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Bärbel Bas
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Frage von Sven S. •

Wie viel mehr Netto sollte ein Durchschnitts-Verdiener vom Brutto bekommen?

Sehr geehrte Frau Bas,

Kürzlich hörte ich Ihnen bei Caren Miosga zu. Sie sagten, es gibt ab Januar 2027 eine große Steuerreform. Dadurch bekäme ein Durchschnitts-Verdiener ideaöerweise jährlich rund 500€ mehr ins Portmonee. Wir reden also von rund 40€ mehr im Monat. Das reicht nicht mal fürs Deutschland-Ticket, welches 2027 vermutlich erneut teurer wird.

Wie können Sie solch eine Reform also als groß betiteln, während man bei Politikern von Diäten-Erhöhungen um rund 6.000€ redet? Im Jahr 2025 wurden Diäten für Politiker um 606€ monatlich erhöht.

- Wie ist sowas noch dem Bürger zu erklären?

- Und aus welchem Grund sollte man einen Beruf wie Reinigungskraft oder Dachdecker noch ausüben, wenn man lediglich wenige Hundert Euro monatlich Netto mehr bekommt wie ein ALG2-Bezieher?

Ich werde leider AFD wählen, solange ich aus der politischen Mitte da keine fairen ptaktischen Reaktionen auf die Ungerechtigkeiten im Land erhalte. 40€ mehr im Monat sind nett, helfen aber in keinster Weise.

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Antwort von SPD

Sehr geehrter Herr S.,

vielen Dank für Ihre Frage.

Am 1. Juli haben wir uns im Koalitionsausschuss auf eine Einkommensteuerreform geeinigt. Wenn die Reform ab 2028 ihre volle Wirkung entfaltet, sorgt sie bei einer berufstätigen Familie mit zwei Kindern für eine Entlastung von mehr als 600 Euro jährlich. Für eine Familie, die wie in diesem Rechenbeispiel ein zu versteuerndes Jahreseinkommen von 60.000 Euro hat, machen 600 Euro mehr im Portemonnaie einen wichtigen Unterschied – davon bin ich überzeugt.

Ich kann gut verstehen, dass Sie sich eine noch stärkere Entlastung wünschen. Dabei ist es kein Geheimnis: Der begrenzende Faktor für die Reform ist die Gegenfinanzierung, und die schwierige Haushaltslage schränkt unseren Handlungsspielraum erheblich ein. Bei der vorliegenden Reform geht es um ein Entlastungsvolumen von rund 10 Milliarden Euro. Das ist eine enorme Summe, die wir vor allem über eine Veränderung der „Reichensteuer“ aufbringen: Ab einem zu versteuernden Einkommen von 250.000 Euro soll ein Steuersatz von 45 Prozent gelten, ab 280.000 Euro dann 47 Prozent.

Die Abgeordnetenentschädigung wird regelmäßig anhand der allgemeinen Lohnentwicklung angepasst – in diesem Jahr haben wir allerdings vereinbart, die Anpassung auszusetzen. Über die Höhe der Abgeordnetenentschädigung lässt sich selbstverständlich diskutieren, und ich habe mich dazu auch auf dieser Plattform schon oft geäußert. Ihrem Vergleich hier kann ich aber nicht folgen, denn klar ist: Die Einkommensteuerreform ist kein Ersatz für regelmäßige Gehaltsanpassungen durch den Arbeitgeber.

Ich stimme Ihnen absolut zu, dass sich Arbeit lohnen muss. Die Lösung liegt für mich aber darin, gute Arbeit zu stärken. Dafür kämpfen die SPD und ich persönlich ganz ausdrücklich: durch einen angemessenen Mindestlohn als Untergrenze, vor allem aber durch die Stärkung der Tarifbindung. Denn so sorgen wir dafür, dass Beschäftigte von ihrer Arbeit gut leben können.

Abschließend möchte ich darauf hinweisen, dass Sie selbstverständlich die Möglichkeit haben, auch auf direktem Weg mit dem Deutschen Bundestag, seinen Abgeordneten oder mir Kontakt aufzunehmen – zum Beispiel über https://www.bundestag.de.

Mit freundlichen Grüßen

Bärbel Bas

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