Dr. rer.silv. Bernhard Zimmer
Bernhard Zimmer
DIE GRÜNEN

Frage an Bernhard Zimmer von Jbystnat Qramva bezüglich Senioren

19. September 2018 - 07:50

Warum müssen wir Rentner 14,6% KK-Beitrag (mit Anspruch auf Krankengeld) zahlen und Pensionäre nicht, die zahlen 14 % OHNE Anspruch auf KK-Geld?

Frage von Jbystnat Qramva
Antwort von Bernhard Zimmer
19. September 2018 - 15:50
Zeit bis zur Antwort: 7 Stunden 59 Minuten

Sehr geehrter Herr Qramva,

die von Ihnen beschriebene Beitragshöhe ist ja leider nicht die einzige Unstimmigkeit im Versicherungssystem. Deshalb fordern die Grünen seit langem den Einstieg in die Bürgerversicherung. Eine Reform unseres Krankenversicherungssystems ist längst überfällig. Deshalb fordern wir zügig erste Schritte für eine Bürgerversicherung. Damit wollen wir die bestehende Spaltung in private und gesetzliche Krankenversicherung überwinden, die Wahlfreiheit der Versicherten ausbauen und allen eine qualitativ hochwertige Versorgung ermöglichen.

In unserem Land gibt es ein leistungsfähiges Gesundheitswesen. Gesetzlich Versicherte sind unabhängig von ihrem Einkommen, ihrem Alter und ihrem Gesundheitszustand umfassend im Krankheitsfall abgesichert. Die gesetzliche Krankenversicherung stärkt damit ganz wesentlich den solidarischen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Eine solche Solidargemeinschaft benötigt jedoch die Hilfe aller, auch der Gutverdienenden. Doch hier offenbaren sich entscheidende Schwächen: Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) beruht fast ausschließlich auf Einkünften aus Beschäftigung und wird hauptsächlich von Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen getragen. Das ist unsolidarisch und gefährdet die finanzielle Stabilität. Dieses getrennte System hat weitere Nachteile. Es führt zur Rosinenpickerei und zu einer Zwei-Klassen Medizin. Ärztinnen und Ärzte lassen sich lieber dort nieder, wo viele privat Versicherte leben. Gesetzlich Versicherte müssen länger auf einen Arzttermin warten. Für viele ältere Versicherte mit unregelmäßigen Erwerbsbiographien, für kleine Handwerker oder Soloselbständige mit geringen Einkommen existiert keine bezahlbare soziale Absicherung. Damit kann für relevante Bevölkerungsgruppen das Versprechen eines verlässlichen Schutzes bereits heute nicht mehr hinreichend eingelöst werden.

Ich darf Sie hier bitte an die Bundestagsfraktion verweisen:

https://www.gruene-bundestag.de/gesundheit/die-gruene-buergerversicherung-29-06-2017.html

Mit freundlichen Grüßen

Bernhard Zimmer