Wie wollen Sie Unternehmen vor Klimaschäden schützen und zugleich durch mehr Klimaschutz künftige wirtschaftliche Risiken begrenzen?
Die wirtschaftlichen Folgen der Klimakrise werden für Unternehmen zunehmend konkret: Hochwasser, Hitze und Dürren können Betriebsstätten beschädigen, Produktionsprozesse beeinträchtigen, Lieferketten unterbrechen und Versicherungs- sowie Anpassungskosten erhöhen. Für Unternehmen bedeutet Klimapolitik deshalb nicht nur die Frage, welche Kosten ihnen durch neue Vorgaben entstehen, sondern auch, welche Kosten durch eine weiter zunehmende Erderwärmung auf sie zukommen. Eine reine Anpassung an Klimafolgen kann diese Risiken nur begrenzen, nicht aber ihre Ursache beseitigen. Wirtschaftspolitik müsste daher beides leisten: Unternehmen widerstandsfähiger machen und gleichzeitig die Emissionen so weit reduzieren, dass die langfristigen wirtschaftlichen Schäden der Klimakrise begrenzt werden.
Sehr geehrte Frau M.,
vielen Dank für Ihre Anfrage. Sie sprechen ein Problem an, das mir ebenfalls große Sorgen bereitet: Die Folgen des Klimawandels wie Hochwasser oder extreme Hitze sind längst in unserer Wirtschaft angekommen. Sie bedrohen Lieferketten, beschädigen Gebäude und kosten die Betriebe viel Geld. Deshalb muss Wirtschaftspolitik auch Klimapolitik sein, um Arbeitsplätze und unseren Wohlstand langfristig zu sichern.
Ich stimme Ihnen zu, dass es einen zweigleisigen Ansatz braucht, um das Problem an der Wurzel zu packen. Genau diesen Ansatz verfolgen wir als Regierungskoalition.
Zum einen geht es um eine bessere Anpassung an die bereits spürbaren Folgen des Klimawandels. Bund, Länder und Kommunen tragen hier gemeinsam Verantwortung. Dazu gehören etwa ein besserer Hochwasser- und Starkregenschutz, der Umgang mit zunehmender Hitze und eine widerstandsfähigere Infrastruktur. Davon profitieren auch die Unternehmen vor Ort. Gleichzeitig sind die Unternehmen selbst gefordert, ihre Standorte und Produktionsprozesse auf konkrete Klimarisiken vorzubereiten.
Zum anderen müssen wir die Ursachen des Klimawandels weiter angehen und die Treibhausgasemissionen reduzieren. Dabei setzen wir möglichst auf marktwirtschaftliche Instrumente. Eine zentrale Rolle spielt der europäische Emissionshandel, der CO₂-Emissionen mit einem Preis versieht und so Anreize für Investitionen in emissionsärmere Technologien schafft. Gerade für die energieintensive Industrie müssen solche Investitionen jedoch wirtschaftlich darstellbar bleiben. Mit den CO₂-Differenzverträgen unterstützt der Bund deshalb Unternehmen bei besonders kostenintensiven Investitionen in CO₂-arme Produktionsverfahren und sichert einen Teil der damit verbundenen Mehrkosten und Preisrisiken über einen längeren Zeitraum ab.
Das große Spannungsfeld für uns in der Politik ist es, den Wandel so zu gestalten, dass wir die Betriebe kurzfristig nicht überfordern. Niemandem ist geholfen, wenn deutsche Unternehmen abwandern, weil die Auflagen hier zu hoch sind, und dann im Ausland mit schlechteren Umweltstandards produzieren. Ein kluger, bezahlbarer Klimaschutz ist jedoch die beste und günstigste Versicherung für die Wirtschaft von morgen.
Ich hoffe, diese Erklärung hilft Ihnen, unseren Weg besser zu verstehen.
Mit freundlichen Grüßen
Mark Helfrich

