Frage an Dilek Kalayci von Urvxr Eöpxr bezüglich Gesundheit

18. März 2020 - 09:32

Sehr geehrte Frau Kalayci,

entgegen der Empfehlungen des Bundes haben Sie Spielplätze in Berlin nicht geschlossen. Die Bundeskanzlerin formulierte es treffend, dass es nicht der Effekt der Schulschließungen sein soll, dass die Kinder sich dann auf den Spielplätzen zusammen finden. Das genau findet aber derzeit in Berlin statt. Es waren hier heute und gestern extrem viele Kinder auf den Spielplätzen, saßen auch zu mehreren, eng aneinander auf einer großen Schaukel, u. ä.; auf Wiesen finden Picknicks statt.
Ich bin schwer vor erkrankt und finde empfinde das Menschen wir mir gegenüber als verantwortungslos. Es geht um Lebensrettung und darum die Ausbreitung zu verlangsamen, wobei es ebenfalls um Lebensrettung geht, damit Intensivstationen freie Plätze haben, etc. Das sollte Vorrang vor Spaß haben! Ansonsten wäre es sinnvoller gewesen, die Schulen offen zu lassen und dort, unter Aufsicht von Lehrern, aufzuklären und auf Abstand zu achten.

Es ist auch nicht möglich in Berlin mit Erkältungssymptomen und vor erkrankt einen Corona-Test zu bekommen. In der Charité wartet man Stunden und wird dann ohne Test abgewiesen, wenn man keinen direkten Kontakt zu einer bereits sicher erkrankten Person nachweisen kann und nicht in Risikogebieten war. Andererseits behaupten Sie Infektionsketten nicht mehr nachvollziehen zu können. Dann können Kliniken das kaum zum Kriterium erheben, ohne Bürger zu gefährden. Der Verweis auf den Hausarzt wirkt eher wie "ein Ablenkungsmanöver". Dieser verweist "an die sechs Stellen in Berlin, die testen dürfen" und möchte damit nichts zu tun haben, hat selbst Angst um seine Existenz, weil weniger Patienten kommen und findet die Betreuung mangelhaft, hat Sorge wegen Ansteckung und Praxis-Schließung im Falle einer nachweisbaren Infektion.

In der Maybrit Illner Sendung vom 12.03. ist der Eindruck entstanden, dass sich auch andere Bürger klarere Anweisungen und Kontrollen der Politik wünschen. Das geht mir auch so:
https://www.zdf.de/politik/maybrit-illner/coronavirus-erhoehte-anstecku…
Ein Prof. Dr. Drosten verweist (ab Minute 19) auf seine "akademische Robustheit", so als sei, die Angabe, dass jemand Hochschulprofessor ist, ein Garant für ein korrektes Handeln und Glaubwürdigkeit, jenseits von finanziellen Interessen und jenseits von Ruhm und Macht.

Diese Krise, wird jedoch, je länger Sie fortschreitet, womöglich das Gegenteil offenbaren. Welche Rechtsgrundlage sehen Sie Menschen mit Erkältungssymptomen einen Corona-Test zu verweigern, der sogar von gesetzlichen Krankenkassen bezahlt wird, weil jemand nicht mit einer nachweisbar erkrankten Person Kontakt hatte oder nicht im Ausland war?
Welche Rechtsgrundlage sehen Sie für eine Schulschließung, die nicht auch für die Schließung von Spielplätzen und Parks gelten würde? Wenn es aus Ihrer Sicht ein Argument sein kann, dass Kranke sich auf "die verantwortungsvollen Eltern" der Kinder verlassen sollen, während Sie dabei zusehen müssen, wie dieses Vertrauen offensichtlich nicht gerechtfertigt ist, so bräuchten wir doch auch kein Verbot von Veranstaltungen von mehr als 50, z. B. 52, Personen, die erwachsen sind und verantwortungsvoll Abstand halten und nicht in die Richtung von anderen Personen niesen und husten können? Inzwischen sagen sogar angeblich Gerichte Termine ab und Gefängnisse setzen offenbar Haftstrafen aus? Aber Spielplätze und Parks bleiben offen, (weil Ihnen die Kontrolle zu schwierig erscheint oder warum)?
Wie viele Spielplätze und Parks in Berlin gibt es und wie viele Polizisten, die derzeit keine Großveranstaltungen oder Demonstrationen beaufsichtigen müssen?

Wir haben in Deutschland im Grundgesetz ein Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit, das bitte nicht durch leichtsinniges Handeln gefährdet werden sollte. Hier sind Sie als Politik gefragt, jenseits von finanziellen Interessen hart durchzugreifen, um nicht selbst eine Verantwortung für eine medizinische Mangelversorgung oder gar Todesfälle zu tragen. Bitte tun Sie das ohne weiteres Zögern! Vielen Dank!

Freundliche Grüße
U. Ebrpxr

Frage von Urvxr Eöpxr
Antwort von Dilek Kalayci
18. März 2020 - 19:23
Zeit bis zur Antwort: 9 Stunden 50 Minuten

Sehr geehrte Frau Eöpxr,

Vielen Dank für Ihre Anfrage.

Der Senat hat entschieden, zunächst keine grundsätzliche Schließung von Spielplätzen anzuordnen, da dies konsequenterweise auch für sämtliche Parks und Grünflächen gültig sein müsste. Diese starke Einschränkung würde allerdings einer Ausgangssperre sehr nahekommen, da der Senat bereits sämtliche Veranstaltungen, Einzelhandel, Kita und Schulen bis auf das Notwenigste verboten hat. Diesen Schritt ist der Senat zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gegangen, er steht aber im Raum. In Zeiten einer Pandemie gibt es keinen Königsweg, der alle zu jeder Zeit gleichermaßen zufriedenstellt. Es ist eine ständige Abwägung zwischen Einschränkungen des öffentlichen und sozialen Lebens und dem Funktionieren unserer Stadt und des sozialen Zusammenhalts. Ich bitte jeden Einzelnen, auch jenseits der Senatsbeschlüsse mit eigenem Handeln mitzuhelfen. Abstand von 1,5 Meter - dort wo es geht. Gerade wenn ein Gespräch geführt wird, mindestens 1,5 Meter Abstand - egal an welchem Ort. Hier brauchen wir die Hilfe von jeder und jedem Einzelnen.

Bleiben Sie gesund
Dilek Kalayci