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Janosch Dahmen
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Frage von Vanessa H. •

Raumluftqualität in Schulen und Kitas - werden Sie dafür sorgen, dass Wissen entsteht?

Hallo Herr Dahmen,

aus dem Wahlprogramm, S. 95: "Und wir wollen die Atemluftreinheit im Außenbereich und in Innenräumen verbessern. Maßnahmen zur Luftreinhaltung in Innenräumen von öffentlichen Gebäuden, insbesondere in Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen, sind ein wichtiger Teil des aktiven Gesundheitsschutzes."

Raumluftqualität hat starke Auswirkungen auf Gesundheit, Leistung und Wohlbefinden. Alles drei Punkte, in denen es hierzulande ja auch schon sehr lange mehr als hapert, ein Ende nicht in Sicht.

Zum Thema Wichtigkeit von Raumluftqualität oder Präventionsmöglichkeiten bei aerogenen Erregern hört man hierzulande leider nichts, stattdessen wird über Praxisgebühren gesprochen, die die Probleme nicht im Ansatz lösen. Nun frage ich mich, herrscht hierzu im BT & Gesundheitsausschuss Unwissen über aerogene Erreger und die Wichtigkeit von Raumlufthygiene oder ist das Ignoranz und wenn Ersteres, werden Sie dafür sorgen, dass Wissen entsteht?

Vielen Dank!

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Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Sehr geehrte Frau H.,

vielen Dank für Ihre Nachricht und die sehr klare Einordnung der Bedeutung von Raumluftqualität für Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden. Sie sprechen damit ein Thema an, das aus meiner Sicht tatsächlich stärker in den Fokus gesundheitspolitischer Debatten gehört.

Ich kann Ihnen versichern: Es fehlt im Bundestag und im Gesundheitsausschuss nicht grundsätzlich an Wissen über aerogene Erreger oder die Bedeutung von Raumlufthygiene. Allerdings ist richtig, dass dieses Wissen bislang noch nicht ausreichend konsequent in politisches Handeln übersetzt wurde, insbesondere, wenn es um strukturelle Prävention geht.

Wir haben uns eingehend mit der aktuellen wissenschaftlichen Evidenz zum Potenzial verschiedener Maßnahmen zur Verbesserung der Raumluftqualität beschäftigt und hierzu auch eine schriftliche Frage an die Bundesregierung gestellt. Die Antwort der Bundesregierung ist öffentlich einsehbar:

https://dserver.bundestag.de/btd/21/046/2104657.pdf

Der dort dargestellte Kenntnisstand deckt sich weitgehend mit den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Nach derzeitigem Stand sind fest installierte raumlufttechnische Anlagen (RLT-Anlagen) oder hybride Lüftungssysteme die wirksamste Maßnahme, um die Übertragung virenverursachter Erkrankungen über Aerosole in Innenräumen zu reduzieren (vgl. z. B. https://doi.org/10.1016/j.apenergy.2023.121961). Das Umweltbundesamt empfiehlt den Einbau solcher Anlagen bereits seit vielen Jahren insbesondere für Schulen. Auch aus Nachhaltigkeitsperspektive sind diese Lösungen gegenüber mobilen Geräten klar zu bevorzugen.

Mobile HEPA-Luftfilter können zwar Partikel aus der Luft filtern, lösen aber zentrale Probleme nicht: Sie senken weder den CO₂-Gehalt noch regulieren sie die Luftfeuchtigkeit. Studien zeigen zudem, dass Faktoren wie Luftfeuchtigkeit einen erheblichen Einfluss auf das Infektionsgeschehen haben (z. B. http://doi.org/10.18154/RWTH-2021-01238). Gleichzeitig ist die Studienlage zur tatsächlichen Reduktion von Infektionen durch mobile Geräte bislang uneinheitlich und nicht ausreichend belastbar.

Wichtig ist außerdem: Der häufigste Übertragungsweg vieler respiratorischer Infektionen erfolgt im unmittelbaren Nahbereich über Tröpfchen. Das Robert Koch-Institut beschreibt dies u. a. für Influenza

(https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_Influenza_saisonal.htm…,

RSV

(https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_RSV.html)

und SARS-CoV-2

(https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_COVID-19.html).

Dieser Übertragungsweg lässt sich weder durch Luftfilter noch durch Lüftung vollständig verhindern. Deshalb braucht es immer ein Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen – von Raumgestaltung über Personendichte bis hin zu umfassenden Präventionskonzepten.

Für uns als Grüne ist klar: Gute Raumluft ist ein zentraler Bestandteil von Public Health und gehört zur Verhältnisprävention. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass der erhebliche Sanierungsstau bei öffentlichen Gebäuden – insbesondere Schulen und Gesundheitseinrichtungen – endlich angegangen wird und dabei moderne Lüftungssysteme standardmäßig mitgedacht werden. Gleichzeitig gehört für uns auch dazu, Lern- und Arbeitsbedingungen insgesamt zu verbessern, etwa durch kleinere Gruppen bzw. Klassen.

Ihr Eindruck, dass präventive Maßnahmen politisch oft zu wenig Aufmerksamkeit bekommen, ist leider nicht ganz von der Hand zu weisen. Umso wichtiger ist es, dass solche Themen, auch durch engagierte Hinweise wie Ihren, immer wieder in die politische Debatte eingebracht werden. Ich werde mich weiterhin dafür einsetzen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse im Bereich Infektionsschutz und Raumlufthygiene stärker berücksichtigt werden und in konkrete Maßnahmen münden.

Vielen Dank nochmals für Ihr Engagement und Ihren wichtigen Hinweis.

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Janosch Dahmen

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