Was meinen Sie damit, dass "unsere Werte offen herausgefordert werden"?
Sehr geehrter Herr Hagel,
ich habe Ihren Wahlkampf-Spot (https://youtu.be/e3gtzoZeuU8?si=SN-IW5i2UZwyjYXB) gesehen und habe dazu Rückfragen.
Bei Minute 00:56 sagen Sie, "unsere Werte werden offen herausgefordert". Bebildert ist dies mit Protestierenden, die Schilder halten mit der Aufschrift "Justice" und (vmtl) "Black Lives Matter", sowie Menschen, die Molotow-Cocktails werfen.
Dazu habe ich folgende Fragen:
- Sehen Sie Forderungen nach Gerechtigkeit und Antirassismus als "Herausforderungen für unsere Werte"?
- Auf welche realen Vorgänge (Demonstrationen etc.) in BaWü bezieht sich diese Bildsprache? Oder ist die Bebilderung eine abstrakte Illustration ohne reales Vorbild in BaWü?
- Da insbesondere rechtsextreme Gewalttaten in den vergangenen Jahren stark angestiegen sind - sehen Sie rechtsextreme Gewalt ebenfalls als "Herausforderung unserer Werte", und wenn ja, warum scheint die Herausforderung von Linken für Sie im Wahlkampf eine höhere Bedeutung zu haben?
Sehr geehrte/r Fragesteller/in,
haben Sie vielen Dank für Ihre kritische Auseinandersetzung mit unserem Wahlkampfspot und Ihre direkten Fragen.
Lassen Sie mich zuallererst und unmissverständlich klarstellen: Der friedliche Einsatz für Gerechtigkeit und gegen Rassismus ist für mich niemals eine „Herausforderung unserer Werte“, sondern vielmehr deren gelebter Ausdruck. Die Würde des Menschen ist unantastbar – dieser erste Artikel unseres Grundgesetzes ist das Fundament, auf dem ich stehe. Wenn ich davon spreche, dass unsere Werte herausgefordert werden, beziehe ich mich explizit nicht auf die Botschaft friedlicher Demonstranten, sondern auf die im Video gezeigte Zuspitzung: den Moment, in dem legitimer Protest als Deckmantel für rohe Gewalt missbraucht wird. Ein Molotow-Cocktail oder ein Steinwurf ist niemals ein Instrument der politischen Meinungsäußerung, sondern eine Straftat. Die Herausforderung besteht darin, dass von gewaltbereiten Akteuren die körperliche Unversehrtheit von Menschen und das staatliche Gewaltmonopol in Frage gestellt werden.
Die von Ihnen angesprochene Bildsprache dient hierbei als symbolische Warnung vor einer Verrohung der politischen Auseinandersetzung, wie wir sie leider nicht nur abstrakt, sondern auch real beobachten. Wir erinnern uns an die Krawallnacht in Stuttgart oder an die zunehmenden Angriffe auf Polizistinnen, Polizisten und Rettungskräfte im täglichen Dienst. Die Bilder mahnen, dass wir nicht zulassen dürfen, dass der schmale Grat zwischen Demonstrationsrecht und Gewalt überschritten wird. Dabei differenziere ich nicht nach der ideologischen Motivation der Täter, denn für den angegriffenen Beamten oder den bedrohten Bürger macht es keinen Unterschied, aus welcher Richtung der Stein fliegt.
Deshalb ist mir die klare Abgrenzung gegen Extremismus in jeder Form ein zentrales Anliegen. Dass rechtsextreme Straftaten angestiegen sind, sehe ich mit großer Sorge. Rechtsextremismus ist Gift für unsere Gesellschaft und eine massive Bedrohung unserer freiheitlichen Grundordnung, die mit aller Härte des Rechtsstaates bekämpft werden muss. Es gibt für mich als Demokraten keine „bessere“ oder „schlechtere“ Gewalt. Wir messen nicht mit zweierlei Maß. Wenn wir die Herausforderung unserer Werte thematisieren, dann meinen wir den Angriff auf die friedliche Mitte der Gesellschaft und die Respektlosigkeit gegenüber dem Staat – ganz gleich, ob dieser Angriff von Linksaußen oder Rechtsaußen kommt. Wir stehen für einen wehrhaften Staat, der die Freiheit und Sicherheit seiner Bürger gegen jeden Feind der Demokratie gleichermaßen verteidigt.
Ich hoffe, diese Ausführungen helfen Ihnen, meine Position und die Botschaft des Spots einzuordnen.
Freundliche Grüße
Manuel Hagel MdL

