Portät von Lisa Paus in Charlottenburg Wilmersdorf
Lisa Paus
BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN
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Frage von Felix K. •

Wie stehen Sie zur Budgetierung der Psychotherapie?

Sehr geehrte Frau Paus,

mit großer Sorge beobachte ich derzeit die politische Entwicklung in Bezug auf die psychotherapeutische Versorgung.

Bereits die beschlossene Reduzierung der Psychotherapieleistungen steht im Widerspruch zu dem steigenden Bedarf in unserer Gesellschaft nach Psychotherapie und der stetig steigenden Lebenserhaltungskosten.

Ich arbeite als niedergelassener Psychotherapeut mit vollem Versorgungsauftrag, den ich mit durchschnittlich 37 Therapiestunden in der Woche gerne erfülle.

Die nun angedachte Budgetierung wird mich dazu zwingen, dann lediglich die Mindestanzahl an Therapiestunden anbieten zu können, um den Versorgungsauftrag zu erfüllen (25h/Woche), da ich aus ökonomischen Gründen dann alternative Einkünfte generieren müsste (wie etwa rechtspsychologische Begutachtung, Vorzug von Privatversicherten und Selbstzahler).

Es würde somit auch kurzfristig eine starke Reduktion der psychotherapeutischen Versorgung in Kraft treten.

Dies erscheint mir als düstere Prognose

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Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Guten Tag Felix K.

vielen Dank für Ihre Frage. 

Ich teile Ihre Sorge – gesundheitspolitisch ist die Absenkung der psychotherapeutischen Leistungen im Hinblick auf die schon derzeit bestehenden Versorgungslückenhöchst problematisch. 

In meiner Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen haben wir den Prozess aufmerksam begleitet. Nach Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses am 11.03.2026 sollte die Vergütung für psychotherapeutische Leistungen ab dem 01.04. um 4,5 Prozent sinken. Es ist unverständlich, dass ausgerechnet Psychotherapeut*innen zukünftig weniger für die Behandlung von GKV-Versicherten erhalten sollen. Psychotherapeutische Arbeit muss adäquat finanziert werden.

Grundsätzlich sind Honorarvereinbarungen eine Angelegenheit der Selbstverwaltung und ist es so, dass diese nicht politisch getroffen werden. Aus diesem Grund ist eine direkte politische Einflussnahme weder möglich noch sinnvoll. Dennoch kritisiere ich die Entscheidung. 

In einer Situation, in der der Bedarf an psychotherapeutischer Versorgung stetig steigt, Wartezeiten für viele Patient*innen unzumutbar lang sind und Praxen zugleich unter erheblichem wirtschaftlichem Druck stehen, ist eine pauschale Honorarkürzung natürlich ein verheerendes Signal. Wenn Praxen wirtschaftlich unter Druck geraten und Fehlanreize zu Ungunsten von GKV-Versicherten entstehen, gefährdet das die psychotherapeutische Versorgung.

Was wir stattdessen brauchen, sind nachhaltige Reformen und strukturelle Verbesserungen. Pauschale Kürzungen werden die bestehende Fehlsteuerung und die finanzielle Schieflage innerhalb des Gesundheitssystems nicht lösen können.

Durch vielfältige gesellschaftliche Krisen erleben wir derzeit einen Anstieg psychischer Belastungen, besonders unter Kindern und Jugendlichen. Das Hilfesystem wird der steigenden Nachfrage nach Unterstützungs- und Behandlungsbedarfen zunehmend nicht mehr gerecht und stößt schon heute an seine Kapazitätsgrenzen. Insgesamt sind die Zugänge zum Hilfesystem mit zu vielen Hürden belastet. Es ist nicht hinzunehmen, dass viele Menschen in einer psychischen Krise monatelang auf passende Hilfe warten müssen und die Suizidzahlen weiter steigen. Alle Menschen mit Hilfebedarf sollen im Bedarfsfall niedrigschwellige Zugänge zu passgenauen psychosozialen und therapeutischen Angeboten haben. Eine neue Bedarfsplanung ist überfällig. Unser Ziel sind mehr Hilfen und weniger Stigma. 

Die Bündnisgrüne Bundestagsfraktion steht weiterhin dafür ein, dass angemessene finanzielle Rahmenbedingungen geschaffen werden. Psychische Gesundheit darf nicht vom Versicherungsstatus abhängen. 

Wir Grünen setzen uns darüber hinaus beständig für eine angemessene Finanzierung der Psychotherapeut*innen in Weiterbildung und eine Verbesserung der Versorgung ein! 

Freundlich grüßt Sie

Lisa Paus

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