Bundestagsabgeordneter Christoph Schmid
Christoph Schmid
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Frage von Nicole W. •

können Sie Ihre persönliche Meinung zum Thema Organspende erörtern und wissen Sie, ob darüber noch in diesem Jahr abgestimmt werden soll?

Sehr geehrter Herr Schmid,

können Sie Ihre persönliche Meinung zum Thema Organspende erörtern und wissen Sie, ob darüber noch in diesem Jahr abgestimmt werden soll?

Bundestagsabgeordneter Christoph Schmid
Antwort von SPD

Sehr geehrte Frau W.,

vielen Dank für Ihre E-Mail und die Nachfrage, wie ich zum Thema Organspende stehe. 

Ich besitze einen Organspendeausweis und kann nur jede und jeden ermutigen, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Natürlich ist das kein angenehmes Thema, muss man sich doch mit der eigenen Sterblichkeit auseinandersetzen. Am Ende kann da auch eine Ablehnung der Organspende stehen, wichtig ist nur, dass diese Entscheidung festgehalten und im besten Fall auch mit nahen Angehörigen und/oder Freunden kommuniziert ist. 

Am 25. Juni haben wir im Bundestag eine Orientierungsdebatte im Deutschen Bundestag zum Thema Organspende geführt. Grundlage sind zwei Anträge, die jeweils fraktionsübergreifend erarbeitet wurden:

Die erste Gruppe fordert die Einführung der sogenannten Widerspruchsregelung. Ich unterstütze dieses Anliegen und habe den Antrag mitgezeichnet. Wir schlagen vor, dass zukünftig jeder volljährige und einwilligungsfähige Mensch ein potentieller Organspender, eine potentielle Organspenderin sein soll. Diese Annahme gilt, sofern die Person zu Lebzeiten nicht aktiv der Organspende widersprochen hat.  

Die zweite Gruppe möchte die bisherige Regelung beibehalten und mit einer besseren Aufklärung und einfacheren Wegen der Dokumentation mehr Organspenden erreichen. 

Gerne erläutere ich kurz, warum ich mich für die Widerspruchsregelung einsetze:

2025 standen 8.199 Menschen auf der Warteliste für eine Organtransplantation, dem gegenüber standen nur 985 Organspender:innen. Täglich sterben Menschen, die auf der Warteliste stehen und dringend auf eine Spendenorgan warten. Gleichzeitig zeigen Umfragen, dass etwa 85% der Menschen in Deutschland einer Organ- und Gewebespende eher positiv gegenüberstehen. 

Nach den vielfältigen Maßnahmen in den letzten Jahren, die bedauerlicherweise keine Verbesserungen bei Dokumentation der persönlichen Haltung zur Organspende erbracht haben, hält es unsere interfraktionelle Gruppe für dringend erforderlich, in Deutschland eine Widerspruchsregelung einzuführen. Diese Reglung ist bereits in den meisten anderen europäischen Länder umgesetzt und führt dort zu deutlich höheren Spenderaten. 

Durch Einführung einer Widerspruchsregelung soll es zu einer Selbstverständlichkeit werden, sich mit dem Thema Organ- und Gewebespende auseinanderzusetzen und dazu eine Entscheidung zu treffen. 

Heute ist es so, dass trotz hoher genereller Zustimmung zu einer Organspende, nur 45% der Befragten diese Entscheidung dokumentiert haben. Die Praxis zeigt außerdem, dass nur bei einem Bruchteil der Menschen, die ihre Organe spenden würden, der Organspendeausweis oder eine ähnliche Willenserklärung tatsächlich im Falle des Falles gefunden wird. 

Liegen dann keine eindeutigen Dokumente vor, so müssen Angehörige nach dem "mutmaßlichen Willen" der verstorbenen Person entscheiden. Wenn sie keine Hinweise auf den Willen der/des Verstorbenen haben, lehnen die Angehörigen in rund 77% der Fälle eine Organspende ab. Eine Widerspruchsregelung würde die Angehörigen in dieser schwierigen Situation entlasten. Sie werden weiterhin eng einbezogen, eine eigenständige Entscheidung wird ihnen aber nicht mehr abverlangt. Maßgeblich bleibt allein der Wille der verstorbenen Person, die zu Lebzeiten einer Organspende widersprochen oder nicht widersprochen hat. Dass heißt: die Selbstbestimmung wird nicht eingeschränkt. Die Organspende ist und bleibt ein freiwilliger Akt der Nächstenliebe.

Die beiden Gruppenanträge werden nun von parlamentarisch beraten. Ob und wann es zu einer Abstimmung zu den Anträgen kommt, kann ich zum heutigen Zeitpunkt noch nichts sagen. 

Mit freundlichen Grüßen

Christoph Schmid, MdB

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