Werden Sie dafür stimmen dass die Rente für besonders langjährig Versicherte abgeschafft wird?
Sehr geehrte Frau H.,
vielen Dank für Ihre Nachricht.
Die Vorschläge der Rentenkommission zur Weiterentwicklung unseres Rentensystems verdienen eine sorgfältige und sachliche Prüfung. Nach meiner Einschätzung sprechen gute Gründe dafür, die abschlagsfreie Frührente nach 45 Versicherungsjahren – häufig verkürzt als „Rente mit 63“ bezeichnet – schrittweise weiterzuentwickeln. Dabei ist für mich zugleich entscheidend, dass ein verlässlicher Vertrauensschutz für diejenigen gilt, die ihre Lebensplanung bereits auf Grundlage der geltenden Regelungen ausgerichtet haben. Niemand sollte kurz vor dem Renteneintritt mit grundlegenden Änderungen konfrontiert werden.
Aus wissenschaftlicher Sicht sprechen mehrere Gründe für eine Reform. Die demografische Entwicklung führt dazu, dass immer weniger Erwerbstätige die Renten von immer mehr Ruheständlern finanzieren. Eine Regelung, die einen abschlagsfreien Renteneintritt vor der Regelaltersgrenze ermöglicht, verkürzt die Beitragsphase und verlängert zugleich die Rentenbezugsdauer. Das erhöht die Belastung für Beitragszahler und den Bundeshaushalt.
Die Lebensleistung von Menschen mit 45 Beitragsjahren verdient großen Respekt. Daraus folgt jedoch nicht zwingend, dass ein früherer Renteneintritt dauerhaft von der Solidargemeinschaft finanziert werden kann. Anerkennung der Lebensleistung und finanzielle Nachhaltigkeit müssen gemeinsam gedacht werden.
Deshalb halte ich es für richtig, über eine schrittweise Reform dieser Regelung zu sprechen und gleichzeitig flexible Übergänge in den Ruhestand sowie einen wirksamen Schutz für Menschen in besonders belastenden Berufen sicherzustellen. Unser Ziel muss ein Rentensystem sein, das auch für kommende Generationen verlässlich und finanzierbar bleibt.
Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit meiner Antwort weiterhelfen.
Mit freundlichen Grüßen,
Dr. Thomas Pauls

