Johannes Kahrs
SPD
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Frage von Cuvyvcc Nam an Johannes Kahrs bezüglich Soziales

# Soziales 20. Aug. 2009 - 19:03

Lieber Herr Kahrs,

vor gut einer Woche las ich, in der online - Ausgabe der "Lübecker Nachrichten", zum Thema "Blutspenden", das Schwule, Bisexuelle, als Blutspender nicht erwünchst sind. - Das Paul Ehrlich Institut, sagt, dies sei Bundesgesetz, weil diese Menschen, so wird unterstellt, am häufigsten HIV haben. - So sind nun Homo- u. Bisexuelle gezwungen, die gerne Blutspenden wollen, ihre sexuelle Neigung zu leugnen oder zu verschweigen. - Ich finde diese Diskriminierung darf nicht sein! - Ist das wirklich per Gesetz so vorgeschrieben? Wenn ja, würden Sie sich dafür stark machen, diese Diskriminierung zu beenden?

Ich stelle die Frage unabhängig meiner persönlichen sexuellen Neigung, über eine Antwort von Ihnen freue ich mich,

Ihr P.Anz

Von: Cuvyvcc Nam

Antwort von Johannes Kahrs (SPD) 24. Aug. 2009 - 10:52
Dauer bis zur Antwort: 3 Tage 15 Stunden

Sehr geehrter Herr Anz,

Vielen Dank für Ihre Anfrage.

In der Tat ist das von Ihnen beschriebene Problem nicht neu. Die vom Paul-Ehrlich-Institut ausgearbeiteten Regeln zur Blutspende besagen eindeutig, daß Blut von Spendern, die zu Gruppen mit erhöhtem Risiko gehören, nicht verwendet werden darf.

Dabei sind homo- und bisexuelle Männer nur eine unter mehreren Risikogruppen. Es gehören dazu beispielsweise auch Menschen, die sich in einem bestimmten Zeitraum vor der Spende in gewissen tropischen Ländern aufgehalten oder sich einer bestimmten Medikation unterzogen haben. Ziel ist immer, daß Risiko, daß gespendetes Blutplasma mit Erregern (nicht nur HIV, sondern z.B. auch Malaria oder Tuberkulose) infiziert oder mit sonstigen riskanten Stoffen (etwa den Abbauprodukten von starken Medikamenten, wie sie in der Therapie von Krebs eingesetzt werden) versetzt ist, zu minimieren. Es sind also keineswegs nur Schwule und Bisexuelle, sondern z.B. auch Bürger der meisten afrikanischen, südamerikanischen und karibischen Staaten, deren Blut nicht zur Weiterverwendung freigegeben ist.

Leider sind die Zahlen zu HIV-Infektionen immer noch recht eindeutig: homosexuelle Männer bilden bei den HIV-Neuinfizierten immer noch die größte Gruppe. Ob es deshalb richtig ist, sie pauschal als Spender auszuschließen, möchte ich hier nicht beurteilen - ich bin auf medizinischem Gebiet kein Experte und vertraue darauf, daß die, die die Regeln ausarbeiten, das nach bestem Wissen und Gewissen tun und dabei nichts als die Risikominimierung als Maßstab anlegen. Jedenfalls kann ich mir nicht vorstellen, daß diese Regeln mit dem Ziel, Schwule und Bisexuelle moralisch zu diskriminieren, gemacht wurden. Es geht hier nicht um die sexuelle Identität als solche, sondern um die damit leider korrelierenden erhöhten Risiken bei bestimmten Infektionen.

Jeder Spender muß vor der Blutspende eine Selbstauskunft erteilen. Selbstverständlich ist es dabei möglich, Angaben zu verschweigen. Letzten Endes muß man also auf die Ehrlichkeit und das Gewissen jedes Spenders vertrauen. Jeder verantwortungsbewußte Mensch, der - aus welchen Gründen auch immer - zu einer Risikogruppe gehören könnte, sollte ohnehin - nicht nur zum Zwecke der Blutspende - sein persönliches Risiko minimieren.

Mit freundlichen Grüßen,

Johannes Kahrs