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Anne Helm
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Frage von Yvonne M. •

Wie ist Ihre Position zu der 4,5-%-Honorarkürzung psychotherapeutischer Leistungen?

Sehr geehrte Frau Helm,

ich möchte Sie um eine Stellungnahme zur geplanten Kürzung der Vergütung psychotherapeutischer Leistungen um 4,5 % ab dem 01.04.2026 bitten.

Angesichts steigender Zahlen psychischer Erkrankungen und bereits langer Wartezeiten auf Therapie erscheint eine Absenkung der Vergütung schwer nachvollziehbar und potenziell versorgungsgefährdend.

Daher meine Fragen an Sie:

- Wie positionieren Sie sich zu dieser Honorarkürzung?

- Werden Sie sich dafür einsetzen, dass das Bundesgesundheitsministerium den Beschluss prüft bzw. beanstandet?

- Unterstützen Sie eine gesetzliche Klarstellung im Sozialgesetzbuch, die eine angemessene Vergütung psychotherapeutischer Leistungen sicherstellt?

- Unterstützen Sie den Ausbau psychotherapeutischer Leistungen?

Vielen Dank für ihre öffentliche Antwort

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Antwort von Die Linke

Sehr geehrte Yvonne M.,

vielen Dank für Ihre Nachricht zur Kürzung der Vergütung für psychotherapeutische Leistungen durch den Bewertungsausschuss.

In der aktuellen, sehr angespannten Situation setzt die Kürzung der Honorare für die psychotherapeutische Versorgung die völlig falschen Signale. Die Strukturzuschläge wurden zwar angehoben, aber unter dem Strich bleibt eine deutliche Kürzung der Vergütung. Eine solche Kürzung lehne ich entschieden ab.

Die psychotherapeutische Versorgung in Berlin ist seit Jahren stark belastet. Zahlreiche Studien zeigen, dass der Bedarf, insbesondere infolge der Corona-Pandemie, weiter gestiegen ist. Auf dem Papier liegt der Versorgungsgrad aber deutlich oberhalb von 100 Prozent, da er auf veralteten und methodisch fragwürdigen Berechnungsgrundlagen aus den 1990er Jahren basiert. Tatsächlich besteht eine erhebliche Unterversorgung, die sich insbesondere in langen Wartezeiten auf Therapieplätze widerspiegelt. Wir fordern daher eine Neubemessung des Versorgungsgrads anhand objektiver Kriterien und mehr Kassenzulassungen, vor allem in den am stärksten unterversorgten Bezirken, durch die Kassenärztliche Vereinigung.

Auf der Bundesebene setzen wir uns dafür ein, dass die Kürzungen der Honorare zurückgenommen werden. Dafür muss öffentlicher Druck auf den Bewertungsausschuss und insbesondere die Vertreter der Krankenkassen ausgeübt werden. Wenn das nicht zum Erfolg führt, ist eine gesetzliche Regelung anzustreben. Unabhängig davon gilt: Statt Kürzungen braucht es eine nachhaltige Stärkung der psychotherapeutischen Versorgung.

Was möchten Sie wissen von:
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