Haben Sie bereits konkrete praktische Umsetzungshilfen für Ihr geplantes Sanktions- und Förderprogramm für Lehrkräfte erarbeitet, oder sollen diese erst im Falle eines Wahlsiegs entstehen?
Sehr geehrter Herr Hagel,
Schulleitungen sollen künftig über „wirksame, rechtskonforme Werkzeuge“ verfügen, um Engagement zu honorieren und mangelnde Leistungsbereitschaft zu sanktionieren. Meine Frage betrifft die praktische Umsetzung in den bereits stark hierarchisch organisierten Schulen: Wie wollen Sie verhindern, dass in der Praxis nicht pädagogische Qualität, sondern vor allem Loyalität gegenüber der Schulleitung belohnt wird? In kleinen Leitungsteams besteht ein erhebliches Risiko von Bestätigungsfehlern und der Bevorzugung angepasst agierender Lehrkräfte, was zu Spaltungen im Kollegium führen kann.
Wie stellen Sie sicher, dass kritische, reflektierte Lehrkräfte nicht unter Druck geraten und sich aus Angst vor Sanktionen zurückziehen? Und wie soll ein solches System tatsächlich zur Schulentwicklung beitragen, solange strukturelle Probleme – insbesondere unzureichende digitale Ausstattung, steigende organisat. Belastungen und abnehmende Fähigkeiten der Schüler dominieren.
Danke
Sehr geehrter Herr K.,
vielen Dank für Ihre Anfrage über abgeordnetenwatch.de.
Uns ist sehr bewusst, welche herausragende Arbeit die Lehrkräfte in Baden-Württemberg besonders in dieser von multiplen Krisen geprägten Zeit leisten. Wir wissen, dass viele Lehrerinnen und Lehrer weit über ihre Belastungsgrenze hinaus arbeiten. Das führt dazu, dass engagierte Lehrkräfte ausbrennen, weil sie auch dort einspringen, wo andere nicht mitziehen. Schulleitungen haben wiederum kaum Möglichkeiten, die Situation konstruktiv zu steuern. Sie brauchen Instrumente, um Leistung zu honorieren, aber auch um Überlastung zu vermeiden.
Unsere konkreten Lösungsansätze sind die Einführung einer funktionierenden Lehrerarbeitszeiterfassung, um den tatsächlichen Arbeitsaufwand mess- und nachvollziehbar und Überlastung sichtbar zu machen. Außerdem wollen wir durch Schulverwaltungsassistenzen die Lehrerinnen und Lehrer von administrativen Aufgaben entlasten und so mehr Zeit für pädagogische Kernaufgaben schaffen. Und wir brauchen Handlungsinstrumente für Schulleitungen, die eine standardisierte, strukturierte Feedback-Kultur ermöglichen – wie in jedem anderen Beruf auch. Nur so kann überdurchschnittliches Engagement, Verlässlichkeit und besondere Leistung anerkannt und honoriert werden. Dafür gilt es, Aufstiegsmöglichkeiten wie beispielsweise Fachbereichsleitungen auch an Grund- und Sekundarschulen zu schaffen.
Die Arbeit von Lehrerinnen und Lehrern ist unverzichtbar für den Erfolg unserer Gesellschaft. Sie leisten täglich einen entscheidenden Beitrag dazu, Kinder und junge Menschen auf die Herausforderungen des Lebens vorzubereiten. Wir wissen, wie viel Engagement und Hingabe in ihrer Arbeit steckt – sowohl im Klassenzimmer als auch in der Zeit außerhalb des Unterrichts. Lehrerinnen und Lehrer machen einen hervorragenden Job, oft über die Belastungsgrenze hinaus. Für sehr viele von ihnen ist das Lehrersein mehr als ein Beruf, es ist eine Berufung. Diese wertvolle Arbeit darf nicht nur gesehen, sondern sie muss auch gestärkt und gewürdigt werden. Das ist uns ein wichtiges Anliegen. Denn es geht nicht darum, einzelne schlecht, sondern alle besser zu machen. Ziel ist, dass wir hochmotivierte Lehrerinnen und Lehrer an den Schulen haben, die schließlich unser Wichtigstes unterrichten: unsere Kinder.
Freundliche Grüße
Manuel Hagel MdL

