Die SPD-Fraktion hat einen "Schienenpakt 2030" vorgeschlagen, zur Stärkung des Schienenverkehrs in Deutschl. Wir sind seit 50 Jahren auf dem Abstellgleis (4.400km2!). Wie können Sie helfen?
Sehr geehrter Herr Reichardt,
wir gehören auf Platz 1 der Maßnahmen des Schienenpakts 2030. Seit 50 Jahren stehen wir auf dem Abstellgleis. Das größte bahnfreie Gebiet Deutschlands mit 4.400 km2 - der Hunsrück, ein Mittelgebirge in Rheinland-Pfalz. Wir möchten auch endlich mit dem Deutschland-Ticket Bahn fahren.
Das letzte Mal, dass die Bahn bei uns fuhr, war 1976 - mit Schienenbussen. Seitdem sind wir komplett abgehängt. Ich wundere mich daher überhaupt nicht, dass viele meiner Mitbürger radikal wählen, um den unhaltbaren Zustand zu ändern. Nach 50 Jahren ist unsere Geduld zu Ende.
Wie können Sie uns helfen? Vielen Dank.
Sehr geehrter Herr S.,
vielen Dank für Ihre Nachricht. Ich kann gut nachvollziehen, dass nach Jahrzehnten ohne eine ausreichende Schienenanbindung die Geduld in der Region begrenzt ist. Gerade im ländlichen Raum muss Mobilität verlässlich möglich sein. Das Deutschlandticket entfaltet seinen Nutzen schließlich nur dort vollständig, wo es auch ein entsprechendes Angebot im öffentlichen Verkehr gibt.
Beim Hunsrück gibt es inzwischen zumindest konkrete Fortschritte. Die DB InfraGO arbeitet seit 2023 daran, die Hunsrückquerbahn zwischen Langenlonsheim und Büchenbeuren wieder für den Zugverkehr herzurichten. Dabei wurden unter anderem rund 40 Kilometer Gleisanlagen erneuert. Anfang September hat die DB allerdings mitgeteilt, dass zusätzlich rund 60 Durchlässe entlang der Strecke saniert werden müssen. Deshalb wird die Strecke nach aktuellem Stand voraussichtlich erst im Herbst 2027 wieder für den Zugverkehr freigegeben werden können.
Parallel untersucht das Land Rheinland-Pfalz mit einer Nutzen-Kosten-Untersuchung, ob und in welcher Form die Hunsrückquerbahn dauerhaft für den Personenverkehr reaktiviert werden kann. Bei einem positiven Ergebnis besteht grundsätzlich die Möglichkeit, für die erforderliche Infrastruktur erhebliche Fördermittel des Bundes einzusetzen. Rheinland-Pfalz bereitet solche Reaktivierungen ausdrücklich mit Blick auf eine Förderung über das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz vor.
Als Bundestagsabgeordneter kann ich nicht darüber entscheiden, welche Regionalbahnverbindung das Land Rheinland-Pfalz bestellt. Das ist zunächst Aufgabe des Landes und der dortigen Aufgabenträger. Auf Bundesebene können wir aber dafür sorgen, dass erfolgreiche Reaktivierungsprojekte nicht an fehlenden Fördermitteln scheitern. Dafür werde ich mich auch weiterhin einsetzen. Gerade bei Regionen, die über Jahrzehnte vom Schienenverkehr weitgehend abgekoppelt waren, halte ich es für richtig, solche Reaktivierungen ernsthaft zu prüfen und bei einem tragfähigen Ergebnis auch umzusetzen.
Einen Punkt möchte ich noch einordnen: Der von Ihnen angesprochene „Schienenpakt 2030“ der SPD-Bundestagsfraktion stammt aus dem Jahr 2016. Er enthielt 19 grundsätzliche Maßnahmen zur Stärkung des Schienenverkehrs, jedoch keine Rangliste einzelner Strecken oder Regionen. Das Anliegen dahinter bleibt aber aktuell: Wir brauchen auch außerhalb der Ballungsräume wieder mehr Schiene und bessere Verbindungen.

