Gustav Herzog
SPD
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Frage von Rvxr Urvavpxr an Gustav Herzog bezüglich Wirtschaft

# Wirtschaft 12. Sep. 2013 - 18:07

Wie kann es sein, dass bei immernoch neun laufenden AKW´s und 21 stillgelgten flexiblen Gaskraftwerken das Strom-Angebot über das An- und Abschalten von Sonne- und Windenergie geregelt wird?

Von: Rvxr Urvavpxr

Antwort von Gustav Herzog (SPD) 18. Sep. 2013 - 12:08
Dauer bis zur Antwort: 5 Tage 18 Stunden

Sehr geehrter Herr Heinicke,

herzlichen Dank für Ihre Anfrage zu den erneuerbaren Energien, deren Kapazitäten erfreulicherweise zunehmend ausgebaut werden.

Der Ausbau entwickelt sich jedoch auf einem multifaktoriellem Markt nicht so strategisch, wie man es sich vielleicht wünschen würde. Da wir keine Planwirtschaft haben (und auch keine wollen), entwickelt sich der Markt weder bedarfsgerecht noch auf die Bedürfnisse des Netzes ausgerichtet, so dass es zu verschiedenen Fehlentwicklungen kommt.

Die Erneuerbaren Energien (EE) drücken zunehmend auf den Strommarkt, werden an der Strombörse EEX verkauft und senken dadurch den Börsen- oder Großhandelspreis für Strom. Durch den Preisverfall und die hohen Gaspreise können gerade die flexiblen Gaskraftwerke nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden und werden daher aus dem Markt genommen. Damit bleiben neben dem Strom aus EE auch AKW, Braun- und Steinkohlekraftwerke am Netz, obwohl sie nicht so flexibel regelbar sind wie Gasturbinen.

Hinzu kommt noch das grundsätzliche Überangebot im Norden und das strukturelle Defizit im Süden. Physikalisch braucht es aber bestimmte Systemdienstleistungen (z.B. Spannungs- und Frequenzerhaltung, Blindstrom etc.), die bisher nur von konventionellen Kraftwerken erbracht werden können. Und es braucht nun in der besonderen Situation quasi einen (nicht-physikalisch ausgedrückt) Gegendruck im Netz. Daher greift man recht häufig auf Windparks zurück, wenn das Netz ein Abregeln von Anlagen verlangt.

Ferner gibt es wirtschaftliche Erwägungen der Anbieter und Netzbetreiber, die zu einer Abregelung der EE führen. Windparks werden für nicht produzierten Strom entschädigt. Die dadurch entstandenen Kosten werden über die Netzentgelte an die Verbraucher weitergegeben. Beim "normalen" Redispatch und der Abregelung von konventionellen Kraftwerken ist das alles etwas komplizierter, was in der Summe zu dem führt, was Sie zu Recht kritisieren.

Alles in allem keine erfreuliche Entwicklung, dass die Energiewende derart den Kräften des freien Marktes ausgesetzt ist. Die aktuell geführte Diskussion über ein mögliches Marktdesign bietet uns verschiedene Ansätze, wie z. B. die aktive Gestaltung des Emissionshandels, die uns kurz- bis mittelfristig weiterbringen werden. Alle Beteiligten empfinden die derzeitige Situation nur wenig konstruktiv und zielführend.

Mit freundlichen Grüßen

Gustav Herzog