Wie bewerten Sie das Vorhaben der Bundesregierung 13 Inhaltsstoffe bei E-Zigaretten zu verbieten (Cooling Agents, Menthol, Sucralose) und befürworten Sie ein Aromenverbot (außer Tabak)?
Sehr geehrter Herr Dahmen, die Bundesregierung plant seit Anfang diesen Jahres ein Stoffverbot für 13 besonders gefährliche Substanzen in E-Zigaretten (Cooling Agents, Menthol, Sucralose). Die sogenannte Hardware, also E-Zigaretten haben in größtem Maße justierbare Leistungsprofile (Wattage) und die Produkte sind allgemein auf dem freien Markt, also kann ohne Grenzen konsumiert werden. Dies ist ein hohes Risiko zur Erkrankung und Suchtentwicklung von Kindern und jungen Erwachsenen. Die Industrie versucht hierbei allerdings Höchstgrenzwerte durchzudrücken, um ein Jahrzehntelanges Katz und Maus Spiel für die ausufernden skandalösen Zustände der vergangenen Jahre noch auf die Spitze zu treiben. Wie werden Sie sich positionieren und wie bewerten sie ein Aromenverbot (außer Tabak). ein Automatenverbot für E-Zigarettenprodukte? Der Marktführer Elfbar/ Lost Mary hat nahezu in allen Liquids Cooling Agents gemäß einer neuen Studie sind Herzrythmusstörungen durch diese Kühlstoffe möglich.
Sehr geehrter Herr F.,
vielen Dank für Ihr Schreiben vom 27. Juni 2026 und Ihr engagiertes Interesse an einer konsequenten Regulierung von E-Zigaretten. Sie sprechen ein Thema an, das mir als gesundheitspolitischem Sprecher besonders am Herzen liegt.
Der Schutz von Kindern und Jugendlichen muss bei E-Zigaretten und Vapes oberste Priorität haben. Die Attraktivität vieler Produkte für junge Menschen sowie die nachgewiesenen gesundheitlichen Risiken machen eine konsequente Regulierung aus Sicht des Gesundheits- und Verbraucherschutzes dringend erforderlich.
Das geplante Stoffverbot für die 13 genannten Substanzen unterstütze ich ausdrücklich. Das Argument der Industrie, das Verbot von E-Zigaretten mache den Umstieg für erwachsene Raucher unattraktiver, halte ich für vorgeschoben. Gesundheitliche Risiken sind bereits wissenschaftlich belegt.
Ein generelles Aromenverbot sollte ebenfalls evidenzbasiert geprüft werden. Dabei sind sowohl der Kinder- und Jugendschutz als auch mögliche Auswirkungen auf das Konsumverhalten erwachsener Nutzerinnen und Nutzer sowie auf den illegalen Markt zu berücksichtigen. Klar ist für mich: Aromen wie Menthol oder Cooling Agents dienen in erster Linie dazu, jungen Menschen den Einstieg zu erleichtern, nicht dem Umstieg erwachsener Raucher.
Unabhängig davon besteht weiterer Handlungsbedarf beim Jugend- und Verbraucherschutz, insbesondere hinsichtlich der Verfügbarkeit dieser Produkte. Die Abgabe von E-Zigaretten über Automaten sollte unter diesen Gesichtspunkten ebenfalls überprüft werden.
Meine Haltung zur Tabak- und Nikotinpolitik ist hier seit Jahren klar: Auch beim Rauchverbot im öffentlichen Raum habe ich mich für ambitioniertere Regeln nach französischem Vorbild ausgesprochen. Ich befürworte höhere Tabaksteuern, Verkaufsbeschränkungen auf lizenzierte Fachgeschäfte, genauso wie ein umfassendes Werbe- und Sponsoringverbot. Dem Versuch der Industrie lediglich Höchstgrenzwerte durchzusetzen, sollte der Gesetzgeber klar entgegentreten.
Ich sehe bei E-Zigaretten die gleichen industriegetriebenen Interessen wie beim klassischen Rauchen. Angesichts der Kosten von jährlich über 30 Milliarden Euro, die unsere Krankenkassen für rauchbedingte Erkrankungen aufbringen müssen, ist ein Umsteuern hier längst erforderlich.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Janosch Dahmen, MdB

