Durch die jüngsten Diskussionen (Wegfall Familienversicherung, Ehegattensplitting) wird die Familie, der Puls jeder Gesellschaft, geschwächt. Möchten Sie - und die SPD - tatsächlich dafür stimmen?
Meine Frau und ich haben uns bewusst für ein Familienmodell entschieden, in der ich der Hauptverdiener bin und meine Frau sich verstärkt für die Kinder, die Familie und die sozialen Aspekte kümmert.
Daher ist sie auf einen Mini-Job gewechselt. Unsere 3 Kinder sind gut erzogen und werden hoffentlich die Werte in die Gesellschaft tragen. Mit den Maßnahmen der jüngsten Diskussionen wird Erziehung innerhalb der Familie wesentlich herausfordernder.
Dies halte ich für den falschen Weg.
Dabei möchte ich nicht mal den Aspekt der fehlenden Fachkräfte in Kinderbetreuung ansprechen.
Sehr geehrter Herr F.,
vielen Dank für Ihre Nachricht. Ich kann gut nachvollziehen, dass die aktuellen Diskussionen bei Ihnen und Ihrer Familie Verunsicherung auslösen. Wenn man sich als Familie bewusst für ein bestimmtes Lebensmodell entschieden hat – mit drei Kindern, viel Verantwortung im Alltag und einer klaren Aufgabenteilung, dann ist es verständlich, dass politische Debatten über Steuern oder Sozialversicherung sehr genau verfolgt werden.
Zunächst möchte ich klar sagen: Ich habe großen Respekt vor der Leistung von Familien: Kinder zu erziehen, füreinander einzustehen und Verantwortung im Alltag zu übernehmen, ist ein zentraler Beitrag für unsere Gesellschaft. Das gilt selbstverständlich auch dann, wenn ein Elternteil beruflich kürzertritt oder zeitweise vor allem Sorgearbeit übernimmt.
Bei der Debatte um das Ehegattensplitting geht es der SPD nicht darum, Familien zu schwächen oder bestehende Lebensentscheidungen rückwirkend zu bestrafen. Diskutiert wird vielmehr eine Reform für künftig neu geschlossene Ehen. Wichtig ist uns dabei, Verlässlichkeit zu schaffen und Familien nicht von heute auf morgen vor neue finanzielle Unsicherheiten zu stellen.
Der Grund für die Reformdebatte ist, dass das heutige Ehegattensplitting vor allem Ehen mit sehr ungleichen Einkommen begünstigt: unabhängig davon, ob Kinder im Haushalt leben oder nicht. Gleichzeitig kann es dazu beitragen, dass sich zusätzliche Erwerbsarbeit für den zweiten Elternteil finanziell kaum lohnt. Das betrifft in der Praxis sehr häufig Frauen. Die SPD möchte deshalb Familienförderung stärker an Kindern, Vereinbarkeit und tatsächlichen Belastungen ausrichten – also dort, wo Unterstützung im Alltag konkret ankommt.
Das heißt ausdrücklich nicht, dass jedes Familienmodell gleich aussehen muss. Auch künftig muss es möglich sein, dass Familien selbst entscheiden, wie sie Erwerbsarbeit, Kindererziehung und Sorgearbeit aufteilen. Diese Wahlfreiheit ist aber nur dann echt, wenn Betreuung verlässlich verfügbar ist, Arbeit sich lohnt und Familien finanziell nicht überfordert werden. Gerade deshalb gehören der Ausbau von Kitas, Ganztagsangeboten und eine bessere Unterstützung von Familien für uns zusammen.
Kurz gesagt: Die SPD will Familienpolitik zeitgemäß und gerecht machen. Wir wollen Kinder und Eltern gezielter unterstützen, Sorgearbeit anerkennen und zugleich verhindern, dass steuerliche Regeln Menschen dauerhaft in Abhängigkeit oder unfreiwilliger Teilzeit halten. Vielen Dank, dass Sie sich mit Ihrer Perspektive an mich gewandt haben.
Mit freundlichen Grüßen
Anke Rehlinger, MdL

