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Ursula Sowa
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Frage von Julian K. •

Thema Bildung: Sind Sie für die Abschaffung des mehrgliedrigen Schulsystems mit der Bitte um Begründung und einem eindeutigen Ja oder Nein.

Deutschland bildet unter den OECD-Staaten eine Ausnahme, weil es – entgegen zentralen pädagogisch-didaktischen Erkenntnissen – weiterhin am mehrgliedrigen Schulsystem festhält. Länder, die seit Jahren zu den Spitzenreiter der PISA-Studie gehören wie Finnland, Estland, Dänemark etc. setzen voll und ganz auf die Vorteile eines inklusiven Bildungsweges bis zur 9. Klasse. Führende Schulpädagog:innen wie Heinz Klippert, Hilbert Meyer und K-J. Tillmann sowie alle Länderbildungsberichte weisen daraufhin, dass in Deutschland eine Förderkultur fehlt, die alle Schüler:innen gleichermaßen annimmt und ernstnimmt. Das Sitzenbleiben oder die Verbannung von Flüchtlingen auf Mittelschulen sind die größten Auswüsche der Selektionsbemühungen. Gleichzeitig gibt es keine mit Studien oder anderer empirischer Forschung nachgewiesene Nachteile eines integrativen Ansatzes. Am Ende scheitert es nicht an den Schüler:innen oder den Lehrkärfte bzw. der Pädagogik. Die Bringschuld liegt im politischen Willen.

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Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Sehr geehrter Herr K.

vielen Dank für Ihre Nachricht. 

Wir Grünen in Bayern lehnen das starre mehrgliedrige Schulsystem ab und wollen stattdessen längeres gemeinsames Lernen ermöglichen. Mit gerade einmal zehn Jahren stehen Schülerinnen und Schüler in Bayern vor einer Entscheidung, die oft eine Weichenstellung für das restliche Leben ist. Das setzt Kinder und Familien massiv unter Druck.

Bildung sollte fördern, nicht einschränken. Dafür brauchen Schülerinnen und Schüler mehr Zeit, ihr Potenzial zu entfalten. In Bayern entscheidet noch immer das Elternhaus stärker als die Leistung über den Bildungsweg. Das ist ein strukturelles Problem. Längeres gemeinsames Lernen ist der Schlüssel zu mehr Chancengerechtigkeit.

Deshalb wollen wir das Schulsystem öffnen: Unser Gesetzentwurf sieht vor, dass Schulträger künftig die Möglichkeit bekommen, Gemeinschaftsschulen zu gründen. Dort sollen Kinder von der fünften bis mindestens zur neunten Klasse gemeinsam lernen – ohne frühe Aufteilung, inklusiv und binnendifferenziert. Alle Bildungsabschlüsse bleiben erreichbar, ebenso der Anschluss an das Gymnasium sowie an eine Berufsausbildung.

Auch beim Sitzenbleiben setzen wir auf „Fördern statt wiederholen“. In Bayern wiederholen jährlich über 20.000 Schülerinnen und Schüler eine Klasse. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass Sitzenbleiben pädagogisch nichts bringt. Dieses Geld wäre in individueller Förderung deutlich besser investiert.

Der Vorschlag für längeres gemeinsames Lernen gibt Kindern aus benachteiligten Familien mehr Zeit, ihr Potenzial zu entfalten. Gleichzeitig kann das Modell dazu beitragen, Schulstandorte im ländlichen Raum zu sichern. Für uns ist klar: Bildung darf kein Herkunftsschicksal sein. Längeres gemeinsames Lernen ist ein wichtiger Schlüssel für mehr Chancengerechtigkeit.

Mit freundlichen Grüßen

Ursula Sowa

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