Warum setzen Sie sich gar nicht mehr für die patnerschaftliche Betreuung und Erziehung gemeinsamer Kinder ein?
Sehr geehrte Frau Paus, auch nach den Bruch der Ampel haben Sie sich für Themen aus ihrer Zeit als Familienministerin eingesetzt. Warum setzen Sie sich nicht (mehr) für die im Fortschriftskoalitionsvertrag versprochene Förderung der patnerschaftlichen Betreuung und Erziehung gemeinsamer Kinder ein? Sie werben für mehr Arbeitschancen für Frauen. Warum gehen Sie das Thema gar nicht an? Sind Sie vielleicht doch dagegen und bevorzugen die alleinerziehenden Mütter?
Guten Tag Ricardo P.,
es gehört zum guten politischen Ton, sich nach der Ministerinnenzeit nicht außerhalb der eigenen neuen Zuständigkeiten in den Themen des vormaligen Ressorts zu äußern. Auch ich halte mich daran und konzentriere mich darum auf die Debatten, die meine aktuellen Zuständigkeiten betreffen. Im Ausschuss für Arbeit und Soziales bin ich u.a. für prekär beschäftigte Personen und Soloselbstständige verantwortlich. Beides sind Gruppen, in denen überdurchschnittlich viele Frauen vertreten sind, insbesondere auch Alleinerziehende.
Gleichzeitig liegt der Grünen Bundestagsfraktion und auch mir die partnerschaftliche Vereinbarkeit weiterhin sehr am Herzen. Eine moderne Wirtschaft ist gerade dann erfolgreich, wenn es den Menschen gut geht und Familien in ihrer Vielfalt ihr Leben mit Erwerbsarbeit vereinbaren können. Das fördert die Gesundheit der Menschen und führt zu mehr Teilhabe auf dem Arbeitsmarkt – das zahlt sich auch wirtschaftlich aus.
Partnerschaftliche Aufteilung von Sorgearbeit und Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern ist dafür ein sehr wichtiger Kern. Wir wollen, dass Väter genauso selbstverständlich Zeit für ihre Kinder haben können, ohne schief angeschaut zu werden, und dass Frauen ihre Talente im Beruf voll entfalten können und wirtschaftlich auf eigenen Füßen stehen. Darum setzen wir uns unter anderem für eine bessere Betreuungsinfrastruktur ein, für eine Anpassung des Elterngeldes, für eine Freistellung mit Lohnersatzleistung für Partner*innen in den ersten zwei Wochen nach der Geburt und für Arbeitszeitmodelle, die tatsächlich Vereinbarkeit schaffen, anstatt einfach nur Verfügbarkeit für den Arbeitgeber zu eröffnen, wie beispielsweise mit der flexiblen Vollzeit, mit vollzeitnaher Teilzeit, Brückenteilzeit und Rückkehrrechten.
Für den Bereich Familienpolitik ist in dieser Fraktion meine Kollegin Denise Loop zuständig, die sich kraftvoll, engagiert und unterstützt von uns allen dafür einsetzt. Bei näheren Fragen wenden Sie sich gern an sie.
Freundlich grüßt Sie
Lisa Paus

