Wieso wurde durch Bewertungsausausgerechnet das Honorar der Psychotherapeutinnen um 4,5 % gekürzt, obwohl wir in der Gruppe der niedergelassenen Kassenpraxen sowieso am wenigsten verdienen?
Liebe Franziska, wir haben uns beim Neujahrsempfang in Weinheim gesehen und ich wende mich als selbständige Psychotherapeutin in Weinheim an dich, da mich die o.g. Kürzungen hart treffen. Mein Beruf ist sehr belastend, die Anfragen nicht mehr zu bewältigen, die Angst der Menschen auch angesichts des Klimawandels, dem Erstarken der AfD und der Untätigkeit der Bundesregierung sehr groß. Dies den ganzen zu hören und nun als einzige Gruppe 4,5 % weniger Geld zu bekommen ist ein Schlag ins Gesicht. Soll ich auf Privatpatienten setzen, um finanziell über die Runden zu kommen? Das entspräche nicht meinen Werten. Die psychotherapeut. Versorgung ist jetzt schon sehr angespannt, führt U.a. zu teuren vermeidbaren Klinikaufenthalten und könnte sich nun weiter verschärfen.
Ich bitte dich um Klärung und Unterstützung:das BGM kann den Beschluss des Bew.ausschusses beanstanden, die Vergütung der Psychotherapeutinnen gehört in Sozialgesetzbuch. Ich danke dir u. schicke herzliche Grüße Dorothee G.
Liebe Dorothee,
bitte verzeih mir die späte Antwort.
Vielen Dank für deine Nachricht und die Schilderung deiner Situation. Ich teile deine Sorge ausdrücklich. Es ist aus unserer Sicht nicht nachvollziehbar, dass ausgerechnet Psychotherapeut*innen künftig weniger für die Behandlung von GKV-Versicherten erhalten sollen. Psychotherapeutische Arbeit muss angemessen vergütet werden.
Gerade in einer Lage, in der der Bedarf an psychotherapeutischer Versorgung weiter steigt, Wartezeiten für Patient*innen unzumutbar lang sind und Praxen unter erheblichem wirtschaftlichem Druck stehen, ist eine pauschale Honorarkürzung ein falsches und belastendes Signal. Wenn daraus Fehlanreize entstehen und sich die Versorgung zulasten von GKV-Versicherten verschiebt, gefährdet das die ohnehin angespannte Situation zusätzlich.
Was es stattdessen braucht, sind strukturelle Verbesserungen und nachhaltige Reformen. Pauschale Kürzungen lösen die bestehenden Probleme im System nicht. Wir erleben derzeit durch vielfältige gesellschaftliche Krisen einen deutlichen Anstieg psychischer Belastungen, während das Hilfesystem vielerorts bereits an seine Grenzen stößt. Lange Wartezeiten und hohe Zugangshürden sind nicht hinnehmbar.
Als Fraktion haben wir den Prozess aufmerksam begleitet und werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass angemessene finanzielle Rahmenbedingungen geschaffen werden. Ziel ist eine bessere Versorgung mit niedrigschwelligen Zugängen, eine überfällige Reform der Bedarfsplanung und insgesamt mehr Unterstützung für psychische Gesundheit – unabhängig vom Versicherungsstatus. Weil uns das Themas so wichtig ist haben wir entsprechend einen Antrag in den Bundestag eingebracht: https://dserver.bundestag.de/btd/21/049/2104954.pdf.
Mit freundlichen Grüßen
Franziska

