Sehr geehrte Frau Klose, wie will ihre Regierung die Situation für Menschen mit Behinderung verbessern, indem diese häufiger auf den ersten Arbeitsmarkt landen?
Sehr geehrte Frau Wallstein, ich habe selber Autismus und fühle mich von der Politik generell verachtet. Es hat sich auch in der Gesamtheit nichts verbessert für Personen wie mich, es ist schwieriger als früher einen Schwerbehindertenausweis zu bekommen. Es arbeiten immer mehr in einer WfbM, die Chance dort auf den ersten Arbeitsmarkt zu kommen ist bei 1%, und wer weiß wie viel diese 1% durch Eigeninitiative gelingen und nicht durch die Werkstätten. Ich habe seit knapp über 10 Jahren Depressionen, weil ich merke das ich in meinen Leben nicht wirklich vorankomme und vereinsamt bin. Es gibt keinen Arbeitgeber für mich der wirklich wesentlich Rücksicht auf mich nimmt, ich habe schon Erfahrung mit Mobbing machen müssen weil ich anders bin. Ich bin zum Glück nicht in einer Werkstatt, wäre aber dort 2-mal fast gelandet, Und hab eine abgeschlossene Berufsausbildung.
Sehr geehrter Herr S.,
vielen Dank für Ihre persönliche Nachricht und ihr Engagement bei diesem wichtigen Thema!
Aktuell läuft noch das Verfahren für die Reform des sogenannten Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG). Danach wollen wir als Koalition ein „Zweites Gesetz zu einem inklusiven Arbeitsmarkt“ auf den Weg bringen, um Menschen mit Behinderung den Weg auf den ersten Arbeitsmarkt konkret zu erleichtern. Dabei warten wir für den Moment noch auf den Regierungsentwurf, anhand welchen wir dann im parlamentarischen Verfahren verhandeln werden. In jedem Fall ist unser Ziel als SPD, dass Hürden abgebaut werden, die Menschen mit Behinderung daran hindern, auf dem 1. Arbeitsmarkt einen Arbeitsplatz zu finden.
Ich finde, dass die von Ihnen angesprochenen Werkstätten eine wichtige Funktion darstellen, insbesondere für die Gestaltung des Übergangs auf den 1. Arbeitsmarkt. Dennoch müssen Eindrücke wie Ihre miteinbezogen werden, um das gesamte System besser und effizienter zu gestalten.
Daneben möchte ich Sie noch auf die Förderung im Rahmen des „DiBiRe“-Förderprogramms aufmerksam machen. Mit diesem Förderprogramm setzen wir das im Koalitionsvertrag festgehaltene Ziel um, eine barrierefreie digitale Infrastruktur in außerbetrieblichen Bildungseinrichtungen zu unterstützen. DiBiRe steht für die Stärkung digitaler Bildungsangebote und barrierefreier digitaler Infrastruktur in Einrichtungen und bei Diensten der beruflichen Rehabilitationen.
Insgesamt sollen in diesem Rahmen 12 Projekte gefördert werden, die verschiedene Themenfelder bedienen. Hierzu zählen der Fokus auf die Inklusion von jungen Menschen mit Behinderung in Bildung und Arbeit, die Vernetzung mit weiteren Akteuren des Bildungs- und/oder Arbeitsmarktes, die Mitwirkung der Menschen mit Behinderungen als Expert*innen in eigener Sache sowie die Übertragbarkeit und Wirksamkeit während und nach dem Ende der Projektlaufzeit. Ein Projekt bietet konkret auch barrierefreie Berufsorientierungen für Personen mit Autismusspektrumsstörung an. Sobald die Projekte angeboten werden, finden Sie entsprechende Informationen auf der Seite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS).
Abschließend möchte ich mich nochmal für Ihre Nachricht bedanken. Mir liegt der Austausch mit engagierten Menschen immer sehr am Herzen und ich betrachte diesen als Bereicherung für meine parlamentarische Arbeit.
Mit freundlichen Grüßen
Annika Klose

