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Henri Schmidt
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Frage von Kristina S. •

Stimmen Sie der automatischen Kopplung des Rentenalter zu, ja oder nein?

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Ja, ich befürworte grundsätzlich eine automatische Kopplung des Renteneintrittsalters an die steigende Lebenserwartung – nicht aus Prinzip, sondern weil wir die Funktionsfähigkeit unseres Rentensystems langfristig sichern müssen.

Die gesetzliche Rente beruht auf dem Generationenvertrag: Die heute Erwerbstätigen finanzieren mit ihren Beiträgen die heutigen Renten. Dieses System gerät unter Druck, weil immer weniger Beitragszahler für immer mehr Rentnerinnen und Rentner aufkommen müssen. Anfang der 1960er Jahre kamen noch rund sechs Beitragszahler auf einen Altersrentner. Heute sind es nur noch etwa zwei.

Gleichzeitig geht die Generation der Babyboomer in den Ruhestand. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes war 2024 etwa jede fünfte Person in Deutschland 67 Jahre oder älter; 2035 wird es voraussichtlich bereits jede vierte Person sein. Der Altenquotient zeigt die Entwicklung ebenfalls deutlich: 2024 kamen auf 100 Personen im Alter von 20 bis unter 65 Jahren bereits rund 39 Personen ab 65 Jahren.

Ohne Reformen bleiben am Ende nur drei Möglichkeiten: deutlich höhere Beiträge, deutlich höhere Steuerzuschüsse oder ein sinkendes Rentenniveau. Schon heute fließen erhebliche Bundesmittel in die Rentenversicherung; für 2026 sind rund 127,8 Milliarden Euro an Bundeszuschüssen zur gesetzlichen Rentenversicherung veranschlagt.

Wenn die Lebenserwartung weiter steigt, ist es deshalb sachgerecht, einen Teil dieser zusätzlichen Lebenszeit auch in längere Erwerbstätigkeit zu übersetzen. Eine automatische, regelgebundene Kopplung schafft Planbarkeit, verhindert politische Ad-hoc-Entscheidungen und verteilt die Lasten fairer zwischen den Generationen.

Wichtig ist mir aber: Das darf kein kalter Automatismus zulasten derjenigen sein, die gesundheitlich nicht mehr arbeiten können. Wer aus gesundheitlichen Gründen nicht oder nur noch eingeschränkt erwerbsfähig ist, bleibt durch die Erwerbsminderungsrente geschützt. Die Deutsche Rentenversicherung weist ausdrücklich darauf hin, dass die volle Erwerbsminderungsrente das Einkommen ersetzen soll, wenn jemand aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeitsfähig ist; bei teilweiser Erwerbsminderung ergänzt sie das noch erzielbare Einkommen.

Deshalb lautet meine Antwort: Ja, ich bin für eine Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung – eingebettet in ein faires Gesamtkonzept mit Schutz für gesundheitlich eingeschränkte Menschen, besseren Übergängen in den Ruhestand, Anreizen für freiwillig längeres Arbeiten und einer Stärkung zusätzlicher Altersvorsorge.

Nur so können wir sicherstellen, dass die Rente auch für kommende Generationen verlässlich, bezahlbar und generationengerecht bleibt.

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