Prof. Dr. Erik Schweickert
FDP
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Frage von Unaf Wbnpuvz Urvqvatre an Prof. Dr. Erik Schweickert bezüglich Gesundheit

# Gesundheit 14. Sep. 2013 - 17:44

Sehr geehrter Herr Schweickert,

warum lassen Sie als FDP-MdB/Wahlkreis Pforzheim zu, dass schwer chronisch kranke Mitbürger, ohne vorherige Unterrichtung durch Ihre Krankenkasse, plötzlich nicht mehr die in Jahren bewährten Medikamente bekommen (bei mir seit 13. Sept. 2013)?

Kann sich Ihr Kollege Bahr nicht bei den Krankenkassen (lt. Presse bei guter Kassenlage) durchsetzen und für ein menschlicheres Gesicht in der BRD sorgen?

Ich vermisse den Respekt vor der Lebsnsleistung der Aufbaugeneration, die nur noch als Kostenfaktor wahr genommen wird.
Warum ist es nicht möglich, dass ich durch Bezahlung des Differenzbetrages meine bewährten Medikamente bekomme?

Ihre Wahlaussage von den guten Jahren kann ich nicht teilen: Für mich und meine Frau (hat zwei sehr gute Steuerzahler großgezogen und zwei Großmütter gepflegt, war nebenbei noch halbtags berufstätig) waren es keine 4 guten Jahre - die 4 weiteren (sofern ich das noch erlebe) werden allen Fakten nach noch unmenschlicher.
Habe so keinen Grund, die FDP (wie einst) zu wählen. Entschuldigen Sie meine Emotionen - aber ich habe mich als techn. Betriebsleiter für meinen Arbeitgeber "verrissen" (43 Jahre, die letzten 20 Jahre 12 Std pro Tag und länger, seltenst krank bis zu meinem Zusammenbruch, heute mit 74 Jahren Pflegestufe 2).

Auch ist die Bemerkung von Frau Merkel bei der Fernsehdiskussion krottenfalsch, die beim Thema Rente anführte, dass da noch Betriebsrenten bezahlt werden. Ich frage Sie, ist das bei den Firmen im Enzkreis Standard? Ich erhalte keine! Und die meisten anderen Betriebe zahlen doch auch keine Betriebsrenten.

Ich rechne damit, dass die FDP zusammen mit der CDU wieder die nächste Regierung stellt. Treten Sie dann bitte dafür ein, dass wir "Alten" als Menschen und nicht als finanzielle Manöveriermasse betrachtet werden. Das sollte von Ihrer Seite aus ein Wahlversprechen sein.

Die besten Grüße
Hans Heidinger

Von: Unaf Wbnpuvz Urvqvatre

Antwort von Erik Schweickert (FDP) 20. Sep. 2013 - 12:54
Dauer bis zur Antwort: 5 Tage 19 Stunden

Sehr geehrter Herr Heidinger,

haben Sie vielen Dank für Ihre Nachricht auf abgeordnetenwatch.de vom 14. September 2013 bezüglich unserer liberalen Gesundheitspolitik während der letzten vier Jahre.

Grundsätzlich ist es zu begrüßen, wenn das Gesundheitssystem effizienter gestaltet wird. Denn nur Wettbewerb führt auf dem Gesundheitsmarkt dazu, dass Medikamente preiswerter werden und Nebenwirkungen durch bessere Forschung abgebaut werden können. In aller Regel haben die Medikamente, die Sie nun erhalten, dieselbe Zusammensetzung wie die früheren Medikamente, die Ihnen Ihr Arzt verordnet hat. Es handelt sich dabei nicht um ein schlechteres, jedoch häufig um ein besseres Präparat als zuvor. Der Name des Medikamentes ist ein anderer, der Wirkstoff ist aber meist identisch. Dass Sie ein neues Medikament bekommen, liegt zum Beispiel daran, dass die Krankenkasse einen Vertrag mit dem Hersteller des Medikaments, das Sie nun erhalten, geschlossen hat. Der Patient wird deshalb nicht schlechter gestellt. Im Gegenteil kann die Effizienz solcher Rabattverträge zu niedrigeren Medikamentenkosten für die Krankenkassen führen, wovon alle Versicherten profitieren, weil dann die Medikamente auch für sie billiger werden. Ein anderer Grund ist die verbesserte Forschung auf diesem Gebiet, die dazu geführt hat, dass bessere Wirkstoffe mit geringeren Nebenwirkungen erforscht wurden, was auch ganz im Interesse des Patienten liegt, da es die Lebensqualität des Patienten verbessert.

Manchmal haben auch die Ärzte die Möglichkeit, Medikamente spezifischer Hersteller zu verordnen. Sprechen Sie in diesem Zusammenhang am besten einmal mit Ihrem behandelnden Arzt. Wenn Sie allerdings sehr unzufrieden mit den von Ihrer Krankenkasse geschlossenen Verträgen sind und Ihr Arzt Ihnen auch nicht das von Ihnen gewünschte Medikament verschreibt, bleibt Ihnen als letzter Schritt die Möglichkeit, Ihre Krankenkasse zu wechseln. Wenn Sie von einer gesetzlichen Krankenkasse in eine andere gesetzliche Krankenversicherung wechseln wollen, ist das in aller Regel kein Problem, da gesetzliche Krankenversicherungen gezwungen sind, Menschen zu versichern. Sie sollten sich aber vorher bei anderen gesetzlichen Krankenkassen informieren, ob diese das von Ihnen gewünschte Medikament in ihrem Standardrepertoire haben werden.

Frau Bundeskanzlerin Merkel lag bei den Betriebsrenten pauschal nicht richtig. Das ist in der Tat wahr. Es gibt sehr viele Betriebe, die keinerlei betriebliche Altersvorsorge anbieten oder angeboten haben. Primär liegt es an den Gewerkschaften, in den Tarifverhandlungen betriebliche Altersvorsorge für die Beschäftigten herauszuholen. Gelingt dies nicht, kann es der Betrieb dennoch freiwillig einführen. Jedoch wird das in der Mehrzahl der Betriebe nicht getan. Aus heutiger Sicht empfehle ich privat vorzusorgen. Die private Rentenversicherung ist für alle Menschen gedacht, die weder eine betriebliche Rentenversicherung, noch andere Kapitalformen zur Rentenvorsorge haben. Ganz sicher haben aber nicht alle Arbeitnehmer die Möglichkeit betriebliche Altersvorsorge wahrzunehmen, wie es Frau Merkel dargestellt hat.

Wir Liberale wissen die Lebensleistung der heutigen Rentnergeneration sehr wohl zu schätzen. Deshalb werde ich mich selbstverständlich auch weiterhin sowohl für die Belange der Rentnerinnen und Rentner als auch für die Belange der Jüngeren in unserer Gesellschaft einsetzen, ohne diese beiden sozialen Gruppen gegeneinander auszuspielen oder sie als Kostenfaktoren gegeneinander aufzurechnen. Das brächte die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft kein Stück voran.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen ausreichend weiterhelfen.

Mit freundlichen Grüßen
Prof. Dr. Erik Schweickert, MdB