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Kerstin Celina
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Frage von Marion M. •

Befürworten Sie den steigenden Kreuzfahrttourismus in Würzburg? 🚢

Sehr geehrte Frau Celina,

in Würzburg legen in den Sommermonaten regelmäßig Flusskreuzfahrten am Mainkai an. In den letzten Jahren hat sich der Tourismus aus meiner Sicht als Bürgerin deutlich erhöht. Finden Sie den Kreuzfahrt Tourismus in Würzburg gut und setzen sie sich für eine Förderung für diesen durch die Region Mainfranken bzw. den Freistaat Bayern ein?

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Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Sehr geehrte Frau M.,

Ich bin selbst viel in Würzburg unterwegs, mit dem Fahrrad oder zu Fuß, und habe auch das Gefühl, dass Kreuzfahrttourismus inzwischen eine größere Rolle spielt als früher. Allerdings ist das auch kein Wunder, denn vor wenigen Jahren hatten wir in den Corona-Jahren ja überall einen größeren Einbruch in den Tourismuszahlen. Genaue Zahlen über die Menge und Entwicklung der Kreuzfahrtschiffe in Würzburg kenne ich aber nicht. 

Jetzt zu der Frage, ob ich finde, dass es zu viele Kreuzfahrtschiffe sind und ob ich mich für oder gegen eine weitere Förderung einsetze: Grundsätzlich ist der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Region Mainfranken. Gerade Städte wie Würzburg profitieren stark vom Städtetourismus. Die Gäste erreichen die Stadt mit dem Auto, Bus, Zug oder dem Schiff. Viele Kreuzfahrt-Touristen sind nur kurz vor Ort, die lokale Wertschöpfung ist daher begrenzt. Aber wir liegen nun mal mitten in einer Route mit vielen Highlights. z.B. Miltenberg, Bamberg, bis nach Regensburg und Köln – und wenn ich sehe, dass Würzburg, der Blick vom Main zur Festung, die Promenade, als Highlight der Tour von den Veranstaltern beworben wird, dann geht mir das Herz auf und ich denke, wie wunderschön es ist, hier zu wohnen und zu arbeiten. 

Wir haben in der Region viele verschiedene Arten von Tourismus: Gäste, die mit Auto, Bus oder Bahn oder eben mit dem Schiff anreisen, um die Region kennenzulernen, aber auch für Veranstaltungen und Kongresse. 

Die Vorteile der kurzen Aufenthalte der Kreuzfahrt-Touristen liegen auf der Hand: zusätzliche Einnahmen für Gastronomie, Einzelhandel und Dienstleistungen, Stabilisierung von Arbeitsplätzen im Tourismussektor. Kreuzfahrten bringen internationale Gäste nach Würzburg und stärken die Position Mainfrankens als Reiseziel (viele kommen wieder), und v.a.: Flusskreuzfahrten benötigen üblicherweise erst mal keine neuen Flughäfen oder Großanlagen, sondern werden in bestehende touristische Strukturen integriert.

Gleichzeitig gibt es berechtigte Kritikpunkte: die Umweltbelastung, Emissionen durch Schiffe (Feinstaub, CO₂), die Belastung für Anwohner am Mainkai, mehr Gedränge in der Innenstadt. Für mich überwiegen die Vorteile, und ich finde es wichtig, dass Bayern-Touristen nicht nur nach Oberbayern und München fahren, sondern auch Würzburg und die umliegende Region kennenlernen. Wir haben so viel zu bieten, und wer unsere Region kennen- und schätzen gelernt hat, wird eher in Betracht ziehen, hier zu wohnen und zu arbeiten, egal ob im sozialen, künstlerisch/kreativen, wissenschaftlichen oder industriellen Bereich. Für mich ist der Kreuzfahrttourismus einer von vielen Puzzlesteinen, die dies fördern. Gemessen an diesen Möglichkeiten ist es m.E. nicht zu viel Kreuzfahrt-Tourismus.

Jetzt zu den Förderungen: Der Freistaat Bayern und die Region Mainfranken fördern Tourismus bereits umfangreich – allerdings nicht spezifisch den Kreuzfahrttourismus, sondern vor allem strukturelle Maßnahmen: Im Programm für Infrastrukturförderung könnten eventuell auch Erweiterungen von Anlegestellen gefördert werden, aber Würzburg kann selbst entscheiden, ob es diesen Bereich des Tourismus überhaupt ausbauen will und in welchem Bereich es sich überhaupt um eine Förderung bemüht. 

Verbesserungsvorschläge für die aktuellen Förderprogramme haben wir GRÜNE im Landtag übrigens vorgelegt, darunter u.a. ein Pilotprojekt für E-Busse einzurichten, um Möglichkeiten für nachhaltigen Tourismus sichtbar zu machen. Würzburg wäre sicher eine geeignete Region dafür und könnte von unseren Vorschlägen zum Thema Tourismusförderung profitieren. Die CSU und die FW haben unseren Antrag dazu aber leider abgelehnt. https://christian-zwanziger.de/im-landtag/tourismus/pilotdestination-fuer-e-busse

Zum Thema Mobilität und Ganzjahrestourismus haben wir ebenfalls Anträge eingereicht https://christian-zwanziger.de/im-landtag/tourismus/bayerns-tourismus-fit-fuer-die-zukunft. Und dass aus der bayerischen Tourismusförderung 18 Millionen Euro für ein Panda-Gehege in München bereitgestellt werden sollen, halten wir GRÜNE für unverhältnismäßig und haben das bayernweit in Presseberichten kritisiert. Dazu kommt, dass ein Vergleich des zusätzlichen touristischen Nutzens eines Panda-Geheges im eh schon von Tourismus überlaufenen München mit anderen touristischen Maßnahmen, z.B. bei uns in Nordbayern, gar nicht stattgefunden hat. Im Gegenteil: das Geld dafür hat der Ministerpräsident selbst kurz vor der Kommunalwahl pressewirksam in Aussicht gestellt. Dabei kommt zu den Kosten für das Panda-Gehege noch eine jährliche Leihgebühr für die Pandas in Höhe von 1 Mio. Euro an China https://christian-zwanziger.de/im-landtag/tourismus/panda-mittel-sperren-bis-folgekosten-klar-sind

Statt von oben herab Panda-Gehege für 18 Millionen Euro in München bauen zu wollen, habe ich andere Prioritäten beim Thema Tourismusförderung: mir ist wichtig, dass Städte und Regionen darin unterstützt werden, ihren eigenen Weg zu gehen im Bereich Tourismus. Dass der Stadtrat von Würzburg zukunftsfähige Entscheidungen trifft im Bereich Tourismus hat man übrigens an der Debatte um die Eröffnung des Hotels am Paradeplatz gesehen: der Streit um Stellplätze wurde klug gelöst https://www.mainpost.de/regional/wuerzburg/baugenehmigung-fuer-paradeplatz-hotel-einstimmig-erteilt-art-10603636 . Ich bin daher zuversichtlich, dass der Würzburger Stadtrat weitere Förderprogramme für den Ausbau von Kreuzfahrttourismus gar nicht beantragen würde, wenn es zu viele Belastungen durch Kreuzfahrtourismus in Würzburg geben würde. 

Dazu kommt: Förderprogramme sind nicht das einzig relevante Instrument, um Tourismus klug zu steuern: wenn die Bayerische CSU- und FW-Regierung den Kommunen trotz großer Proteste verbietet, eine Bettensteuer zu erheben, verhindert sie, dass Städte wie Würzburg vom Tourismus finanziell direkt profitieren könnten:  https://www.br.de/nachrichten/bayern/bettensteuer-bleibt-in-bayern-verboten-was-sagen-die-staedte,V3CLvlC . Auch dass Bayern den Kommunen verbietet eine Verpackungssteuer zu erheben, ärgert mich sehr https://kommunal.de/verpackungssteuer-verbot-bayern .

Sie sehen, es gibt viele Aspekte zum Thema bessere Tourismusförderung, den Bereich Flusskreuzfahrt in Würzburg muss man meines Erachtens im Rahmen eines Gesamtkonzeptes sehen. Eine sinnvolle Weiterentwicklung / Förderung in diesem Bereich sollte den Einsatz emissionsarmer oder elektrischer Schiffe beinhalten. Programme für eine bessere Besucherlenkung (z. B. zeitliche Staffelung) und eine stärkere Einbindung regionaler Angebote (z.B. längere Aufenthalte) halte ich ebenfalls für sinnvoll.

Bei weiteren Fragen können Sie mich gerne wieder kontaktieren.

Mit sonnigen Grüßen, 

Kerstin Celina

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