, um für uns selbst Fleisch und Wurst zu erzeugen. Doch wegen Auflagen und Verordnungen zur Hausschlachtung ließen wir es dann sein.

Auch dass von AMAZON, DHL, Google u. Co. Güter und Waren, die hier online bestellt werden, ohne nennenswerte Transportkosten liefern können, ist doch Irrsinn. In Leipzig gab es in 2018 80.000 Flugbewegungen. 1. Fracht von DHL für z.B. Haarspray, Schminke, Bohrmaschinen und Co. (1.2 Mio. Tonnen Fracht) und 2. Flüge für 2.5 Mio. Fluggäste. Ist es notwendig, dass durch Billigflüge jeder überall auf der Welt Urlaub machen kann?
Um den Transport-Wahnsinn ein wenig Herr zu werden, müssen umweltschädliche Transporte jeglicher Art teurer werden. Nicht das Kerosin oder der Diesel selbst, sondern der Transport von Waren, Gütern und Lebewesen bei z.B. mehr als 100 km Wegstrecke.

Wäre nicht eine Besteuerung sinnvoll, die es unwirtschaftlich macht Haarspray aus den USA zu beziehen, als es im hiesigen Laden zu kaufen?? In dem Zusammenhang wäre auch eine Förderung umweltschonender Transporte (z.B. Innereuropäische E-Lok-Güter- und Personenzüge) machbar.

Vielen Dank für Ihre Zeit.

MfG
Ervare Ynatr

Frage von Ervare Ynatr
Antwort von Martin Dulig
31. August 2019 - 06:30
Zeit bis zur Antwort: 1 Tag 8 Stunden

Sehr geehrter Herr Ynatr,

vielen Dank für Ihr Schreiben. Bei Ihrem Ziel kann ich Ihnen nur Recht geben. Ich bin der Meinung, dass wir in Deutschland klüger produzieren und klüger konsumieren müssen. Daraus ergibt sich meiner Meinung nach eine ganze Reihe moralischer Pflichten.

Das ist eine Pflicht für uns als Konsumenten, das wir überlegen, welche Produkte wir kaufen und auf welche wir verzichten. Es ist eine Pflicht für die Produzenten, dass sie nicht nur darauf schielen, was kurzfristig am meisten Rendite bringt, sondern auch mit bedenken, welche Konsequenzen ihre Entscheidungen haben. Und es ist eine Pflicht für uns in der Politik, geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen und zur Not einmal durchzugreifen.

Die meisten Ihrer Vorschläge betreffen jedoch Themen, die auf Bundesebene entschieden werden und nicht hier im Freistaat. Svenja Schulze, die Umweltministerin in Berlin, hat kürzlich eine CO2-Abgabe vorgeschlagen. Die Idee: Für CO2-Ausstoß wird eine Abgabe fällig. Die wird vom Staat eingesammelt und am Ende des Jahres auf alle Bürgerinnen und Bürger gleichmäßig verteilt. Die Idee dahinter: Wer wenig CO2-Ausstoß verursacht (auch z.B. durch den eigenen Konsum), profitiert unterm Strich. Wer viel CO2 verursacht, zahlt drauf. Falls sie sich damit durchsetzen kann würde das Ihrer Forderung womöglich recht nah kommen.

Mit freundlichen Grüßen
Martin Dulig