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Frage an Felix Martin von Martin H. bezüglich Bildung und Erziehung

Sehr geehrter Herr Martin,

ich studiere an der Uni Marburg. Trotz der sinkenden Zahlen, rechnet das Präsidium der Universität nicht damit vor Weihnachten 2021 einen regulären Präsenzbetrieb zu ermöglichen. Hierbei wird darauf verwiesen, dass man seitens der Uni davon ausgehe, dass alle Studis bis Weihnachten erst ihr Angebot für eine Zweitimpfung erhalten haben werden. Offenbar vertraut man hier der Bundesregierung nicht, die ja spätestens im September für alle ein Impfangebot (2. Impfung 6 Wochen später und weitere 2 Wochen, macht ja Mitte bis Ende November).
Warum werden denn einer Uni seitens der Landesregierung solch hohe Hygieneschutzuflagen gemacht?
Ich meine, da ja alle laut Bundesregierung im Oktober erstgeimpft sein werden, es Masken und Schnelltests gibt, es kaum zu Superspreading mit anschließenden schweren Verläufen kommen wird. Vor allem, da ihre Landesregierung ja in der zweiten und dritten Welle, bis die Bundesnotbremse kam einerseits die Fitnessstudios (ohne Testpflicht!) aufließ und keinerlei Beschränkung für private Zusammenkünfte in privaten Räumen schaffte, wirkt es grotesk, was sie für Anforderungen an die Unis stellen.
Ich freue mich über eine Antwort.

Mit freundlichen Grüßen
Martin Hofmann

Frage von Martin H. am
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Antwort vom
Zeit bis zur Antwort: 4 Tage 4 Stunden

Lieber Herr Hofmann,
vielen Dank für Ihre Frage.
Wie Sie sicherlich wissen verfügt die Philipps-Universität Marburg über ein Vier-Stufen-Konzept für Präsenzmöglichkeiten unter Corona-Pandemiebedingungen. Dieses Konzept bewertet die aktuelle pandemische Lage und passt die Maßnahmen daran an. Aktuell greift an der Uni Marburg Stufe 2 „Erweiterter Pandemiebetrieb“. Kommend von der Bundes-Notbremse (Stufe 4) über den reduzierten Pandemiebetrieb (Stufe 3) wurden also auch an der Universität diverse Lockerungen vorgenommen. Da die Inzidenz - also die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner*innen innerhalb der vergangenen sieben Tage - im Landkreis Marburg-Biedenkopf seit dem 03.06 unterhalb von 50 liegt gehe ich davon aus, dass sich das Präsidium der Universität zeitnah dazu entschließen wird, im Konzept in Stufe 1 voranzuschreiten, welche dann einen eingeschränkten Normalbetrieb mit Infektionsschutzmaßnahmen ermöglicht. Die Entscheidung hierüber liegt ausdrücklich beim Universitätspräsidium. Ausführliche Informationen zu den verschiedenen Stufen des Konzeptes und den daraus resultierenden Möglichkeiten finden Sie hier: www.uni-marburg.de/de/universitaet/administration/sicherheit/coronavirus/stufenkonzept

Die Frage, wann ein regulärer Präsenzbetrieb ohne Einschränkungen und Infektionsschutzmaßnahmen wieder stattfinden kann hängt von zahlreichen Faktoren ab. Dies macht eine seriöse Vorhersage über den genauen Zeitpunkt nahezu unmöglich. Es ist aber richtig, dass sich die Universitäten darauf vorbereiten. Die Impfungen schreiten zügig voran und die Bundesregierung rechnet damit, dass alle Impfwilligen bis zum 21. September eine Erst-Impfung erhalten haben werden. Aktuell stehen die Chancen gut, dass diese Zusage eingehalten werden kann, wir wissen aber auch, dass es immer wieder zu Lieferungsverzögerungen kommt und es in der Vergangenheit auch zu kurzfristigen Stopps bei der Impfung mit bestimmten Impfstoffen kam. Außerdem beträgt der zeitliche Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung nicht immer genau sechs Wochen. Dieser kann sich auch etwas verlängern, wenn beispielsweise der Zweittermin verschoben werden muss. Zudem wissen wir nicht, wie sich die Situation rund um die Mutanten-Versionen des Corona-Virus entwickeln wird. Darüber hinaus könnte es sein, dass Nachimpfungen notwendig werden, die eine entsprechende Zeit in Anspruch nehmen. Sie sehen: Es ist vieles unvorhersehbar. Deshalb ist es gut und richtig, wenn unsere Universitäten ihre Spielräume nutzen und sich vorbereiten. Ob es dann doch schon im November, erst zu Weihnachten oder erst im neuen Jahr zum regulären Präsenzbetrieb kommen wird ist maßgeblich abhängig von den geschilderten Entwicklungen.
Ich bin mir sicher, dass sich die Lehrenden und Verantwortlichen an der Universität Marburg ebenso sehr auf den Präsenzbetrieb freuen und verantwortungsbewusst unter Berücksichtigung der jeweils aktuellen Situation entscheiden werden.

Beste Grüße
Felix Martin

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