Sie haben sich zu Mercosur positiv geäußert. Sehen sie hier keine Nachteile für KMUs und die Landwirtschaft im BW?
Sehr geehrter Herr A.,
vielen Dank für Ihre Anfrage.
Ihre Sorge, dass das EU-Mercosur-Abkommen Nachteile für kleine und mittlere Unternehmen sowie für die Landwirtschaft mit sich bringen könnte, ist nachvollziehbar. Gerade diese Bereiche verdienen besondere Aufmerksamkeit. Das Abkommen ist daher so ausgestaltet, dass sensible Sektoren geschützt und zugleich neue Chancen eröffnet werden.
Das EU-Mercosur-Abkommen ist so gestaltet, dass die europäische Landwirtschaft neue Exportchancen bekommt, während sensible Bereiche wie die Rinderhaltung geschützt bleiben. Begrenzte Mengen, Zölle, eine scharfe Notbremse, ständiges Monitoring, gleiche Standards und finanzielle Rückendeckung sorgen dafür, dass Europas Bauern vom Handel profitieren können, ohne unter unfairen Importdruck zu geraten.
Zugleich eröffnet das Abkommen neue Absatzmöglichkeiten, auch für Agrar- und Lebensmittelprodukte aus Deutschland. Derzeit unterliegen deutsche Agrarexporte im Wert von rund 324 Mio. Euro Zöllen zwischen 27 und 55 Prozent. Diese Hürden werden deutlich reduziert. Darüber hinaus schützt das Abkommen deutsche und europäische geschützte geografische Angaben (g.g.A.) vor Nachahmung in den Mercosur-Staaten und stärkt damit die internationale Wettbewerbsfähigkeit regionaler Spezialitäten.
Durch das Abkommen der EU mit den Ländern des Mercosur (Brasilien, Argentinien, Paraguay, Uruguay und perspektivisch auch mit Mercosur-Neumitglied Bolivien) entsteht die größte Freihandelszone der Welt. Im Jahr 2024 belief sich der Handel der EU mit Mercosur auf über 111 Mrd. Euro: ca. 55 Mrd. Euro an Ausfuhren aus der EU und 56 Mrd. Euro an Einfuhren in die EU. Im Jahr 2023 betrug der Handel mit Dienstleistungen über 42 Mrd. Euro. Die EU führte Dienstleistungen im Wert von über 29 Mrd. EU aus, der Mercosur Dienstleistungen im Wert von über 13 Mrd. Euro in die EU ein. Das Mercosur-Abkommen erschließt der EU einen Markt mit 260 Mio. Konsumenten.
Durch die weitgehende Abschaffung von Zöllen und die Reduzierung von Handelshemmnissen entstehen neue Absatzmärkte und Exportchancen. Besonders für die exportorientierte Wirtschaft
Baden-Württembergs ist das Abkommen eine große Chance. Das Abkommen ist zudem ein weiterer wichtiger Schritt zur Diversifizierung unserer Handelsbeziehungen und damit auch von Absatzmärkten, was angesichts der aktuellen geopolitischen und ökonomischen Herausforderungen besonders wichtig ist.
Freundliche Grüße
Manuel Hagel MdL

