Wie stehen Sie, u.a. auch als Aufsichtsrat des Caritasverband Hochrhein, zu den im Raum stehenden Kürzungen der Eingliederungs.- u. Jugendhilfe?
Sehr geehrter Herr Schreiner,
wie positionieren Sie sich zu den geleakten Sparvorhaben im Bereich der Eingliederungshilfe und Jugendhilfe?
Insbesondere interessiert mich, wie Sie diese Einsparüberlegungen mit Ihrer Verantwortung im Aufsichtsrat des Caritasverbands Hochrhein in Einklang bringen – zumal Sie in dieser Funktion die bereits jetzt vielfach nur knapp kostendeckende Finanzierung der Angebote kennen dürften.
Vor dem Hintergrund steigender Bedarfe bei Kindern, Jugendlichen und Menschen mit Unterstützungsbedarf stellt sich die Frage, ob weitere Kürzungen in diesen sensiblen Bereichen fachlich und sozialpolitisch vertretbar sind.
Wie bewerten Sie die möglichen Auswirkungen auf Versorgungsqualität und Arbeitsbedingungen der Fachkräfte? Und wofür setzen Sie sich konkret ein, um eine Verschlechterung zu verhindern?
Vielen Dank für Ihre Anfrage!
Die Diskussion über mögliche Kürzungen in der Eingliederungs- und Jugendhilfe verfolge ich mit großer Aufmerksamkeit und auch mit der notwendigen Sensibilität. Gerade als Mitglied im Aufsichtsrat des Caritasverbands Hochrhein weiß ich sehr genau, wie wichtig diese Leistungen für Menschen mit Behinderungen, Kinder, Jugendliche und Familien sind. Hinter diesen Hilfen stehen konkrete Lebensrealitäten – oftmals von Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind, um Teilhabe, Bildung und ein selbstbestimmtes Leben überhaupt ermöglichen zu können.
Deshalb halte ich pauschale Kürzungen in diesem sensiblen Bereich für den falschen Weg. Teilhabe und Unterstützung dürfen nicht allein unter fiskalischen Gesichtspunkten betrachtet werden. Gleichzeitig müssen wir aber auch ehrlich darüber sprechen, dass die Ausgaben in der Eingliederungs- und Jugendhilfe seit Jahren stark steigen und Kommunen, Länder sowie der Bund zunehmend unter finanziellem Druck stehen. Daraus ergibt sich die Aufgabe, die Systeme effizienter, zielgenauer und unbürokratischer zu gestalten – ohne dabei notwendige Leistungen infrage zu stellen.
Die derzeit diskutierten Vorschläge stammen nach meinem Kenntnisstand aus internen Arbeitsprozessen und sind weder abschließend politisch entschieden noch gesetzlich beschlossen. Auch auf Bundesebene wird intensiv darüber beraten, wie man einerseits die Finanzierung langfristig sichern und andererseits die Rechte und Unterstützungsangebote für Betroffene erhalten kann. Klar ist für mich: Einsparungen dürfen nicht zulasten derjenigen gehen, die auf Hilfe angewiesen sind.
Ich halte es deshalb für entscheidend, gemeinsam mit Trägern, Kommunen, Fachverbänden und Betroffenen nach Lösungen zu suchen, die sowohl finanzielle Tragfähigkeit als auch soziale Verantwortung gewährleisten. Dazu gehören aus meiner Sicht vor allem weniger Bürokratie, bessere Koordination der Leistungen und mehr Prävention, damit Hilfen frühzeitig greifen können.
Die Arbeit der Einrichtungen und Mitarbeitenden in der Eingliederungs- und Jugendhilfe verdient großen Respekt und Unterstützung. Sie leisten tagtäglich einen unverzichtbaren Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und für Menschen, die auf Solidarität und Unterstützung angewiesen sind.

